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Streusalz – schnell eisfrei, aber schlecht für Bäume und Boden

Mit Streusalz gegen Eisglätte anzukämpfen, ist laut Bund Naturschutz bequem, aber teuer.
Foto: Martina Gehret | Mit Streusalz gegen Eisglätte anzukämpfen, ist laut Bund Naturschutz bequem, aber teuer.

Der erste Schnee im Landkreis ist gefallen, mittlerweile auch in tieferen Lagen. Doch lange hält hier die Pracht nicht an, nicht nur Tauwetter, sondern auch ganze Salzladungen lassen sie schwinden, teilt der Bund Naturschutz (BN), Kreisgruppe Main-Spessart, in einer Pressenotiz mit. 

Mit Streusalz gegen Eisglätte anzukämpfen, sei bequem, aber teuer. Was rutschige Gehsteige und Straßen rasch eisfrei macht, schade der Natur und den Autos. Rund 1,5 Millionen Tonnen Streusalz würden jedes Jahr auf Straßen und Wegen in Deutschland ausgebracht, ein Drittel davon durch private Haushalte. Das Salz bleibe aber nicht auf der Straße, wo es für unsere Verkehrssicherheit sorgt, sondern gelangt durch den Verkehr und das Schmelzwasser in die benachbarte Natur. Dabei gibt es umweltfreundliche Alternativen, wie der BN erklärt.

Jeder Haus- und Grundstückseigentümer und viele Mieter seien dazu verpflichtet, Gehwege und Zufahrten frei von Schnee und Eis zu halten. Viele greifen dabei gerne zu Salz. Was viele aber nicht wüssten: Die ökologischen und volkswirtschaftlichen Folgen sind gravierend. "Das Salz schädigt nicht nur Autos und Brücken, sondern auch Bäume und Böden. Viel besser sind salzfreie Streumittel aus Sand und Splitt. Sie mindern ebenfalls die Rutschgefahr und schonen unsere Umwelt", wird Erwin Scheiner vom BN in der Mitteilung zitiert..

So wirkt das Salz auf glatten Straßen

Auftausalz besteht zu mindestens 94 Prozent aus Kochsalz, also Natriumchlorid. Es gibt laut Mitteilung aber auch Produkte, die Mineralien wie Calciumsulfat, Magnesiumsulfat oder Ton enthalten. Da auch bei Minusgraden immer etwas flüssiges Wasser im Schnee enthalten sei, können sich die Salzionen schnell lösen und verhindern ein erneutes Vereisen des Wassers. Durch das Bestreuen der eisglatten Straßen mit Salz entsteht eine Salz-Wasser-Lösung, die den Schmelzpunkt des Eises herabsetzt. Fahren viele Autos auf einer gestreuten Straße, wird die schlammige Salzlösung in beachtlichen Mengen nach außen Richtung Bankett und Böschung geschleudert. "Die Straßen sind schnell eisfrei und trocken, dafür bekommt unsere Natur das ganze Salz ab", beklagt Erwin Scheiner.

Salzschäden an Bäumen

Das Streusalz werde im Boden angereichert und auch in regenreichen Jahren kaum ausgewaschen. Es behindere die Wasseraufnahme der Bäume und verändere deren Nährstoffhaushalt. Die Blätter vertrocknen, obwohl genügend Feuchtigkeit im Boden sei. Kleine Blätter, Braunfärbung der Blattränder und frühzeitiger Laubfall sind Folgen, die man laut Mitteilung im Frühjahr und Sommer sieht. Aber nicht nur die Bäume sterben einen langsamen Salztod, auch Böden werden dauerhaft geschädigt.

Durch komplexe chemische Prozesse werde die Struktur des Bodens zerstört und Nährstoffe durch Natrium verdrängt. Das Salz verkruste die obere Bodenschicht, was den Austausch der Bodenluft verschlechtert. Schlechte Wasserspeicherung und die Auswaschung wichtiger Nährelemente könnten im Extremfall zu einer Bodenunfruchtbarkeit führen. Ein flächendeckender Streusalzeinsatz führe zu einer generellen Chloridbelastung in den Bäumen, zu einer Natriumanreicherung in den Straßenrandböden und zu einem hohen Chloridgehalt im Sickerwasser. Unnötiger Salzeinsatz müsse deshalb zwingend reduziert werden, erklärt der BN.

Umweltschonende Alternativen nutzen

"Die umweltfreundliche Alternative zu Salz ist das Räumen der Straßen und das Verwenden von salzfreien, abstumpfenden Streumitteln wie Sand, Splitt oder Granulat", sagt Erwin Scheiner.  Im Handel sind diese Produkte durch das Umweltzeichen "Blauer Engel" erkennbar. Vor angeblich umweltfreundlichen ökologischen Tausalzen, die Harnstoff enthalten, warnt der BN. Harnstoff werde als Stickstoffdünger in der Landwirtschaft verwendet. Große Mengen auf Bürgersteigen landen über das Schmelzwasser in Gewässern und können dort großen Schaden anrichten, heißt es am Ende der Mitteilung.

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