Lohr

Nach Corona mit Aufbruch starten

Die Neubelegung von Leerständen wie dem früheren Kupsch-Markt an der Hauptstraße ist eines der wesentlichen Ziele des Citymanagements in Lohr.
Foto: Thomas Josef Möhler | Die Neubelegung von Leerständen wie dem früheren Kupsch-Markt an der Hauptstraße ist eines der wesentlichen Ziele des Citymanagements in Lohr.

Das Citymanagement soll nach den Worten von Mario Paul an einer "zukunftsfähigen Innenstadt arbeiten". Wie weit es dabei gekommen ist und was demnächst ansteht, haben der Bürgermeister, Citymanagerin Simone Neubauer und Projektleiterin Eva-Maria Jörg von der Beratungsfirma Imakomm Akademie am Montag in einem Pressegespräch berichtet.

Die Lohrer Innenstadt hat nach Pauls Worten "eine wichtige Bedeutung für die Gesamtstadt": als zentraler Versorgungsbereich, Wohnort und Begegnungsstätte von Menschen. Innenstädte seien aber auch herausgefordert, etwa durch den Online-Handel und Märkte am Stadtrand. Deshalb sei Lohr trotz angespannter Finanzlage "aus vollster Überzeugung" in den Citymanagementprozess eingestiegen. Denn die Stadt müsse einen "Beitrag leisten zum Funktionserhalt der Innenstadt", so Paul, wobei "Funktion" nicht statisch verstanden werden dürfe.

80 Prozent Förderung

Handfeste Unterstützung bekommt Lohr dabei laut Paul von Bund und Land. Vor wenigen Tagen sei der Förderbescheid im Rathaus angekommen. Statt der üblichen 60 Prozent aus der Städtebauförderung erhalte Lohr sogar 80 Prozent, wobei die zusätzlichen 20 Prozent aus dem Struktur- und Härtefonds des Freistaats stammten. Die Kosten bezifferte Paul auf Nachfrage auf das Auftragsvolumen von rund 200 000 Euro für Imakomm. Das Citymanagement soll nach den Worten des Bürgermeisters einen "wichtigen Beitrag leisten, dass wir aus der schweren Zeit der Corona-Pandemie mit einem Aufbruch starten können".

Alle drei betonten, dass es nicht um "irgendein Citymanagement" gehe, sondern um eine maßgeschneiderte Lösung für Lohr. Dazu hat es laut Jörg und Neubauer 2020 eine Bürger- und Unternehmensbefragung gegeben, um "wesentliche Zukunftsaufgaben zu definieren". Benannt worden seien Netzwerkarbeit als Querschnittsthema, die Aufwertung des Gesamterlebnisses Innenstadt, ein strategisches Leerstandsmanagement, die attraktive Besucherlenkung (unter anderem in Seitenlagen) und die gemeinsame Vermarktung der Innenstadt.

In der Umsetzung ist unter dem Oberbegriff Netzwerkarbeit die Etablierung eines "Business-Frühstücks", um die Unternehmen vor Ort über aktuelle Entwicklungen zu informieren, Beteiligungsmöglichkeiten darzustellen und geplante Aktionen zu diskutieren. Die erste Runde ist am 24. März, wegen der Corona-Pandemie rein digital. In Planung ist ein Gutscheinheft für junge Fachkräfte.

Unter dem Oberbegriff "Gesamterlebnis Innenstadt" ist das Projekt "Lohrer Lieblingsplätze" in Planung, bei dem "temporäre Besuchsgründe" aufgebaut werden sollen, um die Aufenthaltsdauer von Besuchern in der Innenstadt zu erhöhen. Als Beispiele wurden beim Pressegespräch genannt: Stadtmobiliar, Spielmöglichkeiten, kleine Konzerte und Bewirtung.

14,8 Prozent Leerstandsquote

Bereits im März soll die Leerstandsbörse starten. Die Leerstandsquote in der Lohrer Innenstadt betrug nach Angaben von Jörg Ende November 14,8 Prozent. Vergleichbare Städte in Süddeutschland hätten elf bis zwölf Prozent. Aktuell gebe es 19 Leerstände, davon vier in 1a-Lagen und über zehn in 1b-Lagen. Für eine Datenbank wurden Leerstände auf freiwilliger Basis einheitlich erfasst. "Jeder, der sich in Lohr niederlassen will, soll alle Informationen aus einer Hand finden", sagte Jörg.

"In den Startlöchern" steht laut Neubauer die "Leerstands-Schaufenster-Offensive". Dazu sollen (auf freiwilliger Basis) alle Leerstände in einem einheitlichen Design gekennzeichnet werden, um auf sie aufmerksam zu machen. Für das Design wird nach Neubauers Worten das "Schneewittchen-Thema aufgegriffen und modern interpretiert".

Die genannten Projekte will das Citymanagement von März bis Mai angehen. In den Folgemonaten stehen weitere Vorhaben auf der Agenda, unter anderem die Verbesserung der Familienfreundlichkeit der Innenstadt, ein neues Besucherleitsystem und die Neuorientierung des Weihnachtsmarkts. Auf die Frage nach den Erfolgschancen meinte Bürgermeister Paul: "Nichts zu tun, wäre komplett falsch." Die Stadt selbst werde das Leerstandsproblem nicht beheben können, "ohne das Unternehmertum wird's nicht gehen". Die Stadt wolle Rahmenbedingungen schaffen, dass Unternehmer sagten: "Lohr schaue ich mir mal an."

Markthalle in Kupsch-Markt?

Die Stadt habe auf engstem Raum viel zu bieten, auch eine hohe Kaufkraft. Der leerstehende Kupsch-Markt sei "relativ großflächig und barrierefrei", so Paul. Hier könnte man laut Bürgermeister etwa an das Konzept einer Markthalle denken. Bei der Neubesetzung werde man "unbedingt darauf achten, dass Qualität Einzug hält", versicherte Paul. Für alternative Nutzungskonzepte gibt es nach den Worten Jörgs gute Beispiele aus anderen Kommunen. Ziel sei die "multifunktionale, nicht nur auf Handel beschränkte Innenstadt".

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