Arnstein

Naturverjüngung und Umgang mit Schadholz

Der Stadtförster Christoph Hamann (links) führte die Mitglieder des Arnteiner Forstausschusses durch das "Gänheimer Niederholz".
Foto: Günter Roth | Der Stadtförster Christoph Hamann (links) führte die Mitglieder des Arnteiner Forstausschusses durch das "Gänheimer Niederholz".

Das Waldstück "Gänheimer Niederholz" hatten sich der Arnsteiner Förster Christoph Hamann und der städtische Forstmeister Phillip Theobald für den herbstlichen Waldbegang des Arnsteiner Forstausschusses ausgesucht. Die beiden wollten dort die Chancen und Probleme des Stadtwaldes aufzeigen.

Insgesamt ist das 18 Hektar große Gebiet von einem naturnahen Bestand mit hoher Biodiversität gekennzeichnet. Natürlich gibt es auch hier verstärkte Probleme mit der Fichte und der Kiefer, aber durch die dortige Dominanz der Eiche und der vereinzelten Buchen können die Probleme reduziert werden. Die Trockenschäden bei den Buchen sind je nach Standort unterschiedlich.

Die Bäume im Niederholz weisen eine große Altersspreizung von 60 bis 150 Jahren auf. Im besuchten Bereich sind kaum Pflegemaßnahmen nötig, die Bäume brauchen nur Licht, so der Förster. Allerdings wurde im vergangenen Jahr erfolgreich gegen den Schwammspinner gespritzt. Neben Eiche und Buche scheint sich die Winterlinde ganz gut auf das neue Klima einstellen zu können.

Ringeln statt fällen

In einem benachbarten Bestand mit zu engstehenden Kirschbäumen demonstrierte der Forstmeister Theobald eine besondere Maßnahme. Die Entnahme dieser Bäume gestaltet sich schwierig. Beim Fällen können Nachbarbäume beschädigt werden und auch der Abtransport ist nicht einfach. Deshalb sucht sich Theobald Bäume mit entsprechend geringerer Vitalität aus, die der dann "ringelt". Hierbei entfernt er am unteren Teil des Stammes die Rinde ringförmig mehrere Zentimeter breit bis zum Kambium. Dadurch wird der Saftstrom unterbrochen und die Versorgung gestoppt. In der Folge stirbt der Baum ab. und bricht dann mit der Zeit in sich zusammen.

Beim "Ringeln" wird die Rinde eines Baumes im engen Bestand ringförmig abgeschält. Damit wird die Nährstoffzufuhr unterbrochen und der Baum bricht mit der Zeit in sich zusammen.
Foto: Günter Roth | Beim "Ringeln" wird die Rinde eines Baumes im engen Bestand ringförmig abgeschält. Damit wird die Nährstoffzufuhr unterbrochen und der Baum bricht mit der Zeit in sich zusammen.

Wenige hundert Meter weiter zeigten die Forstleute auf einer abgeholzten Fläche Möglichkeiten und Probleme der Wiederaufforstung. Sorgen macht hier der Wildverbiss. Als Schutzmaßnahmen werden derzeit spezielle "Hosen" aus Drahtgeflecht, Kunststoffspiralen, Röhren und Zäune erörtert und getestet. Die Stadt setzt aber auch auf die Unterstützung der Jäger und will den dazu nötigen Weg nach Aussagen des Bürgermeisters Franz-Josef Sauer gemeinsam in Absprache mit den Jägern gehen. Stadtrat Franz Eder verwies auf die ausgeräumte Flur mit Feldern ohne Hecken, die das Wild vermehrt in den Wald treibe.

Keine dritte Schlupfwelle des Borkenkäfers

Im Anschluss an den Waldbegang mit den verantwortlichen Forstleuten und den Mitgliedern des Arnsteiner Forstausschusses kamen im Gänheimer Sportheim die Probleme des Stadtwalds insgesamt zur Sprache und der Ausschuss genehmigte auch den vorgelegten Forstbetriebsplan.

Die Arbeit sei nun schon im dritten Jahr hintereinander vom Waldschutz geprägt worden, berichtete Forstdirektor Christoph Kirchner. Bei Kiefer und Fichte seien durch den Borkenkäfer mehr Schadholz angefallen als früher – allerdings weniger als sonst in der Region. Das könne mittlerweile aber auch am Rückgang der Fichtenbestände liegen. Dennoch habe der Borkenkäfer das gesamte Forstjahr bestimmt, immerhin habe es keine dritte Schlupfwelle gegeben. Durch die Behandlung einiger Flächen gegen den Schwammspinner sei der Befall dort jeweils zurückgegangen. Man werde im Herbst jedoch wieder die Bäume nach neuen Eigelegen absuchen.

Die Holzpreise seien für die Buche halbwegs stabil, man sei im Arnsteiner Stadtwald aber auch nicht "in die Vollen gegangen", berichtete Kirchner. Der Erlös für die Eiche sei besser ausgefallen als erhofft, insgesamt gelten auf dem Markt steigende Preise für gutes Holz. Für Fichte und Kiefer sind die Preise allerdings am Boden, hier habe es auch keine freiwilligen Einschläge gegeben.

Für Bürgermeister Franz-Josef Sauer ist der Wald der wertvollste Besitz. Den gelte es bestmöglich zu pflegen. Zusätzlich zu den nötigen Maßnahmen regte er waldpädagogische Einrichtungen und auch Waldspaziergänge an, um den Bürgern die Bedeutung, aber auch die Probleme des Waldes nahezubringen.

Hamann hofft auf 35 000 Euro Gewinn

Trotz der gegenwärtigen Krise erhofft Christoph Hamann, der für den Arnsteiner Stadtwald zuständige Forstbeamte, einen Gewinn von fast 35 000 Euro. Allerdings sind von den geschätzten Einnahmen in Höhe von 436 000 Euro rund 200 000 Euro staatlicher Förderung zu verdanken. Diese gibt es für die Naturverjüngung, Pflanzungen, Jungbestandspflege und insektizitfreie Borkenkäferbekämpfung. Für den Vertragsnaturschutz, dem Erhalt von Biotopbäumen und Totholz gibt es rund 50 000 Euro. Der Holzverkauf wird mit rund 130 000 Euro veranschlagt.

Auf der Ausgabenseite sind die Personalkosten mit 205 000 Euro der größte Posten, 35 000 Euro werden in den Waldschutz gegen das Wild investiert und 17 000 Euro für Pflanzungen. Die Pflege kostet 25 000 Euro.

Der Hiebsatz ist im Jahr 2020 mit 6800 Festmetern noch im Rahmen des Betriebsplans von 2016, der 5220 Festmeter vorsah. Die Steigerung geht im Wesentlichen auf das vermehrt angefallene Schadholz zurück. Für das kommende Jahr sind 5670 Festmeter an Einschlag vorgesehen, wobei auch hier das künftige Schadholz eine kaum berechenbare Variable darstellt.

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