Karlstadt

Wertvolle Fenster werden in Sicherheit gebracht

St. Andreas Karlstadt: Der Kunstglasermeister Karsten Kuhn und sein Team restaurieren die Fensterelemente und installieren außen eine Schutzverglasung
Kunstglasermeister Karsten Kuhn hebt vorsichtig ein Element eines farbigen Glasfensters von St. Andreas heraus.
Foto: Karlheinz Haase | Kunstglasermeister Karsten Kuhn hebt vorsichtig ein Element eines farbigen Glasfensters von St. Andreas heraus.

Hatten die historischen Glasmalerei-Fenster in der Karlstadter Kirche St. Andreas schon bisher eindrucksvolle Leuchtkraft, so werden sie erst mit der jetzt begonnenen Restaurierung ihre ganze Brillanz entfalten. Außen wird zudem künftig eine doppellagige Schutzverglasung die wertvollen neugotischen Glasfenster schützen. Beides lässt sich schon jetzt an einem der fünf Fenster erkennen. Es ist bereits restauriert und wieder eingebaut.

er es in der Werkstatt des Kunstglasermeisters Karsten Kuhn in Güntersleben erblickte, war verblüfft, dass es überhaupt noch bunt leuchtete. Die Fenster sind von einer Schicht mit dem Kerzenruß vieler Jahrzehnte überzogen. Von außen sind zudem Farbspritzer aufs Glas geraten. Hier und da finden sich Sprünge in den kleinen bunten Scheiben, aus denen die Fensterbilder zusammengesetzt sind, und die Verbleiung muss überarbeitet werden.

Als die Mitarbeiter der Werkstatt Glaskunst-Kuhn die einzelnen, 47 mal 94 Zentimeter großen Bleiverglasungen ausbauten, mussten sie mit größter Sorgfalt arbeiten und die teils sehr dünnen und fragilen Scheiben von der Verkittung im Steinfalz zu trennen. Vorsichtig wurden die Teile auf dem Gerüst verpackt und am Flaschenzug herabgelassen.

Zugleich bereiteten sie die historischen Fenstereisen für eine Neukonstruktion vor. Bei der neuen Schutzverglasung besteht die Außenscheibe des Verbundsicherheitsglases aus leicht bewegtem Ziehglas, das mundgeblasenem Glas ähnlich ist und besser zur historischen Fassade passt als modernes, völlig planes Glas. Zudem filtert das Glas einen Großteil der UV-Strahlung und bleibt auch nach einer eventuellen Beschädigung noch schützend in der Fensteröffnung stehen.

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Der Karlstadter Bernd Maier, der sich jahrelang um die Sanierung des Kreuzwegs am Kalvarienberg gekümmert hat, nennt es einen Glücksfall, Karsten Kuhn gefunden zu haben. Maier selbst ist inzwischen vom Kreuzweg- zum Glasfensterspezialisten geworden: „Noch 1981 wurden solche Schutzverglasungen vom Landesamt für Denkmalpflege abgelehnt. Inzwischen sprechen sich in der Literatur neun von zehn Experten für eine Schutzverglasung aus.“

Die Fenster stammen aus den Jahren 1876 bis 1879. Pfarrer Valentin Sauer hatte die vorherige Barockausgestaltung verkauft und teilweise verbrannt. Die Neugotik mit ihren Holztürmchen hielt in St. Andreas Einzug. Die Farbfenster wurden von der Firma Franz Xaver Zettler, königliche Hofglasmalerei München, in aufwendiger Glasmaltechnik angefertigt. Die Farben wurden eingebrannt. Maier: „All das war zeitaufwendig und wäre heute unbezahlbar.“

Auch Kuhn ist begeistert von der Feinheit der Malerei: „Da wurden feine Linien teilweise mit Pinseln gezogen, die nur zwei Haare hatten – beispielsweise bei den Marienfiguren in der Krone von Karl dem Großen.“ Auf dem Leuchttisch lassen sich die Details wesentlich besser betrachten als in der Kirche.

