Gemünden

Was verschärfte Regeln für Maskenhersteller in Main-Spessart bedeuten

Ob Niemann Group, Czerny Manufaktur oder Livinguard: Sie alle verkaufen Masken – aber keine FFP2-Masken. Darf man ihre Produkte noch überall in der Öffentlichkeit tragen?
Eva-Maria (links) und Magdalena Czerny mit 'Happy Masken'.  Sie wollen die neuen Regelungen in Bayern positiv unterstützen und ihr Angebot entsprechend erweitern.
Foto: Rosemarie Knechtel | Eva-Maria (links) und Magdalena Czerny mit "Happy Masken".  Sie wollen die neuen Regelungen in Bayern positiv unterstützen und ihr Angebot entsprechend erweitern.

Die Corona-Pandemie belastet die Wirtschaft gewaltig. Dennoch versuchen einige Unternehmen, das Beste aus der angespannten Situation zu machen. Schließlich hat die Krise den Bedarf nach manchen Produkten auch enorm gesteigert. So zum Beispiel die Nachfrage nach Mund-Nase-Bedeckungen. Im Landkreis Main-Spessart gibt es mehrere Firmen, die versuchen, Masken im größeren Stil zu vertreiben. Doch nun haben Bund und Länder vereinbart, dass im öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen einfache Alltagsmasken nicht mehr genügen und das Tragen von medizinischen Masken (OP-Masken und Masken der Standards KN95 oder FFP2) verpflichtend wird.

In Bayern gilt bereits seit Montag eine FFP2-Maskenpflicht an diesen Orten. Wer dort keine oder die falsche Maske trägt, riskiert ab kommender Woche sogar ein Bußgeld. Auch Gottesdienste und Pflegeeinrichtungen sind künftig betroffen. Aber was bedeutet die neue Regelung für das Geschäft der Maskenverkäufer in der Region? Dürfen ihre Mund-Nase-Bedeckungen noch überall getragen werden?

Bisher kein Zertifikat für Gemündener Maskenhersteller

"Unsere Masken filtern mehr Schadstoffe aus der Luft als FFP2-Masken. Das Problem ist: Wir haben immer noch nicht die nötigen Zertifikate", berichtet Thomas Niemann, Geschäftsführer der Gemündener Niemann Group, die auf Formenbau und Konstruktionen spezialisiert ist. Bereits im Frühjahr vergangenen Jahres hatte Niemann eine wiederverwendbare Maske aus Silikon entwickelt, deren Filter austauschbar sind. Die Maske lasse sich auch leicht reinigen, zum Beispiel mit Desinfektionsmittel.

Die Tüftler Simon Gerlach (links) und Thomas Niemann entwickelten einen wiederverwendbare Mund-Nasen-Bedeckung.
Foto: Jürgen Gabel | Die Tüftler Simon Gerlach (links) und Thomas Niemann entwickelten einen wiederverwendbare Mund-Nasen-Bedeckung.

Derzeit versuche der Tüftler eine CE-Kennzeichnung und eine Zertifizierung als FFP3-Maske (eine Schutzstufe höher als in Bayern notwendig) für sein Produkt zu erhalten. Schwierigkeiten bereiten ihm dabei aber noch die Prüfstellen, meint Niemann. Deutschlandweit würden etliche Hersteller von Einwegmasken versuchen, an entsprechende Zertifikate zu kommen. "Unser Produkt wird durch diese Schwemme blockiert." 

Bei der Prüfgesellschaft DEKRA bestätigt man grundsätzlich einen Ansturm von Seiten der Maskenhersteller. "Natürlich gibt es gerade eine Nachfrage ohne Ende“, sagt Pressesprecher Friedhelm Schwicker. „Meine Kollegen sind rund um die Uhr am Prüfen. Es kann also schon eine gewisse Zeit dauern, aber niemand wird Monate darauf warten müssen, bis er drankommt." Wo genau Niemann seine Masken zulassen will, möchte er nicht öffentlich sagen.

Nachfrage durch kostenlose Masken für Risikogruppen gesunken 

Solange die "Covi Mask" aus Gemünden aber nicht entsprechend zertifiziert ist, darf sie aktuell in Bayern im Supermarkt und in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht getragen werden. Doch schon vorher war es laut Niemann gar nicht so einfach, die Masken zu vertreiben. "Wir haben ein tolles Produkt und kriegen es nicht los." Werbung im Internet sei für ihn aktuell kaum möglich, meint er. Denn jegliche Werbung, die mit Masken zu tun habe, werde auf Plattformen wie Ebay oder Facebook schnell gelöscht. Grund dafür ist laut Niemann, dass diese aktuell nicht unterscheiden können zwischen "echten Firmen und Betrügern".

Über seine Verkaufszahlen sagt der Unternehmer: "Es könnte auf jeden Fall mehr sein." Ein Lichtblick ist für ihn ist die mögliche Zusammenarbeit mit einer "großen Firmengruppe" aus dem Bereich der Medizintechnik. "Das Unternehmen will das Projekt vorwärts bringen und unsere Masken weltweit an Ärzte und Krankenhäuser vertreiben", so Niemann. 

Im lokalen Handel wird die Maske zum Beispiel in der Stadtapotheke in Gemünden angeboten. Diese habe "schon ein paar 100" davon verkauft, sagt Niemann. Doch seit Ende vergangenen Jahres angekündigt wurde, dass kostenlos FFP2-Masken an Risikogruppen verteilt werden sollen, sei die Nachfrage "deutlich runtergegangen".

