Lohr

Nebelkinder: Eine Familiengeschichte, die emotional mitnimmt

Die in Lohr aufgewachsene Stefanie Gregg, hier einst freie Mitarbeiterin der Main-Post, legt mit ihrem neuesten Roman ein Buch vor, das das Zeug zum Bestseller hat.
Stefanie Gregg mit ihrem neuen Roman 'Nebelkinder“. 
Foto: Foto Privat/Gregg | Stefanie Gregg mit ihrem neuen Roman "Nebelkinder“. 

Über mehr als eineinhalb Jahrhunderte erstreckt sich die Familiengeschichte, welche die Autorin Stefanie Gregg, unter dem Mädchennamen Hüttinger in Lohr aufgewachsen und hier freie Mitarbeiterin der Main-Post,  flüssig und gut lesbar erzählt. Im Zentrum des Romans steht die Flucht aus Breslau im Januar 1945 vor dem Einmarsch der Roten Armee.

Mehr geschoben als aus eigenem Antrieb entschließt sich Mutter Käthe, mit ihren zwei Kindern zur Flucht aus der Stadt. Mit dem letzten Zug aus dem umkämpften Breslau geht es unter schlimmsten Bedingungen mühsam westwärts, bis die Familie schließlich in Bayern strandet und ein neues Zuhause findet.

Die Stellung der Frau und die psychologischen Folgen des Krieges

Lesenswert ist der Roman aber vor allem deshalb, weil es die Autorin versteht, am Beispiel dieser Familie einerseits die Stellung der Frau von der Kaiserzeit bis zur Gegenwart zu beleuchten, andererseits aber auch die psychologischen Folgen des Weltkrieges für Eltern, Kinder und Kindeskinder herauszuarbeiten.

In der Erzählung wird immer deutlicher, dass Mutter Käthe, die aus gutem Hause stammt, den grauenhaften Belastungen der Flucht immer weniger gewachsen ist und ihre und ihrer vornehmen Familie Devise“ Rücken gerade, Kinn hoch, Contenance!“ schlicht zu einer Floskel verkommen ist. Tochter Anastasia übernimmt mit ihren 14 Jahren zunehmend die Führung und zeigt sich erstaunlich pflichtbewusst und tatkräftig bei der Leitung der Familie.

Belastendes, über das nicht gesprochen wird

Aber auch Vater Ludwig, der seine Familie nach dem Krieg schließlich in München findet und wieder eine Stelle als Richter bekommt, ist nur scheinbar wieder der Alte.Ihn belastet sein Einsatz als Soldat in Italien, aber er kann nicht mit seiner Familie darüber sprechen, ebensowenig wie Mutter Käthe über das, was sie auf der Flucht erleiden musste.

So ist es für die Kinder ein mühsames Stochern im Nebel, um herauszufinden, warum ihre Eltern so sind, wie sie sind. Doch Nebel lassen sich nie klar durchschauen. Mühsam ist die Spurensuche auf einer Fahrt Anastasias mit ihrer Tochter nach Breslau mehr als 70 Jahre nach der Flucht. Deshalb: Nebelkinder. Ein aus vielen Aspekten lesenswertes Buch!

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