Klassische Glasmalerei entsteht seit dem Mittelalter bis heute in nahezu gleichbleibender Technik: Auf die figürlich zugeschnittenen, mundgeblasenen Farbgläser werden mit Schwarzlot-Schmelzfarben Konturlinien und dünne Überzugsschichten aufgebracht. In diesen Schichten werden mit verschiedenen Radiertechniken Lichteffekte geschaffen. Kuhn: „Wenn der Glaskünstler beim Kratzen einmal abrutscht, ist die ganze Scheibe verdorben.“

Auch Schmelzfarben wie zum Beispiel Gelbbeize können zusätzlich auf der Rückseite aufgetragen werden. Nach dem Einbrennen im Ofen ist die entstandene Schicht mit der Glasoberfläche dauerhaft verschmolzen. Nun werden die Einzelgläser mit Bleiruten zu einem Fensterelement verlötet und zur weiteren Stabilisierung mit Leinölkitt verkittet.

Nach dem Ausbau der Fenster reparierte Steinmetz Horst Wittstadt die Buntsandsteinrippen. Wo an den Stößen die Stabilität gefährdet war, schnitt er Nuten in den Stein und mörtelte Edelstahlstäbe ein.

Für eine ausführliche Dokumentation fotografierte Karsten Kuhn die einzelnen Glasfenster vor dem Ausbau vom Gerüst aus und mehrmals in der Werkstatt. Nach der Überprüfung der Malschichten wurden sie mit destilliertem Wasser gereinigt. Kitt- und Farbreste waren zu entfernen. Rostige und unbrauchbare Lötprofile waren zu erneuern, die Verbleiung zu überarbeiten und gerissene Lötstellen punktuell neu zu verlöten.

Eine Scheibe war in früheren Jahren offenbar zu Bruch gegangen. Weil es dieses nicht im selben Farbton gab, hatte man – wohl in den 1980er Jahren – kurzerhand zwei hellbraune hintereinander zusammengefügt. Selbst hier hat Kuhn keine neue Scheibe eingesetzt. Denn es gilt der Grundsatz „Erhalten geht vor Ersetzen“. Er verlötete die ursprünglich mit Silikon hergestellte Reparatur jetzt fachmännisch. Auch gesprungene Scheiben werden nicht ersetzt, sondern mit einem Restaurierungskleber gesichert. Glücklicherweise sind alle Verglasungen bis auf drei erneuerte Scheiben noch alle erhalten.

Damit dies so bleibt und künftig keine Einzelscheiben durch Wind, Hagel oder einen Ball aus dem Bleinetz fallen können, wurden die 27 Fensterelemente nun in Messingrahmen gefasst und innen montiert. Sie können künftig bei Bedarf leicht ausgebaut werden. Bernd Maier hofft nun auf Spender für die Restaurierung der weiteren Fenster.

Die Farbfenster von St. Andreas

Fünf farbige Fenster wurden 1876 bis 1879 im Chorraum von St. Andreas eingebaut. Sie stellen die fünf Geheimnisse des glorreichen Rosenkranzes dar. Häufig finden sich dabei Bezüge zu Karlstadt, so auch mit der Figur Karls des Großen, den man lange für den Gründer der Stadt gehalten hatte.

Als 1909 die Sakristei neu gebaut wurde, wurde eines davon entfernt, außerdem ein sechstes Farbfenster der Rienecker Kapelle. Diese Fensterteile fand Pfarrer Paul Steinert 1980 auf dem Dachboden des Pfarrhauses. Sie wurden dann vor die weißen Butzenfenster zum Kirchplatz hin innen vorgeblendet. So sind sie geschützt und werden daher jetzt nicht restauriert.

1905 war Fenster Nummer sieben hinzugekommen. Es ist im Chorraum das westliche Nachbarfenster des eben restaurierten.

 
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