LOHR

Martin C. Herberg im Weinhaus Mehling. Seine Stimme erinnert an Leonard Cohen

Brillante Fingerfertigkeit, rasantes Tempo: Sologitarrist Martin C. Herberg zog im Theaterkeller (Weinhaus Mehling) alle Register der Gitarrenkunst.
Foto: Gisela büdel | Brillante Fingerfertigkeit, rasantes Tempo: Sologitarrist Martin C. Herberg zog im Theaterkeller (Weinhaus Mehling) alle Register der Gitarrenkunst.

Magische Momente im Josefskeller am Samstagabend: Zum dritten Mal im Weinhaus Mehling zu Gast verzaubert Kultgitarrist Martin C. Herberg gut 50 Zuhörer mit brillanter Fingerfertigkeit, rasantem Tempo, poetischer Aussagekraft und Spezialeffekten auf drei Gitarren.

„Gitarren Total“ im Theaterkeller ist eine der letzten Stationen der vierwöchigen Tournee. Trotz Erkältung enttäuscht der Wuppertaler Tonkünstler seine Lohrer Fans nicht und meistert den zweieinhalbstündigen Auftritt mit Bravour. Leicht verschnupft sei er, schickt er voraus. Dennoch oder gerade deshalb klingt seine rauchige Stimme – die an Leonhard Cohen erinnert – umso bluesiger und sonorer. Er, der nicht viele Worte macht und oft mit geschlossenen Augen musiziert, befindet sich seit 2013 auf vierjähriger Abschiedstour und will seine Auftritte kontinuierlich reduzieren.

Zwei brandneue, noch namenlose Instrumentalstücke erklingen zum klassisch angehauchten und swingenden Auftakt. Ein kurzes Intro leitet über zur grünen Insel Irland. In Teil drei der Ballade älteren Datums imitiert Herberg die irische Trommel „Bodhrán“. Gefangen nehmen lässt sich das Publikum vom klassischen „Säbeltanz“ (Aram Chatschaturjan). Der Zuhörer scheint die Luft anzuhalten, ob dieser leidenschaftlichen „Ein-Gitarren-Fassung“, die ein ganzes Orchester zu ersetzen scheint.

Balladen zum Zurücklehnen und Genießen sind „Anna-Marie“ und „Babe, I Knew it from the Start“. Zum Herzstück wird die mit Echos und Spezialeffekten unterlegte Klangmalerei „Wasser“, die Herberg in den 80ern komponierte. Meeresrauschen, Vogelzwitschern und der Schrei der Möwen bilden die Geräuschkulisse zur sanft sprudelnden Quelle, die als tosender Wasserfall im Meer mündet. „Wasser kann auch gemein sein“, sagt der sensible Künstler und fügt hinzu: „In hochwasserbetroffenen Gebieten an der Donau spiele ich das Stück nicht“.

Was Begeisterung pur unter den Gitarrenfreaks auslöst, ist die nach eigenen Worten „sehr seltsame Fassung über 12 Minuten“ des Rolling Stones-Klassikers „Paint it black“. Ein Stück, das Herberg in 48 Jahren nahezu 4000 Mal spielte. Gegen Ende schwebt das Publikum noch einmal auf „Klangwolke sieben“: Nach einer träumerischen Filmmusik lässt Herberg das Polarlicht einer skandinavischen Nacht aufleuchten. Unterstützt durch Gitarren-Loops gelingt dies imposant, furchteinflößend und überraschend und mündet in die neue Fassung von „I got reggae on my mind“.

Herberg versteht es, Stimmungen auf Elektrik- und Akustikgitarren, mit Körper, Geist und Seele auszudrücken. Er zieht alle Register der Gitarrenkunst, gibt sich experimentierfreudig und lässt als musikalische Ausdrucksmöglichkeit ein Metallstück oder die Blockflöte an den Saiten entlang gleiten. Die Zuhörer lauschen, staunen und verlangen mit lebhaftem Beifall nach zwei Zugaben: Herberg erinnert an den Flamenco, der Ausdrucksform seiner Anfänge als Berufsmusiker.

Und zu guter Letzt ist ihm ein Zuhörerwunsch Befehl: Im veritablen „Roadmovie“ wird er mit seiner Geschichte ohne Worte zum Abenteurer der „Route 66“.

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