Lohr

Politikern die Leviten gelesen

So kennt man die Kabarettistin Luise Kinseher: Als bayerische Mama Bavaria, die um ihre "Kinder" besorgt ist und den Politikern die Leviten liest.
Foto: Thomas Josef Möhler | So kennt man die Kabarettistin Luise Kinseher: Als bayerische Mama Bavaria, die um ihre "Kinder" besorgt ist und den Politikern die Leviten liest.

Als Überraschungsei ("drei Wünsche auf einmal") hat sich der Auftritt von Luise Kinseher am Donnerstag in der Stadthalle erwiesen: Die rund 500 Besucher bekamen für eine Eintrittskarte die Kabarettistin gleich dreifach, sie hörten Kabarett und Gesang und geboten wurden große Politik und die Niederungen des menschlichen Lebens.

"Mamma mia Bavaria" heißt das neue Programm, mit dem Kinseher seit vorigem Jahr unterwegs ist. Im Zentrum steht wieder die Rolle als "Mamma Bavaria", mit der sie beim Derblecken auf dem Nockherberg auftrat und die bisweilen ein bisschen überstrapaziert wirkt. Im schwarzen Kostüm mit roten Ziernähten sorgt sie sich um ihre "Kinder", also die Bayern, und liest Politikern die Leviten.

Auf die Bühne kommt sie am Anfang im langen Exhibitionisten-Trenchcoat, um nach ihrem Mann "Heinz" zu suchen, der in den sanitären Einrichtungen der Stadthallenkatakomben abgeblieben ist, wie sich schließlich herausstellt. Später im Programm sorgt ihr Bühnen-Alter Ego Famous Mary from Bavary für Heiterkeit, die betrunken und im Morgenmantel von Donald Trump träumt, als dessen Frau "Srilanka" sie mit ihm im Wellnesshotel im Allgäu urlaubt.

Ruinen in der Oberpfalz

Nach Lohr geholt hat sie der Sackenbacher Thorsten Merz mit seiner Agentur ktm events. Von der Stadt kennt sie "dieses Schneewittchen, dann ist man mit den Sehenswürdigkeiten im Wesentlichen schon durch und wird nicht mit anderen belästigt". Bayern, findet sie, ist so anders als Deutschland, "da muss man nicht ins Ausland reisen". Wenn sie eine historische Ruinenstadt sehen wolle, müsse sich nicht nach Machu Picchu, "da fahre ich in die Oberpfalz".

Mit den Reden auf dem Nockherberg habe sie aufgehört, weil sie ja nichts genutzt hätten. Da habe sie aber noch nicht wissen können, "dass es noch schlimmer wird". Denn das politische Erdbeben in Bayern, also die letzte Landtagswahl, habe eine "weitere Nervensäge" in die Staatsregierung gebracht.

Gemeint ist Freien-Chef Hubert Aiwanger, den sie als "Mister Opflsoft" veräppelt. Sie liebe ja die bayerischen Dialekte, so Kinseher, aber der von Aiwanger müsse es nun wirklich nicht sein. Auf eine Szene freue sie sich schon: Wenn Ministerpräsident Markus Söder in die Raumstation "Bavaria One" einsteigen wolle und vor den internationalen Medien Aiwanger mit seinem Dialekt auftauche. "Das gönne ich dem Söder."

Traditionell schwierig sei in Bayern das Verhältnis von Frauen und Macht. Als sie in die CSU habe eintreten wollen, um Ministerpräsidentin zu werden, habe es geheißen: "Die CSU ist voll." Was mit Frauen in der bayerischen Politik passiere, sehe man an Ilse Aigner: "Die ist jetzt Landtagspräsidentin und schaut bald auch aus wie Barbara Stamm."

Als Mamma Bavaria habe sie zu Horst Seehofer gesagt: "Horst, hau ab, ich kann dich nicht mehr sehen." Sie habe ja nicht wissen können, dass er als Innen- und Heimatminister nach Berlin gehe. Da denke sich der Oberlausitzer: "Kaum ist der Russe weg, kommt der Bayer." Seehofer sei die deutsche Übersetzung des Brexit: "Gehen und doch bleiben."

Nach der Pause dominiert Zwischenmenschliches und Alltägliches. So erklärt Luise Kinseher das Phänomen des aus Skandinavien kommenden "Hygge" damit, dass die Leute es sich zu Hause gemütlich machten, "weil sie nicht gerne weggehen, da sie Angst haben, in ein Funkloch zu fahren".

An beiden Ufern zu Hause

Die Überraschung des Abends ist Kinseher als Sängerin, die selbst aus dem alten Faschingshit "Schaug hi, da liegt a toter Fisch im Wasser" mit ihrem zweieinhalb Oktaven umfassenden Sopran etwas Besonders macht. Auf das "Königslied" für Ludwig II., der im Starnberger See nicht ertrunken, sondern ans andere Ufer geschwommen sei, folgt die zweideutige Feststellung: "Ein guter Schwimmer kennt beide Ufer."

Das Publikum ist begeistert und auf die Zugabe-Rufe kommt noch einmal Famous Mary from Bavary auf die Bühne, deren betrunkenes Genuschel in der Aussage gipfelt: "Weißwurst ist ein wundervoller Tofu-Ersatz, wenn man kein Vegetarier ist."

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