Marktheidenfeld

Das kommt: Umzug der Akutgeriatrie von Marktheidenfeld nach Lohr

Dass die akutstationären Fachbereiche aus Marktheidenfeld ans künftige Zentralklinikum übersiedeln werden, ist längst beschlossen. Doch kurzfristig wird sich hier nichts tun.
Geriatrie-Abteilungen (hier ein Symbolbild) in Kliniken sind ein wichtiger Baustein in der Gesundheitsversorgung .
Foto: Ulrich Perrey | Geriatrie-Abteilungen (hier ein Symbolbild) in Kliniken sind ein wichtiger Baustein in der Gesundheitsversorgung .

Dass die Akutgeriatrie vom Krankenhaus Marktheidenfeld nach Lohr verlagert werden soll, hat offenbar nicht nur den im Kreistag neuen Kreisrat Kurt Schreck (AfD) überrascht, sondern scheint auch in der Bevölkerung für Irritationen zu sorgen. So äußert sich beispielsweise der Lohrer Jürgen Kracht in einem Brief an die Redaktion besorgt, dass dies in der gegenwärtigen Situation schwerwiegende Folgen haben könnte. Wie ist die Faktenlage?

Im Nachgang der Sitzungen von Werkausschuss und Kreistag schreibt Kracht, dass sich eine medizinische Grundversorgung nicht nach unternehmerischen Grundsätzen, also profitabel, organisieren lasse. Er hat den Eindruck, dass "Kosten sparen, wo es geht" momentan Priorität 1 habe, das Wohl der Patienten und Beschäftigten Priorität 2. Kracht wörtlich: "Am fiktiven Beispielfall durchexerziert – die Akutgeriatrie in Marktheidenfeld wird nach Lohr verlagert. Das führt dazu, dass sich das Patientenaufkommen in Lohr stark erhöht. Was bedeutet, dass neue Patienten im Lohrer Krankenhaus zunächst nicht in Einzelzimmern untergebracht werden können bis nach dem Schnelltest (bei Aufnahme) auch der reguläre PCR-Test Sicherheit liefert. Das heißt Patienten werden gegebenenfalls infiziert und versterben letztendlich später nach Entlassung an Corona." 

AfD-Kreisrat Kurt Schreck hatte im Werkausschuss Eigenbetrieb Klinikum gefragt, ob die Akutgeriatrie "ohne Wenn und Aber" in Marktheidenfeld bleibe, und war von Klinikreferent René Alfons Bostelaar darauf hingewiesen worden, dass es einen Kreistagsbeschluss für den Umzug nach Lohr gebe. "Die geht in den Neubau", sagte Bostelaar.

Im Masterplan wird Verlagerung näher beleuchtet 

Auf Nachfrage der Redaktion teilt die Sprecherin des Klinikums mit: "Die Akutgeriatrie befindet sich weiterhin am Standort Marktheidenfeld. Derzeit läuft die Suche nach einem neuen Chefarzt (Dr. Swoboda wurde Ende Januar in den Ruhestand verabschiedet). Wir hoffen, dass wir die Stelle bis zum Sommer neu besetzt haben. Bis dahin soll ebenfalls im Rahmen der Nachnutzung und eines Masterplans für Marktheidenfeld die Verlagerung der Akutgeriatrie näher beleuchtet werden. Ebenfalls laufen Gespräche mit der Regierung von Unterfranken. Einen konkreten Termin gibt es demnach also nicht."

Der Umzug nach Lohr in den Neubau ist seit Jahren Thema im Kreistag. So lautet einer der im Werkausschuss des Klinikums am 20. Juli 2018 beschlossenen Punkte zur Nachnutzung des Marktheidenfelder Krankenhauses: "Die Verwaltung wird beauftragt, nach Umzug der akutstationären Fachbereiche in das Zentralklinikum ein Angebot für selbstbestimmtes Wohnen im Alter zu etablieren." Als Zeitpunkt für den Umzug war im Nachnutzungskonzept der Beraterfirma Kühlem Klinik-Coaching die Rede von "Mitte 2023" – wobei damals von einem früheren Beginn des Neubaus in Lohr als heute ausgegangen wurde.

Corona-Folgen: Akutgeriatrie nicht belegt

Jürgen Kracht hat Informationen, dass in Marktheidenfeld "die Akutgeriatrie de facto geschlossen ist". Dass sich die Corona-Pandemie dort besonders auswirkt, räumt auch die Klinikums-Sprecherin ein: "In Marktheidenfeld haben wir von 45 Betten aktuell rund die Hälfte belegt." Aufgrund der Pandemie sei derzeit nur die Geriatrische Rehabilitation geöffnet – "dementsprechend sind die Patienten in Marktheidenfeld im Moment auch nur Rehapatienten". Zur Situation am Krankenhausstandort Lohr sagt sie: "Seit 1. März haben wir in Lohr 204 aufgestellte Betten, wovon 129 belegt sind. Auf der Corona-Isolierstation versorgen wir derzeit 16 Patienten."

Wie sehr Corona das Klinikum am Standort Marktheidenfeld beutelt, hatte Klinikreferent Bostelaar im Werkausschuss aufgezeigt: War man für 2020 noch von 1075 Fallzahlen und 12 225 Belegungstagen ausgegangen, so blieben schließlich nur noch 165 Fälle mit 2646 Belegungstagen im vorläufigen Ergebnis stehen. Die entspricht einer Auslastung von 12,1 Prozent. Auf diesem Niveau wird auch für 2021 geplant. 

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