Miltenberg

Scharf: Kein Wegegebot in Nationalpark im Spessart

Umweltministerin Ulrike Scharf studiert Protestplakate gegen einen Nationalpark im Spessart. Rund 400 Demonstranten waren zu einem Gesprächstermin vor das Landratsamt in Miltenberg gekommen, darunter auch etliche Kinder mit Spielzeugtraktoren.
Foto: Johannes Ungemach | Umweltministerin Ulrike Scharf studiert Protestplakate gegen einen Nationalpark im Spessart. Rund 400 Demonstranten waren zu einem Gesprächstermin vor das Landratsamt in Miltenberg gekommen, darunter auch etliche ...

Fast vier Stunden lang hat die Bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf am Dienstagabend mit Verbandsvertretern im Landratsamt in Miltenberg hinter verschlossenen Türen über einen möglichen Nationalpark im Spessart gesprochen. Dabei wurde vor allem um den Aspekt der der Holzversorgung in der Region gerungen.

Während dazu laut Scharf noch etliche Fragen offen sind, hatte die Ministerin am Ende doch eine konkrete Aussage parat: In einem Nationalpark im Spessart wäre aus naturschutzfachlicher Sicht „nach aktuellem Kenntnisstand“ kein Wegegebot nötig, erklärte Scharf gegenüber der Presse. Das von vielen Nationalparkgegnern in Gefahr gesehene freie Betretungsrecht für den Spessartwald bliebe demnach erhalten.

Holzindustrie sorgt sich um Rohstoffversorgung

Schwieriger gestaltet sich laut Scharf die Frage der Holzversorgung. Dazu betonte die Ministerin, dass der Nationalpark nur rund zehn Prozent des Spessartwaldes umfassen würde und das Bedienen der jahrhundertealten Brennholzrechte der Bevölkerung weiterhin garantiert wäre.

Jedoch sorgt sich die regionale Holzindustrie um die Versorgung mit dem nachwachsenden Rohstoff und in der Folge um den Erhalt von Arbeitsplätzen. Ob und wie der Holzbedarf im Falle eines Nationalparks aus dem übrigen Staatswald im Spessart weiterhin bedient werden könnte, will das Ministerium zeitnah in einer eigenen Studie untersuchen lassen.

Auch Naturschutzverbände diskutieren mit

Unter den rund 60 Teilnehmern des Dialogs in Miltenberg waren nicht nur Vertreter der Holzwirtschaft und der Holzrechtler, sondern auch der Jägerschaft, des Spessartbundes und des Tourismussektors. Daneben verdeutlichten aber auch mehrere Naturschutzverbände wie Bund Naturschutz oder Greenpeace ihre Positionen.

Wie mehrere Teilnehmer des nichtöffentlichen Gesprächs gegenüber der Redaktion schilderten, war die Atmosphäre über weite Strecken von Sachlichkeit geprägt.

Vor dem Landratsamt war Scharf von knapp 400 Demonstranten empfangen worden, die mit Transparenten und Tröten ihre Ablehnung des Nationalparks deutlich machten. Die Seite der Nationalparkbefürworter hatte anders als vor vier Wochen bei einem ähnlichen Termin in Aschaffenburg auf eine Demonstration verzichtet. Man wolle die zuletzt emotionaler gewordene Auseinandersetzung im Spessart wieder versachlichen, so ihre Aussage.

Scharf bescheinigte den unter anderem im Verein „Wir im Spessart“ zusammengefassten Nationalparkgegnern einen „hohen Mobilisierungsgrad“. Jedoch gebe es auch die Gruppierung „Freunde des Spessarts“, die die Pläne des Umweltministeriums zur Ausweisung eines Nationalparks im Spessart unterstützte.

Ministerin besucht auch die Rhön, außerdem Expertenanhörung im Landtag

Wie berichtet hat die Staatsregierung im Sommer 2016 beschlossen, einen dritten Nationalpark in Bayern zu gründen. Das Umweltministerium hat dafür vier Regionen im Blick. Neben dem Spessart zählt auch die Rhön dazu. Daneben sind die Donauauen und Wälder bei Kehlheim Kandidaten.

Kommende Woche wird Scharf in die Rhön reisen, um den dort ebenfalls begonnenen Dialogprozess fortzusetzen. Am 16. März gibt es eine Expertenanhörung im Landtag zu dem Thema. Die Entscheidung zum dritten Nationalpark soll bis zur Landtagswahl im Herbst 2018 fallen.

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