LOHR

Was im Spessart so alles passiert

„Der Lohrer neigt zu sehr viel Fantasie“, erkannte die Schauspielgruppe „10 vor 8“ bei ihrem Streifzug durch die Innenstadt. Beste Voraussetzungen also für das Erlebnis „Improvisationstheater“ im Kulturkeller Weinhaus Mehling mit einer zweistündigen Vorstellung, die weder einstudiert noch vorhersehbar war.
Beim Würzburger Improvisationstheater „10 vor 8“ ist jedes Programm eine Premiere und entsteht live aus dem Augenblick heraus. Hier wird der „Höhlenurlaub“ für Thomas spätestens dann zum „Höllentripp', wenn rotäugige Ungeheuer im Publikum sitzen.
Foto: FOTOS G. Büdel | Beim Würzburger Improvisationstheater „10 vor 8“ ist jedes Programm eine Premiere und entsteht live aus dem Augenblick heraus.

Welches Stück steht auf dem Programm? Eine Romanze? Ein Krimi? Eine Seifenoper? Was am Freitagabend auf der Kulturkellerbühne gespielt wurde, bestimmten mit ihren Vorgaben allein die 70 Zuschauer, die den Part der Programmgestalter übernahmen. Aus dieser Inspiration heraus zauberten die Spieler von „10 vor 8“ Stücke mit erstaunlichen Wendungen. Ohne Kostüm und Requisite, ohne Text und Regisseur.

Da galt es, auf und vor der Bühne die Fantasie arbeiten zu lassen. Jede Szene wurde einem Raketenstart gleich eingezählt: fünf-vier-drei-zwei-eins-Los! Spielt sich ein Drama ab oder beginnt eine wilde Romanze? In jedem Fall beherrschten die Akteure die Kunst, spontan zugerufene Ideen aufzunehmen, weiter zu denken und umzusetzen.

Mit örtlichem Bezug inszenierte „10 vor 8“ aus Schneewittchen, der lauschigen Bank im Wald, Ameisenhaufen und süßem Eichhörnchen die Szene „Was im Spessart so alles passiert“. Dass der Mensch in Gefahrensituationen die besten Ideen hat, bewies der abenteuerliche „Höhlenurlaub“. Aus der „Täter- und Opferbeziehung“ kristallisierte sich der Abstieg der aufstrebenden Bankerin zur Bratwurstverkäuferin, die – in Zeiten der Schweinegrippe – eine allzu intensive Qualitätskontrolle der Thüringer Spezialität vornahm.

Auch das Publikum wird zum Darsteller. Hier soll das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ pantomimisch dargestellt werden.
| Auch das Publikum wird zum Darsteller. Hier soll das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ pantomimisch dargestellt werden.
Der Lohrer Lieblingsthema überhaupt schienen die Banker zu sein. Warum speziell diese Berufsgruppe und dann noch in Verbindung mit einer Melkmaschine? Verblüffend die schlüssige Lösung: „Banker sitzen an der Quelle, und melken muss man dort, wo die Milch fließt.“ „Frisch, hungrig und motiviert“ charakterisiert sich die Truppe selbst, deren kreative Wurzeln in einem Würzburger VHS-Kurs im September 2006 liegen. Eine während des Trainings exakt um 19.50 Uhr stehen gebliebene Uhr gab den Improkünstlern ihren Namen.

Das Publikum fand das „Theater aus dem Moment heraus, ohne Netz und doppelten Boden“ höchst amüsant. „Dass man das Programm mitgestalten und in die gewünschte Bahn lenken kann“, mache den Erfolg des Improtheaters aus. „Hut ab“, fasste eine Zuschauerin die Leistung der achtköpfigen Schauspieltruppe zusammen. Dementsprechend kräftig fiel auch der Beifall aus, als nach zwei Stunden der imaginäre Bühnenvorhang fiel.

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Main-Spessart und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Themen & Autoren
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!