Adelsberg

Marke Eigenbau: Ökologisch saniertes Häuschen in Adelsberg

Jennifer Weidle hat ein altes Haus mit viel Eigenleistung ökologisch saniert und aus einer Wiese einen üppigen Garten gemacht. Verbrauchen will sie möglichst wenig.
Jennifer Weidle (mit Tochter Ophelia) hat ihr Haus in Adelsberg ökologisch saniert. Blick aus dem Dachfenster auf den von ihr angelegten weitläufigen Garten.
Foto: Björn Kohlhepp | Jennifer Weidle (mit Tochter Ophelia) hat ihr Haus in Adelsberg ökologisch saniert. Blick aus dem Dachfenster auf den von ihr angelegten weitläufigen Garten.

Ein Besuch bei Jennifer Weidle in Adelsberg ist inspirierend. Sie hat ein heruntergekommenes Häuschen, das 25 Jahre leer stand, gekauft und ökologisch saniert – ohne viel Geld, aber mit viel Elan und eigenem Einsatz. Sie lebt vor, dass man nicht viel braucht, um glücklich zu sein und gesund zu leben. Ein schickes Bad? – Sie hat eine Komposttoilette und im Sommer duscht und badet sie im Garten mit Regenwasser. Zentralheizung? – Braucht sie nicht. Neue Möbel? – Alte tun es auch. Ein Auto? – Es geht auch mit dem Fahrrad.

Ihr Haus wurde in diesem Jahr vom Landkreis mit der "Grünen Hausnummer" ausgezeichnet. Damit sollen private Bauherren für ökologisches Bauen und grüne Gartengestaltung honoriert werden. Sie hat als Preis einen Gutschein für eine Woche Elektroautofahren bekommen. Das Häuschen sei eine "kleine Ruine" gewesen, als sie es 2011 kaufte, erzählt die 39-jährige Weidle. Ein Eisenbahner habe es in den 1930ern gebaut und die Steine dafür aus Schlacke selbst geformt. Jahrelang soll er zunächst im Keller gewohnt haben, weil das Haus darüber erst schrittweise entstand.

Ihren Wintergarten hat Jennifer Weidle selbst geplant und mit alten Fenstern und Türen sowie Holz aus dem Spessart gebaut.
Foto: Björn Kohlhepp | Ihren Wintergarten hat Jennifer Weidle selbst geplant und mit alten Fenstern und Türen sowie Holz aus dem Spessart gebaut.

Auch bei Weidle geht alles Schritt für Schritt. Den Wintergarten vor dem Haus hat sie selbst geplant und gebaut – mit alten Fenstern und Holz aus der Gegend sowie einer alten Haus- und einer alten Terrassentür. Gerade erst hat sie an der Südwestfassade ein Gerüst aufgestellt, um diese zu dämmen – und zwar selbst. "Ich weiß ja jetzt, wie es geht." Alles, obwohl sie kein Handwerker sei. Die schon fertigen Fassadenabschnitte hat sie mit Holzfaserplatten dämmen und mit Holz aus dem Spessart verschalen lassen. Innen hat sie die Tapeten samt Putz runter und Schilfrohrmatten und Holzfaserdämmmatten drauf.

"Mir war dieses ganze Plastik und Styropor unsympathisch."
Jennifer Weidle über ihr ökologisch saniertes Häuschen

"Wenn ich hier schon alles neu mache, dann mache ich es ökologisch", sagte sie sich. "Mir war dieses ganze Plastik und Styropor unsympathisch." Sie wolle es möglichst gesund. Ihre Dämmung lasse sich irgendwann einmal einfach verschüren oder leicht entsorgen. Als sie 2013 das Dach neu machen ließ, kam zwischen Holzfaserplatten und OSB-Platten, auch wenn letztere nicht ganz ökologisch seien, eine Einblasdämmung aus Zellulose. "Mir war wichtig, dass das Haus atmen kann", sagt die 39-Jährige. Mit Schimmel habe sie kein Problem.

Ein mit alten Fenstern selbst gebautes Gewächshaus.
Foto: Björn Kohlhepp | Ein mit alten Fenstern selbst gebautes Gewächshaus.

Sie erzählt, dass sie versuche, möglichst kleine und regionale Unternehmen zu unterstützen. Manche Handwerker nähmen auch gern das Angebot an, dass man einen Teil in Eigenleistung erbringt. So habe sie viel gelernt. "Das Wissen kann mir niemand mehr nehmen." Über die Jahre ist das Haus ihr Hobby geworden. "Wenn man das als Arbeit sieht, wird man nicht glücklich." Sie finde es, so bedacht, eigentlich schade, dass sie vermutlich nur einmal im Leben ein Häuschen so saniert. Das alles sei kein Hexenwerk. Man finde Anleitungen im Internet.

In ihrem Blog karl-erwin.blogspot.com dokumentiert sie zudem alles, auch für sich selbst, z.B. Rezepte für Farbe und Putz. Im Moment schleift sie die alten Dielen ab. Dafür hat sie sich eine gebrauchte Profischleifmaschine gekauft, die sie danach einfach wieder verkaufen will. So kann sie immer mal wieder eine Stunde arbeiten, wenn es ihre kleine Tochter erlaubt.

