Marktheidenfeld

Regionalbudget: Hunderttausende Euro für ein besseres Main-Spessart

Alle vier Allianzen Main-Spessarts bieten das Regionalbudget. Fast jeder kann sich bewerben. Der Marktheidenfelder ILE-Manager Markus Kapfer erklärt, auf was es ankommt.
Ein neues Spielgerät für den Spielplatz „Wildpark“ in Schollbrunn. Bürgermeisterin Thea Kohlroß bedankt sich bei den Mitarbeitern ihres Bauhofs. ILE-Manager Markus Kapfer zahlte die Fördergelder aus dem Regionalbudget 2020 aus.
Foto: Barbara Scheer, VG Kreuzwertheim | Ein neues Spielgerät für den Spielplatz „Wildpark“ in Schollbrunn. Bürgermeisterin Thea Kohlroß bedankt sich bei den Mitarbeitern ihres Bauhofs.

Nur weil eine Pandemie wütet, heißt das noch lange nicht, dass längst fällige Projekte einfach liegen bleiben können. Oder: Dass man nicht auch die Region weiter gestalten kann. Für solche Fälle haben die vier Kommunalen Allianzen in Main-Spessart auch heuer wieder jeweils 100 000 Euro aus dem Regionalbudget zu vergeben. Wer kann alles mitmachen? Was wird gefördert? Das erklärt Markus Kapfer, ILE Manager der Kommunalen Allianz Raum Marktheidenfeld. 

Wie viel Geld gibt’s denn pro Projekt?

Es werden Kleinprojekte gefördert, die bis zu 20 000 Euro netto kosten dürfen. Davon werden im Endeffekt 80 Prozent gefördert, maximal 10 000 Euro.

Können alle sich bewerben?

Fast alle. Jede ILE hat erstmal ihr eigenes Regionalbudget. Wir unterstützen Projekte, die im Raum Marktheidenfeld stattfinden. Ein Projekt in Arnstein muss über zum Beispiel über die ILE MainWerntal laufen. Darüber hinaus können aber Privatpersonen, Vereine, Gemeinden oder auch Kleinstunternehmen Antragssteller sein. Die kleine Dorfmetzgerei, die die Grundversorgung des Ortes sichert, zum Beispiel. Grundsätzlich geht es darum, dass ländliche Räume als Lebens-, Arbeits-, Erholungs- und Naturräume gesichert und weiterentwickelt werden.

Was waren denn vergangenes Jahr die Schwerpunkte der Einreichungen?

Viele waren aus den Bereichen Freizeit, Kultur und Naherholung. Hier Angebote zu schaffen, macht ja gerade zur Coronazeit durchaus Sinn. Sehr reizvoll finde ich den Natur- und Umweltbereich, beispielsweise pfiffige Projekte aus der bäuerlichen Landwirtschaft, oder zum Klimaschutz. Vielleicht findet sich ein Projektträger, der eine Infokampagne zur Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen auf lokaler Ebene umsetzt? Auch kluge Konzepte zum Erhalt lebendiger Ortskerne, etwa der Bekämpfung von Gebäudeleerständen passen zu den Grundwerten unseres Entwicklungskonzeptes. Ich will einen Wettbewerb der kreativen Ideen.

Welche Bereiche können gefördert werden?

Eine Projektidee muss zu einem der sechs Themenfelder unseres Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzeptes (ILEK) passen. Da sind wir aber breit aufgestellt: Mobilität, Soziales, Naherholung, Innenentwicklung und, und, und... Mir ist wichtig, dass wir echten Nutzen schaffen, also möglichst auch Lösungsmöglichkeiten zu bestimmten Themen im ländlichen Raum anbieten. Im Idealfall zahlt ein Kleinprojekt aus dem Regionalbudget auf ein im ILEK festgeschriebenes Projekt ein...

Der Spessartbund Rothenfels beantragte eine neue Sitzgarnitur am Erlenhallenbrunnen: (von links)  Hermann Kraus, Michael Gram (Bürgermeister Rothenfels), stellvertretende Bürgermeisterin Daria Schürmann, Umsetzungsmanager Markus Kapfer.
Foto: Marlen Grüdl | Der Spessartbund Rothenfels beantragte eine neue Sitzgarnitur am Erlenhallenbrunnen: (von links)  Hermann Kraus, Michael Gram (Bürgermeister Rothenfels), stellvertretende Bürgermeisterin Daria Schürmann, ...
Wie viel Geld wurde denn vergangenes Jahr ausbezahlt?

