KARLSTADT

Weltweit innovativ mit Blechverkleidungen

Spektakulär: Der Bahai-Tempel in Chile wird der achte Bahai-Tempel weltweit sein. Kennzeichen sind neun Flügel aus Gussglas, die das Gebäude nachts weithin strahlen lassen. Die Karlstadter Firma Lummel übernimmt die Messingverkleidungen, beispielsweise an den Rahmen der neun Streifenfenster zwischen den Flügeln oder an den Vordächern, Deckenelementen, Türen oder den Säulensockeln.
Foto: Bahai | Spektakulär: Der Bahai-Tempel in Chile wird der achte Bahai-Tempel weltweit sein. Kennzeichen sind neun Flügel aus Gussglas, die das Gebäude nachts weithin strahlen lassen.

„Was es nicht von der Stange gibt und was nicht jeder kann, das machen wir.“ So umreißt Georg Lummel die Tätigkeit seines Spenglerunternehmens in Karlstadt. Er und sein Bruder Stefan Lummel sind die Geschäftsführer der Lummel GmbH & Co KG in Karlstadt, die seit Jahren schon international bei schwierigen Bedachungen und Fassaden aus Metall gefragt ist. Folgende Projekte sind derzeit unter anderem in Arbeit:

Bahai-Tempel Chile

In Chile entsteht der weltweit achte Bahai-Tempel. Die bisherigen „Tempel der Anbetung“ befinden sich in Australien, Deutschland, Indien, Panama, Samoa, Uganda and in den USA. Sie stehen allen Menschen offen zur Meditation, zum Gebet und zur Reflexion. Ihre Architektur soll jeweils Frieden und Ruhe ausstrahlen. Auch wenn jeder individuell gestaltet ist, so haben sie doch alle jeweils neun Eingänge, die für die Offenheit in alle Richtungen stehen.

Das Bahaitum ist 1844 in Persien entstanden. Prinzip ist das Grundbekenntnis zu ein und demselben Gott verschiedener Religionen. Eingebettet sind die Tempel jeweils in ansprechende Gärten und Grünzonen. Vom Standort in Chile aus hat man in der einen Richtung den Blick auf die Anden und in der anderen auf Santiago.

Schon vor seinem Bau hat das Projekt von Hariri Pontarini des Canadian Architectural Office mehrere Architekturpreise gewonnen. Neun durchsichtige Flügel aus Gussglas streben wie geschlossene Blütenblätter zum Himmel empor. Tagsüber werden sie Licht hindurchlassen und nachts ein mattes Licht nach außen senden. 600 Sitzplätze sind geplant. Das Gebäude aus Beton, Stahl und Glas wird so gebaut, dass es den Erdbeben dieser Region standhält: 1200 Quadratmeter Grundfläche mit einer Höhe von 30 Metern.

Die Firma Lummel ist Nachunternehmer der Firma Josef Garner (Gundelfingen), die für die Stahlkonstruktion verantwortlich ist. Die Karlstadter sind zuständig für die Messingteile des Bauwerks. So werden die Rahmen der neun Streifenfenster zwischen den Flügeln mit Messing verkleidet, ebenso andere Elemente wie die Vordächer, Deckenelemente Türen, Gitterroste an Fensterabschlüssen oder Säulensockel. Die Bauteile sind äußerst diffizil herzustellen. Sie werden in Karlstadt gefertigt und dann nach Chile geschickt. Die Montage übernehmen andere. Für die Firma Lummel hat der Auftrag ein Volumen von rund 1,25 Millionen Euro.

Stage-Theater Hamburg

65 Millionen Euro – nein, das ist nicht die Auftragssumme für die Karlstadter Firma, sondern das sind die Gesamtbaukosten des neuen Stage Musicaltheaters im Hamburger Hafen, direkt neben dem bisherigen Stage-Theater, wo König der Löwen gespielt wird. Das neue Theater soll 1800 Zuschauern Platz bieten.

Am Mittwoch, 21. August, erstrahlte – nachdem das Gerüst entfernt war – die eben fertiggestellte Edelstahlhaut in der Ausgabe der Hamburger Bild-Zeitung. Zitat: „Jetzt ist die aufwendige Dachkonstruktion zu sehen. Zehntausende metallisch-glänzende Schindeln glitzern in der Hafen-Sonne.“

Die Firma Lummel hatte die Planung, die Fertigung und Montage der 2500 Quadratmeter Dach und Fassade in Form eines Helms beziehungsweise einer Muschelhälfte übernommen – und zwar von der Tragschale über die Funktionsschichten bis zur Edelstahlhaut. Der Auftrag für eine Million Euro brachte Arbeit für ein halbes Jahr. Acht Mann waren in Hamburg mit der Montage beschäftigt.

Gerade in Arbeit sind Teile für ein außergewöhnliches Objekt: das Musée des Confluences in Lyon. Es soll die neuesten Entwicklungen der Wissenschaft zeigen. Die Pläne wurden von der Wiener Architektengruppe Coop Himmelb(l)au 2001 entworfen.

Die Firma Lummel fertigt die Übergänge zwischen den Glasflächen, die es bei diesem Museum reichlich geben wird. Mehr als zwei Kilometer Übergangsbleche aus champagner-grau-grün pulverbeschichtetem Aluminium werden benötigt. Auftragsvolumen: 450 000 Euro.

