Lohr

Was der Online-Marktplatz Händlern aus Lohr und Karlstadt bringt

Der Handel ist im Wandel: In der Corona-Krise wurde der Mainlokalshop in kürzester Zeit auf die Beine gestellt. Nun war Zeit für eine Bilanz.
Der Handel ist im Wandel: Laut Andreas Haderlein wird der regionale Online-Marktplatz künftig Teil des Marketing-Mix' des stationären Handels sein.
Foto: Wolfgang Dehm | Der Handel ist im Wandel: Laut Andreas Haderlein wird der regionale Online-Marktplatz künftig Teil des Marketing-Mix' des stationären Handels sein.

Vor einem halben Jahrhundert sorgten Verbrauchermärkte, die Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs anboten, für das Ende der Tante-Emma-Läden. Heute machen dem verbliebenen Einzelhandel Online-Riesen wie Amazon zu schaffen.

Doch der Einzelhandel kämpft. Beschleunigt durch die coronabedingt verordneten Geschäftsschließungen im März und April stampften vor einem halben Jahr Lohrer Einzelhändler, unterstützt von Citymanagerin Simone Neubauer, einen regionalen Online-Shop aus dem Boden. Händler aus Karlstadt und Hammelburg schlossen sich schnell an.

Am Donnerstagabend blickten Neubauer, Angelika Winkler (Lohrer Werbegemeinschaft), Susi Keller (Stadtmarketing Karlstadt) und Julia Keidel (Stadt Hammelburg) in der Lohrer Stadthalle vor einem rund 75-köpfigen Publikum aus Wirtschaft und Politik auf das erste Halbjahr des Projektes Mainlokalshop zurück. Es sei die richtige Entscheidung gewesen, den regionalen Online-Shop ins Leben zu rufen, waren sie sich einig.

1900 Bestellungen seit Ende März – kaum Retouren

Laut Sebastian Tröster (Meine Dorfzeile GbR), der das Projekt technisch betreut, sind im Mainlokalshop aktuell 112 Einzelhändler mit zusammen 3500 Produkten vertreten. Sie erzielten seinen Worten nach seit Ende März einen Gesamtumsatz von 45 000 Euro, der auf 1900 Bestellungen zurückgehe. Retouren habe es bislang lediglich im Wert von etwas mehr als 900 Euro gegeben. Die Internetseite Mainlokalshop sei bislang 347 000 Mal aufgerufen worden.

Spitzenzahlen bei den Bestellungen wurden laut Tröster im April erreicht. Als die Einzelhandelsgeschäfte wieder öffnen durften, seien die Bestellungen drastisch nach unten gegangen, sagte er. Diese Zeit habe man genutzt, um neue Funktionen einzubauen; es sei wichtig, den Shop ständig weiterzuentwickeln, um die Umsatzkurve wieder nach oben zu treiben.

Möglichkeit zum Ticketkauf soll ausgeweitet werden

Als "Frequenzbringer" habe man einen Ticketverkauf für das Lohrer Open-Air-Kino und das Freibad eingebracht, nannte Winkler als Beispiel; der eine oder andere Ticketkäufer habe dann auch noch eine andere Bestellung auf Mainlokalshop geordert. Der Ticketverkauf soll laut Winkler noch ausgeweitet werden, auch Gutscheine sollen auf Mainlokalshop künftig angeboten werden.

Die Macherinnen von Mainlokalshop wollen ihr Projekt weiterentwickeln. Von links sind zu sehen: Sebastian Tröster (Meine Dorfzeile GbR), Simone Neubauer (Citymanagerin Lohr), Susi Keller (Stadtmarketing Karlstadt), Julia Keidel (Stadt Hammelburg) und Angelika Winkler (Werbegemeinschaft Lohr)
Foto: Wolfgang Dehm | Die Macherinnen von Mainlokalshop wollen ihr Projekt weiterentwickeln. Von links sind zu sehen: Sebastian Tröster (Meine Dorfzeile GbR), Simone Neubauer (Citymanagerin Lohr), Susi Keller (Stadtmarketing Karlstadt), ...

Zudem soll die Erfassung weiterer Produkte für Mainlokalshop vorangetrieben werden. Laut Neubauer ist geplant, dafür einen Praktikanten oder Werkstudenten einzustellen, der die Händler dabei unterstützt. Flyer und Banner sollen zudem auf den regionalen Online-Shop aufmerksam machen, so Winkler. Laut Keidel sollen ferner in jeder der beteiligten Städte Schulungen für die Händler angeboten werden. Nach Kellers Einschätzung ist Mainlokalshop ein innovatives Konzept für die Zukunft; wichtig sei es dabei, das Kirchturmdenken abzulegen.

Problem: Produktdaten aufbereiten

Digitalisierung tue dem lokalen Gewerbe weh, koste Energie und sei leider keine Krankheit, die wieder vergehe, sagte der Hauptredner des Abends, Andreas Haderlein. Der Fachbuchautor und Leiter des Projektbüros "cima.digital" machte deutlich, dass die Zeit der Vertriebshoheit durch den stationären Handel vorbei sei.

Eine eigene Internetseite zu haben und Social Media zu bedienen sei für Händler heute wichtig, so Haderlein. Gut sei auch ein eigener Online-Shop – der sei allerdings teuer. Eine weitere Möglichkeit, online sichtbar zu werden, sei das noch "junge Pflänzchen" lokaler Online-Marktplätze.

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Das Kernproblem besteht laut Haderlein in der Aufarbeitung und Bereitstellung von Produktdaten. Städte, Landkreise und Kommunen könnten dabei helfen, die lokale Online-Sichtbarkeit zu erhöhen, sagte er.

Bürgermeister Paul sieht "Chance für die Region"

Haderlein zufolge wird der regionale Online-Marktplatz künftig Teil des Marketing-Mix' des stationären Handels sein. Der regionale Online-Marktplatz werde sich "als Standardhebel im Kampf um Kaufkraft etablieren".

Landrätin Sabine Sitter zeigte sich "beeindruckt", was mit dem Mainlokalshop "auf die Beine gestellt wurde". Besonders freue sie sich über die interkommunale Zusammenarbeit bei diesem Projekt, die bis in den Landkreis Bad Kissingen hineinreiche. Lohrs Bürgermeister Mario Paul sah in diesem Online-Marktplatz eine "große Chance für die Region". Wichtig sei der Zusammenhalt, auch branchenübergreifend, denn "nur gemeinsam sind wir stark".

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