Wir haben 15 Projekte gefördert und fast 90 000 der möglichen 100 000 Euro ausbezahlt. Mit den Eigenanteilen der Projektträger wurden letztlich über 135 000 Euro an regionaler Wertschöpfung geschaffen.

Was wäre denn ein Beispiel vom vergangenen Jahr, bei dem die Auswahljury nicht lange überlegen musste, um das zu fördern?

Das Waldbad in Triefenstein brauchte neue Wasserfilter. Das Entscheidungsgremium war sich sofort einig, dass das gefördert gehört. Es wird von einem gemeinnützigen Verein betrieben und schafft Lebensqualität vor Ort. Übrigens fördern wir nicht nur Baumaßnahmen. Auch Dienstleistungen wie Vorträge, Kurse oder Seminare können einen hohen Nutzen stiften.

Gibt’s da Unterschiede in den Auswahlkriterien?

Was die Antragsstellung betrifft, nicht. Der Förderantrag besteht aus einer einfachen Projektbeschreibung mit Kostenaufstellung. Natürlich gibt es dann noch ein Merkblatt mit Regularien und inzwischen eine Liste mit FAQs (oft gestellten Fragen) vom Landwirtschaftsministerium. Das ist alles auf unserer Homepage zusammengefasst und verlinkt.

Welche vermeidbaren Fehler sind denn so häufig aufgetreten?

Ach, so kann man das gar nicht sagen. Mein Job ist es ja auch, dass ich den Antragsstellern Rückmeldung gebe und ihnen im Vorfeld bei Unklarheiten helfe. Deswegen kann man mich bei Fragen immer anrufen. Es gibt keine trennscharfen Regeln, die exakt festlegen, ob ein Projekt genehmigt wird oder nicht. Das ALE sieht das Regionalbudget als Lernprozess und will bewusst einen Anstoß geben, dass sich die Regionen mit sich selbst auseinander setzen. Was wir im Entscheidungsgremium gelernt haben: Antragsteller müssen ihre Projektidee bei der jeweiligen Gemeinde anmelden, dann kann bereits im Vorfeld koordiniert werden.

Bei der Präsentation der neu gestalteten Kulturwege-Flyer Triefenstein 1 und 2 (von links): Dr. Anika Magath, Klaus Sebold, Patric Nietzke, Gertrud Nöth, Markus Kapfer, Bürgermeisterin Kerstin Deckenbrock.
Foto: Gerrit Himmelsbach, Archäologisches Spessart-Projekt e.V. | Bei der Präsentation der neu gestalteten Kulturwege-Flyer Triefenstein 1 und 2 (von links): Dr. Anika Magath, Klaus Sebold, Patric Nietzke, Gertrud Nöth, Markus Kapfer, Bürgermeisterin Kerstin Deckenbrock.
Ein Blick über den Tellerrand: Welche Projekte aus der Umgebung könnten als gutes Beispiel dienen?

In der ILE Würzburger Norden ist eine Streuobstwiese mit regionalen und alten erhaltenswerten Obstsorten entstanden. Oder Gaststätten und Direktvermarkter der Genussbranche bekamen Geld für ein gemeinsames Marketingprojekt. Die ILE-Region Schweinfurter Mainbogen hat Fotoshootings für drei Gemeinden gefördert, mit denen diese ihre Homepages oder Flyer aufwerten können. Sie sehen: Gute Ideen gibt es viele.

Was ist, wenn man dieses Jahr noch kein Projekt hat, aber dafür im nächsten?

Nach diesem Jahr können wir es noch zwei weitere Jahre anbieten. Vier Jahre mit jeweils 100 000 Euro: damit kann man viele gute Dinge machen in unserer Region.

Wer sich näher über das Regionalbudget informieren will, der kann das auf den Seiten der ILE Raum Marktheidenfeld, der ILE Main-Werntal, der Sinngrundallianz und der ILE Main-Wein-Garten tun. 

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