Reichenberg

Leserbrief: Einsatz von Klärschlamm hat positive Effekte

Zum Artikel "Klärschlamm: Verbrennen im Zementwerk" erreichte die Redaktion folgender Leserbrief:

Mit Bezug auf den Abwasserzweckverband Zellinger Becken wird unter anderem berichtet und festgestellt:  „Bekanntlich nutzt das Zementwerk den Klärschlamm als Sekundärbrennstoff für die Zementherstellung. Es handelt sich also um eine thermische Verwertung.“ Leider ist dies nicht einmal die halbe Wahrheit, weshalb der Nutzen des Klärschlammeinsatzes in Zementwerken nur unzureichend dargestellt wurde und weitere wesentliche Aspekte überhaupt keine Erwähnung fanden.

Der Klärschlammeinsatz in Zementwerken erfolgt sinnvollerweise – wie auch in Karlstadt – nach einer Trocknung mit Abwärme auf einen Trockensubstanzgehalt von etwa 90 Prozent. Nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG), dem zentralen Gesetz des deutschen Abfallrechtes, führt dieser Prozess zu einer vollständigen Verwertung. Die mineralischen Anteile des getrockneten Klärschlammes werden im Klinker – dem Zement-Vorprodukt – stofflich eingebunden, während die organischen Anteile in den Zementöfen in thermische Energie umgewandelt werden.

Diese Anwendung eines biogenen Sekundärbrennstoffes in Zementwerken ersetzt teilweise und zunehmend fossile Brennstoffe, wie zum Beispiel Braunkohlestaub. Daraus resultiert zusätzlich noch eine Reduktion des CO2-Ausstoßes fossilen Ursprungs. Der Einsatz von Klärschlamm in Zementwerken hat also drei positive Effekte mit ressourcenschonender bzw. klimaschonender Wirkung. Wenn dann auch noch kurze Wege von der Kläranlage zum Zementwerk möglich sind, wie am Beispiel Retzbach-Karlstadt, führt diese Form nach dem gegenwärtigen Stand der Technik zu einer sehr guten Öko-Bilanz, die anderen Verwertungspfaden überlegen ist.

Einen Wermutstropfen gibt es allerdings noch: Bei der Klärschlamm-Mitverbrennung in Zementwerken wird die endliche und für menschliches Leben essenzielle Ressource Phosphor vernichtet. Erste erfolgreiche Projekte lassen jedoch hoffen, dass in Zukunft an den Kläranlagen ein kontinuierliches Recycling von Phosphor in pflanzenverfügbarer Form rentabel möglich ist.

Gerhard Hartmann, 97234 Reichenberg

Der Verfasser dieses Leserbriefes war bis Dezember 2013 für die HeidelbergCement AG (HC AG) als Resssortleiter Biomasse tätig.

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