Karlburg

Rützel zu Landwirten aus MSP: Da stimmt was im System nicht

Landwirte aus Main-Spessart beklagten, dass mit den Praktikern zu wenig gesprochen werde und viele Vorschriften realitätsfern seien. Das haben sie der Ministerin geschrieben.
Die schriftlichen Antworten von Umweltministerin Svenja Schulze auf Fragen hiesiger Landwirte übergab SPD-Bundestagsabgeordneter Bernd Rützel (links) am Montag an die Landwirte (von rechts) Michael Herrmann, Thomas Wolf, Nadine Kübert, Hubert und Andrea Handel sowie Christian Endres und Sohn Jakob.
Foto: Wolfgang Dehm | Die schriftlichen Antworten von Umweltministerin Svenja Schulze auf Fragen hiesiger Landwirte übergab SPD-Bundestagsabgeordneter Bernd Rützel (links) am Montag an die Landwirte (von rechts) Michael Herrmann, Thomas ...

Immer strengere Vorgaben der Politik machen Landwirten das Leben schwer. Deshalb wandten sich einige Vertreter dieses Berufsstandes im Juni an den Bundestagsabgeordneten Bernd Rützel (Gemünden), der ihre schriftlich abgefassten Fragen anschließend an Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) weiterleitete. Am Montag überbrachte Rützel bei einem Treffen auf dem Hof von Nadine Kübert in Karlburg die Antworten der Ministerin.

Im Gespräch mit den Landwirten wurde schnell deutlich, dass diese sich nicht grundsätzlich gegen jede neue Vorgabe sperren. Allerdings beklagten sie, dass mit ihnen, den Praktikern, zu wenig gesprochen werde und viele Vorschriften realitätsfern seien. Teilweise fühlten sie sich gegängelt.

Rützel zitierte in diesem Zusammenhang Ministerin Schulze, nach deren Aussage die Einkommen der Landwirte zu 40 bis 60 Prozent aus EU-Zahlungen bestünden; deshalb sei es gerechtfertigt, dass Landwirtschaftspolitik nicht alleine für Landwirte gemacht werde, sondern die gesamte Gesellschaft mitrede, welche Landwirtschaft sie finanzieren wolle.

"Das ist ja das Schlimme, dass wir so abhängig sind von Subventionen."
Michael Herrman, Landwirt

"Das ist ja das Schlimme, dass wir so abhängig sind von Subventionen", gab der Steinfelder Landwirt Michael Herrmann zu bedenken. Die Subventionen seien eine Folge davon, dass landwirtschaftliche Erzeugnisse zu billig seien und Betriebe nur überleben könnten, wenn sie größer würden, meinte Rützel; insbesondere Fleisch sei in den vergangenen Jahren immer billiger geworden. "Da stimmt was im System nicht", lautete das Fazit des Bundestagsabgeordneten.

Wenn deutsche Landwirte durch höhere Auflagen teurer produzieren müssten, dann  müssten diese hohen Auflagen eigentlich auch für Importe aus dem Ausland gelten, meinte Landwirt Christian Endres (Rohrbach). Dies sei allerdings nicht der Fall. Bei Rindfleisch aus Südamerika werde gerade mal angegeben, aus welchem Land es komme, in Deutschland hingegen könne man sehen, von welchem Hof das Produkt stamme.

Auch diesen Aspekt sah Rützel als Problem – "das ist nicht in Ordnung". Der Steinfelder Landwirt Hubert Handel gab in diesem Zusammenhang noch zu bedenken, dass "der vermeintliche Umweltschutz hier bei uns" auf Kosten des Regenwaldes betrieben werde. Vielfach werde Regenwald gerodet, um Flächen für Weideland oder zum Viehfutteranbau zu bekommen, so Handel.

Weniger Ertrag durch neue Düngeverordnung

Probleme bereitet den Landwirten unter anderem die neue Düngeverordnung. Zum einen, weil die festgelegten Zeiten, in denen gedüngt werden darf, deutlich eingeschränkt wurden, zum anderen, weil in "roten Gebieten", das sind solche mit höherer Nitratbelastung, nur noch 80 Prozent der normalen Düngermenge ausgebracht werden darf. Laut Landwirt Herrmann bedeutet dies 30 bis 40 Prozent weniger Ertrag.

Rützel erinnerte daran, dass der europäische Gerichtshof Deutschland zu dieser Düngeeinschränkung wegen zu hoher Nitratwerte im Grundwasser verurteilt habe.

Weil Deutschland veraltete und noch dazu die schlechtesten Zahlen nach Brüssel gemeldet habe, hielt Landwirt Thomas Wolf (Eußenheim) dagegen. Der gesamte Bereich von Aschfeld bis Oberwerrn sei nur deshalb rotes Gebiet, weil an der Messstelle Aschfeld 54 Milligramm Nitrat pro Liter Wasser (der Grenzwert liegt bei 50 Milligram, Anm. d. Red.) festgestellt worden seien; tatsächlich sei der Nitratgehalt im Wasser im Versorgungsbereich der Hundsbacher Gruppe zusammen mit der Landwirtschaft in den letzten Jahren von 32 auf 20 bis 22 Milligramm gesenkt worden.

Viele Gebiete rot statt grün markiert?

Laut Landwirt Herrmann besteht das Problem vor allem darin, dass viele Gebiete, die eigentlich grün sein müssten, rot markiert seien. Dazu sagte Rützel, dass die Länder laut Schulze bis Jahresende neue Gebietsausweisungen vornähmen. Landwirt Handel betonte, dass die Großdemos von Landwirten in Deutschland seit Oktober 2019 deshalb stattfänden, weil diese sich ernsthaft Sorgen um ihre Zukunft machten. Für ihn sehe es so aus, als ob die Landwirtschaft in Deutschland abgeschafft werden solle; seine drei Töchter lernten jedenfalls alle andere Berufe.

Ähnlich äußerte sich Landwirt Endres. Auf der einen Seite freue er sich darüber, dass sein zwölfjähriger Sohn Landwirt werden möchte, auf der anderen Seite frage er sich, ob sich die nächste Generation das wirklich antun solle.

Die Landwirtschaft wolle niemand abschaffen, versicherte Rützel, schließlich müssten in Deutschland 82 Millionen Menschen ernährt werden. Wegen der Sorgen der Landwirte müsste man ihm zufolge auch einmal mit Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) reden. Er werde aus dem Gespräch auf jeden Fall einiges mitnehmen und die Sache noch einmal mit Umweltministerin Schulze besprechen.

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