Das Palais an der Oper München wurde im Frühjahr fertig. Bei dem zur Edelimmobilie ausgebauten ehemaligen Postgebäude am Max-Joseph-Platz hat die Karlstadter Firma die komplette Unterkonstruktion des 4000 Quadratmeter großen Daches hergestellt. Aus Brandschutzgründen sind hier keine Holzbalken verbaut, sondern sozusagen hohle Sparren aus Blech. Zudem mussten Gauben und Oberlichter eingebaut werden. Der Auftrag lag bei 1,6 Millionen Euro.

Im Frühjahr sind das Taschen- und Luxuswarengeschäft Louis Vuitton, Kuffler Gastronomie, Kanzleien, Arztpraxen und Privatleute eingezogen. Einem Bericht des „Spiegel“ zufolge soll der russische Multimillionär Arkadij Rotenberg, der als Vertrauter Putins gilt, das Palais an der Oper für 300 Millionen Euro gekauft haben.

Ganz spezielle Fähigkeiten erfordert ein Auftrag der Europäischen Zentralbank (EZB). Hier ist eine rund 400 Quadratmeter große Decke für den Konferenzraum zu erstellen. Die Alupaneele sollen in groben Zügen die Landkarte von Europa darstellen. Das lässt sich nicht an einer computergesteuerten Maschine erstellen. Vielmehr gibt Spenglermeister Friedel Behr in der Werkstatt der Firma Lummel den Paneelen, die das Meer darstellen, in Handarbeit eine andere Form als den „Landpaneelen“. Hinzu kommt die Unterkonstruktion. Für die Karlstadter Firma ein Auftrag mit einer halben Million Euro. Die Decke ist gerade in Arbeit.

Kulturstiftung in Halle

Die Kulturstiftung des Bundes hat in Halle ein vierstöckiges Verwaltungsgebäude errichtet. Die Außenhülle besteht im Wesentlichen aus Glas. Darüber jedoch war ein Gitterrost aus Edelstahl zu konstruieren. Die Teile lassen sich so ausklappen, dass man die Glasfassade reinigen kann. Auch hier steckte der Teufel wieder im Detail. Die Kreuzungspunkte des Gitters sollten parallel zur statischen Konstruktin verlaufen. Das Gebäude ist seit einem Jahr fertig. Der Auftrag für Lummel lag bei 220 000 Euro.

Fastnachtsmuseum Kitzingen

Das Fastnachtsmuseum Kitzingen wird gerade saniert. Das bunte Fleckles-Klädle der fränkischen Narren sollte sich schon an der Fassade widerspiegeln. Die Firma Lummel nutzte ihre Erfahrung, die sie auf den Seychellen gesammelt hatte. Dort nämlich wurden schon vor einigen Jahren „Grasschindeln“ aus Blech angefertigt, die sogar die dortige Denkmalschutzbehörde als geeigneten Ersatz für echte Grasdächer anerkannt hat. Im Fall Kitzingen wurden ähnliche Schindeln, aber in faschingsbunten Farben, hergestellt. Sie zieren nun die Fassade ähnlich einem Fries über dem Eingangsportal an der Rückseite des Gebäudes.

Zudem hat die Firma die Aufträge für die Edelstahl-Flachdach-Sanierung der Mainfranken-Säle in Veitshöchheim und das Nägelsee-Schulzentrum Lohr mit einer Stahlblechfassade und einem Edelstahldach.

45 Beschäftigte hat die Firma Lummel in der Karlstadter Echterstraße, davon 35 Spengler in der Produktion und Montage.

ONLINE-TIPP

Die Beiträge unserer Serie „Hinaus in die Welt“ finden Sie auch im Internet unter www.mainpost.de/regional/main-spessart

Wilde Formensprache: Futuristisch mutet das Musée des Confluences in Lyon an.
Foto: Animation: Coop Himmelb(l)au | Wilde Formensprache: Futuristisch mutet das Musée des Confluences in Lyon an.
Fertig: Helm aus Edelstahl-Schindeln des neuen Stage-Theaters in Hamburg neben dem Theater von „König der Löwen“.
Foto: Stage Entertainment | Fertig: Helm aus Edelstahl-Schindeln des neuen Stage-Theaters in Hamburg neben dem Theater von „König der Löwen“.
Probestück: An der Decke der Lummel-Werkstatt in der Karlstadter Echterstraße hängt ein kleines Stück Decke für die EZB in Frankfurt.
Foto: Haase | Probestück: An der Decke der Lummel-Werkstatt in der Karlstadter Echterstraße hängt ein kleines Stück Decke für die EZB in Frankfurt.
Haus mit Klääd: Das Fastnachtsmuseum in Kitzingen bekommt bunte Blechfransen, die dem fränkischen Narrenkleid ähneln.
Foto: Lukas Will | Haus mit Klääd: Das Fastnachtsmuseum in Kitzingen bekommt bunte Blechfransen, die dem fränkischen Narrenkleid ähneln.
Bei der Kulturstiftung des Bundes in Halle zieren Edelstahlroste die Fassade und das Dach.
Foto: Lummel | Bei der Kulturstiftung des Bundes in Halle zieren Edelstahlroste die Fassade und das Dach.
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