Karlstadt

Sack Zement: Die Mahnung Gainfurts

Jetzt wissen wir: Auch Laudenbach könnte mal von einer Jahrhundertflut weggespült werden. Aber ist ein Damm die einzige Rettung?

Das Dorf Gainfurt stand einst da, wo später der Gambacher Bahnhof gebaut wurde – den es inzwischen auch nicht mehr gibt. Der Sage nach wurde Gainfurt hinweggespült von einem Q 100. Das ist ein Hochwasser, wie es der Wahrscheinlichkeit nach alle 100 Jahre mal auftritt. Übrig geblieben sind von dem Dorf nur ein paar Gewölbereste und die Gemarkung, die immer noch Gainfurt heißt.

Betrachtet man diese Sage genauer, so hat der liebe Gott den Ort ausgelöscht, weil die Gainfurter trotz Verbots am Dreifaltigkeitssonntag gar lustig weitertanzten. Mehrmals hatte er sie mittels einer weißen Taube warnen lassen. Doch dafür hatten die Gainfurter keinen Blick.

Pädagogisch fragwürdig

Da wurde es dem Herrn zu bunt und er schickte die Wasserflut vorbei. Pädagogisch gesehen war das für die Gainfurter selbst nicht sonderlich wirkungsvoll, denn sie wurden mit Mann und Maus hinweggespült. Doch das Exempel für die umliegenden Ortschaften war damit statuiert.

Keine weiße Taube, sondern ein Ingenieur, warnte in der jüngsten Karschter Bauausschusssitzung davor, dass bei einem Q 100 die Laudenbacher Heldstraße zu einem reißenden Wildbach werden könnte. Ein Damm muss her, lautet sein Fazit. Allerdings soll der bis zu einer Million Euro kosten.

Anders als gegen den Hafenlohrtalspeicher scheint Horst Wittstadt diesmal keinen Protest-Bildstock gegen das Bauwerk meißeln zu wollen, auch wenn ein solcher Damm ein für allemal die Chance verbaut, dass er mal ein schmuckes Seegrundstück hat.

Alternativen nicht aus dem Blick verlieren!

Haben die Ingenieure eigentlich auch günstigere Alternativen erwogen? Statt eines Damms könnte man auch ein großes Loch  machen, das sich dann bei Q 100 mit Wasser füllt. Wenn Schwenk dort den nächsten Steinbruch anlegt, gäbe es das Loch sogar kostenlos.

Und ist eigentlich auch untersucht worden, ob Q 100 nicht durch den Laudenbacher Sprung – eine geologische Verwerfung – umgeleitet werden könnte? Da das Quellwasser des Laudenbachs von jenseits des Eselsbergs kommt, müsste das doch auch umgekehrt funktionieren.

Es wird noch einiges Wasser den Laudenbach hinunterfließen, bis das Thema endgültig geklärt ist. Bis dahin ist den Laudenbachern nur zu empfehlen: Denkt an Gainfurt und haltet die Füße still, besonders am Dreifaltigkeitssonntag! Der da oben kann nämlich auch anders.

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