Pflochsbach

Schornsteinfeger müssen auch im Hochsommer ran

Ein leckeres Eis verschafft den Glücksbringern Abkühlung: Die Lohrer Schornsteinfeger genießen den Sommer.
Foto: Zebisch | Ein leckeres Eis verschafft den Glücksbringern Abkühlung: Die Lohrer Schornsteinfeger genießen den Sommer.

Es sind Ferien, es ist heiß und viele Menschen suchen die nasse Abkühlung in Freibädern oder anderweitig Schutz vor den hohen Temperaturen. Nicht so der Schornsteinfegermeister Christian Zebisch. „Es gibt auch im Hochsommer genug zu tun“, erklärt der im Lohrer Stadtteil Pflochsbach wohnhafte Kaminkehrer. Auch an heißen Sommertagen sind Zebisch und seine Angestellten in ihrer traditionsreichen schwarzen Innungskluft im Einsatz.

Der Glücksbringer versucht, seine Tätigkeiten an extrem heißen Tagen ins Innere zu verlegen, am liebsten in die Keller seiner Kunden. So reinigt er aktuell mit seinem Gesellen und seinem Lehrling Kamin- und Kachelöfen sowie Ölheizungen, damit diese effizient und energiesparend für die nächste Heizperiode funktionieren. „Die jährliche Kesselreinigung verringert den jährlichen Brennstoffverbrauch um bis zu 35 Prozent und schont damit den Geldbeutel. Außerdem schützt man die Umwelt, gewährleistet die Betriebssicherheit und erhöht durch das störungsfreie Heizen die Lebensdauer der Feuerstätte“, erklärt Zebisch.

Körperliche Fitness erforderlich

Mit den Kehrmonaten, also der Reinigung der Schornsteine, wollen die drei Glücksbringer aus Lohr zum Ende jeder Heizperiode fertig sein. Trotzdem müssen die Schornsteinfeger neben ihren Arbeiten im Haus und in den Kellern auch in den Sommermonaten auf die Dächer Lohrs. Zebisch kommt so auf täglich über 2000 Stufen, die er bewältigen muss, was einer Höhe eines 100-Stockwerke-Hochhauses entspricht. Er treibt in seiner Freizeit Triathlon. Die dadurch antrainierte Fitness erleichtert ihm das Auf und Ab auch bei der größten Hitze. „Bei all der Hitze und dem tropfenden Schweiß hätte ich für mich keinen schöneren Beruf finden können“, schwärmt Zebisch.

Weitere Aufgaben des Schornsteinfegers sind die Abnahme von neuen oder geänderten Heizungsanlagen sowie der Einbau von Kaminöfen für den kommenden Winter. Gerade diese Tätigkeiten sind im Sommer verstärkt durchzuführen. Daneben kontrollieren und dokumentieren Zebisch und seine Angestellten die Messwerte der Heizanlagen. Viele Hausbesitzer haben aus Platzgründen ihre Heizzentrale unter ihrem Spitzdach. Dort ist es im Sommer von Grund auf schon heiß. Zusätzlich muss dann, um die Messwerte zu ermitteln, die Anlage auch im Hochsommer auf 100 Prozent hochgefahren werden. „Wenn das Brauchwasser seine Temperatur erreicht hat, ist es keine Seltenheit, dass die Eigentümer nach dem Öffnen der Heizkörper schnell das Weite suchen, bis ich mit der schweißtreibenden Arbeit fertig bin“, lacht Zebisch.

Seine Kunden möchten unabhängiger von Öl und Gas werden und rüsten auf den nachwachsenden Rohstoff Holz um. Dies geschieht durch Einbau eines Kaminofens oder gar eine Umstellung auf eine Pelletheizung. Das stimmt Zebisch positiv für die Zukunft: „Das bedeutet mehr Arbeit und das freut uns.“

Dass es im Sommer 2018 so extrem wird mit der Hitze, darauf hätten Zebisch und seine zwei Kollegen verzichten können. Auf den Dächern herrschen schon mal Temperaturen von bis zu 60 Grad Celsius und darüber. Dann muss man Vorsicht walten lassen und sollte mit nichts in Kontakt kommen, was dunkel ist. „Bleche, Haltegriffe von Fenstern, Dachluken, Eisenleitern und Steigbügel können bis auf 100 Grad aufgewärmt werden und erfordern extra dicke Handschuhe“, so Zebisch.

Arbeitskleidung schützt vor Ruß

Viele denken, dass die schwarze, luftundurchlässige und sehr warme Dienstkleidung vor Verbrennungen schützt. Tatsächlich ist die Schornsteinfegerkluft vor allem deswegen dick und schwarz, weil jede andere Farbe nach einem Arbeitstag nicht mehr zu erkennen wäre und das dichte Material die Haut vor Ruß schützt.

Sollte es doch einmal zu heiß sein, sodass das Hochkrempeln der langen schwarzen Hosen nichts mehr nutzt, lädt Zebisch seine Kollegen auch mal auf ein Eis oder sogar ins Freibad ein. Unlängst, an einem der superheißen Tage, gab er seinen Angestellten hitzefrei und genoss mit ihnen die Abkühlung im Lohrer Main-Spessart-Bad. Ganz nach dem Motto: Nur ein glücklicher Schornsteinfeger ist ein guter Schornsteinfeger.

Zur Person

Christian Zebisch war bis 2014 angestellter Schornsteinfeger und führt seit 2015 seinen eigenen Schornsteinfegermeisterbetrieb. Er ist stellvertretender Schulungsstellenleiter der Schulungsstelle Lohr der Kaminkehrer-Innung Unterfranken, geprüfter Berater für Asbestsachkunde, Energieberater (HWK) und Betriebswirt des Handwerks.
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