Sinkender Bedarf an Alltagsmasken?

Die Niemann Group ist nicht die einzige Firma aus Gemünden, die nach Beginn der Corona-Pandemie angefangen hat, Masken herzustellen und zu verkaufen: Die Czerny Manufaktur vertreibt unter dem Label "Happy Masken" modische Alltagsmasken in unterschiedlichsten Mustern.

Darüber, ob die Nachfrage nach Alltagsmasken durch die neuen Regeln für den ÖPNV und für den Einzelhandel in Bayern gesunken oder sogar bedroht sei, könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussage treffen, sagte Eva Czerny bereits Ende vergangene Woche gegenüber dieser Redaktion. "Wir konnten uns mit happyMasken.de ein internationales Vertriebssystem aufbauen und sind nicht auf das Gebiet Bayern limitiert." Jedoch würde die Nachfrage bei einem bundesweitem Beschluss deutlich zurückgehen, prognostizierte Czerny.  "Wir wollen die neuen Regelungen in Bayern positiv unterstützen." Daher nehme man nun auch FFP2-Masken ins Sortiment auf. Mittlerweile werden diese auch im Onlineshop des Unternehmens angeboten.

Verteilzentrum für Livinguard in Karlstadt

Auch Livinguard, ein Unternehmen für Hygienetechnologie mit Sitz in der Schweiz, bietet eine ganze Reihe an Masken an – allerdings keine FFP2-Masken. In Karlstadt betreibt die Firma ein Verteilzentrum mit rund 20 festen Mitarbeitern. "Wir haben hier eine ideale Lage. Unsere Aufgabe ist es von hier aus, alle europäischen Vertriebspartner zu beliefern", sagt der Geschäftsführer von Livinguard in Deutschland und Leiter des Standorts, Dietholf Schröder. Die Masken des Unternehmens stehen auch in Apotheken und im Einzelhandel in der Region zum Verkauf. Aber schränken die neuen Regelungen nun ein, wo die Masken von Livinguard getragen werden dürfen? Es kommt darauf an.

Dietholf Schröder (rechts) hat Einzelhändlern in Würzburg im September vergangenen Jahres Masken der Firma Livinguard übergeben. 
Foto: Silvia Gralla | Dietholf Schröder (rechts) hat Einzelhändlern in Würzburg im September vergangenen Jahres Masken der Firma Livinguard übergeben. 

Zumindest für eines ihrer Modelle erhebt Livinguard den Anspruch, dass dieses "einen gleichwertigen Schutz wie FFP2-Masken" bietet - und zwar für die Livinguard Pro Maske. Das belegen laut einer Pressemitteilung des Unternehmens "verschiedene unabhängige Studien und Zertifizierungen". Nach Angaben des Herstellers ist besagtes Modell auch als "medizinische Gesichtsmaske" zertifiziert. Die Maske erfülle damit "die Anforderungen der gestern beschlossenen Regelungen und kann damit auch in Zukunft auf dem Weg zur Arbeit sowie beim Einkaufen getragen werden", wird Firmengründer und Geschäftsführer Sanjeev Swamy in einer Pressemitteilung von Mittwoch zitiert.

In Bayern besteht für Livinguard noch Unklarheit 

In Bayern ist die Lage etwas komplizierter. Denn während nach dem neuen Bund-Länder-Beschluss auch sogenannte OP-Masken in Nahverkehr und Geschäften erlaubt sind, gelten im Freistaat bisher striktere Regeln. Zulässig sind nur "FFP2-Masken oder Masken mit mindestens gleichwertigem genormten Standard". Als Beispiel nennt das bayerische Gesundheitsministerium KN95-Masken und N95-Masken. 

"Die Landesregierung geht an dieser Stelle nicht darauf ein, welche genormten Standards hiermit konkret gemeint sind", hieß es bis Mittwoch auf der Internetseite von Livinguard. "Wir sind derzeit im Dialog mit den Behörden, um eine eindeutige Aussage dahingehend zu erwirken, dass die Livinguard Pro Mask hiermit die Anforderung der bayerischen Verordnung erfüllt." Es besteht also noch Unklarheit im Freistaat, ob diese Masken überall erlaubt sind. 

Auf die Nachfrage hin, wie Bürger überhaupt in Erfahrung bringen können, ob eine Maske, die sie gekauft haben, den bayerischen Anforderungen entsprechen, teilte ein Sprecher des bayerischen Gesundheitsministeriums lediglich mit: "Masken mit mindestens gleichwertigem genormten Standard sind als Alternative erlaubt." Bei Schutzmasken mit anderer Prüfnorm erleichtere "eine Konformitätserklärung beziehungsweise ein Konformitätsnachweis eine Einordnung".

Update vom 21. Januar: Wie der CSU-Landtagsabgeordnete Thorsten Schwab aus Hafenlohr der Redaktion am Donnerstag mitteilte, habe er sich bereits vergangene Woche beim Gesundheitsministerium zu Livinguard-Masken erkundigt. Von dort habe er die Antwort erhalten, dass das genannte Produkt derzeit nicht zulässig sei. In ihrer Antwortmail an den Abgeordneten verwies die Mitarbeiterin des Ministeriums auf eine Broschüre des Herstellers. Danach befinde sich die offizielle Zulassung auf FFP2 Standard zur Zeit in Bearbeitung und werde noch im ersten Quartal 2021 erwartet.

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