Fixkosten von nur 100 Euro im Monat

Ihr Haus habe Fixkosten von lediglich 100 Euro im Monat, sagt Jennifer Weidle. Enthalten seien unter anderem Strom, Gas zum Kochen (sie komme mit einer Gasflasche im Jahr aus) und Holz zum Heizen. Sie hat sich gegen eine Zentralheizung entschieden und heizt stattdessen mit zwei Holzöfen. "Im Zweifelsfall bleiben ein paar Zimmer kalt." Den kaputten Ölbrenner, die alten Heizkörper und Rohre schmiss sie raus.

In ihrem Garten hat die Adelsbergerin Ecken zum Ausspannen und Spielen angelegt, und Hühner hält sie dort auch.
Foto: Björn Kohlhepp | In ihrem Garten hat die Adelsbergerin Ecken zum Ausspannen und Spielen angelegt, und Hühner hält sie dort auch.

Sie hat sich auch gegen Photovoltaik oder eine Wärmepumpe entscheiden. Einerseits, weil sie es "möglichst robust" haben wolle, "nichts, was ich nicht selbst reparieren kann". Sie findet Photovoltaik oft zu kurz gedacht und fragt sich: "Wie ökologisch wird das hergestellt? Wie ist es mit der Entsorgung?" Andererseits würde sich Photovoltaik oder eine Wärmepumpe für sie schlicht nicht lohnen, weil ihr Verbrauch so niedrig ist. Zum Duschen hat sie einen Boiler und im Sommer duscht und badet sie im Garten mit Regenwasser, wo sie eine große Wanne stehen hat. Auch zum Spülen verwendet sie Regenwasser.

Früher hatte sie Regenwasser auch für die Toilette verwendet, inzwischen hat sie eine wasserlose Komposttoilette und einen Wärmekomposter, der Bakterien abtöte. Als Einstreu nimmt sie Sägespäne. Ihr ist der Kreislaufgedanke wichtig, nach ein paar Jahren habe sie so wieder Kompost für den Garten.

"Ich glaube nicht, dass ich die Welt rette, aber ich kann mit einem guten Gewissen einschlafen."
Jennifer Weidle über ihren ressourcenschonenden Lebenswandel

Mit der ökologischen Haussanierung habe sich ihr Lebenswandel enorm gewandelt. Seit drei Jahren hat sie kein Auto mehr. Die ersten eineinhalb Jahre ohne Auto seien eine Umstellung gewesen für sie, aber jetzt bedeute das fehlende Auto keine Einschränkung mehr. Das meiste macht sie mit dem Rad, auch wenn sie am Berg wohnt. Für ihre zweijährige Tochter Ophelia hat sie einen Fahrradanhänger und einen Fahrradsitz. "Ich bin jetzt echt fit", sagt Weidle. Zur Not kann sie sich immer ein Auto von Freunden leihen.

Das Häuschen hat sie ökologisch gedämmt. Die beiden fehlenden Seiten will sie selbst dämmen. 
Foto: Björn Kohlhepp | Das Häuschen hat sie ökologisch gedämmt. Die beiden fehlenden Seiten will sie selbst dämmen. 

Die 39-jährige Fachinformatikern, die ursprünglich aus Wiesbaden stammt, kam nach Adelsberg, weil sie in Würzburg arbeitet und nach einem ruhig gelegenen Häuschen suchte. Jetzt ist sie noch in Elternzeit und überlegt, dass künftig zehn Stunden Arbeit in der Woche ausreichen müssten, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Obst und Gemüse hat sie im eigenen großen Garten, der früher eine Wiese war. Außerdem hält sie dort Hühner. Statt Rasen hat sie Staudenbeete angelegt, für Vögel gibt es Wildobst zu holen. Sie kauft lieber gebrauchte Sachen und baut auch gerne Altes um, anstatt etwas Neues zu kaufen. Der Kinderstuhl ihrer Tochter etwa ist ein umgebauter normaler Stuhl. Weil sie möglichst auf Plastik verzichtet, brauche sie nur einen gelben Sack in drei Monaten. Erst mit der Geburt ihrer Tochter hat sie sich einen Kühlschrank zugelegt. Jetzt hat sie auch eine große Gefriertruhe für die ganzen Dinge aus dem Garten.

"Ich glaube nicht, dass ich die Welt rette", sagt sie, "aber ich kann mit einem guten Gewissen einschlafen." Wenn ihre Tochter sie später einmal frage, was sie getan hat, damit auch spätere Generationen noch gut leben können, dann weiß sie, was sie antworten kann. Ihr Kind wickelt sie in Stoff- statt Plastikwindeln, Plastikspielzeug ist tabu, überhaupt bekomme ihre Tochter nur wenig sinnloses Spielzeug.

Neulich hat Weidle in Marktheidenfeld, organisiert von der Volkshochschule und dem Landratsamt, einen Vortrag über ihr Häuschen und ihre Lebensweise gehalten und "Tipps und Kniffe" gegeben. Was ihr zum Beispiel nicht klar gewesen sei, war, dass man beim Einbau von Fenstern gleich überlegen sollte, wie später die Dämmung aussehen soll, dementsprechend müssten die Fensterlaibungen aussehen. "Mein Haus wäre nie ein KfW-Haus oder ein Niedrigenergiehaus." Aber dafür sei ihr Verbrauch sehr niedrig. Der Verbrauch, bedauert sie, sei kein Kriterium bei der "Grünen Hausnummer" gewesen. Sie habe es mal angeregt beim Landratsamt.

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