Lohr

Wie soll der Verkehr künftig fließen?

Die Frage, wie der Lohrer Verkehr künftig besser fließen soll, steht nun schon länger im Mittelpunkt der Arbeit an einem Verkehrskonzept. An diesem Mittwoch soll der Stadtrat den nächsten Schritt beschließen. Das Bild zeigt einen Bereich, der besonders Radfahrer umtreibt: den Kreisverkehr am Busbahnhof.
Foto: Johannes Ungemach | Die Frage, wie der Lohrer Verkehr künftig besser fließen soll, steht nun schon länger im Mittelpunkt der Arbeit an einem Verkehrskonzept. An diesem Mittwoch soll der Stadtrat den nächsten Schritt beschließen.

Die Arbeit am Lohrer Verkehrskonzept ist eine wichtige Aufgabe, bei der bislang nicht alles optimal gelaufen ist. Das sagen die Sprecher der in den Prozess eingebundenen bürgerschaftlichen Arbeitskreise. Kurz vor der an diesem Mittwoch dazu anstehenden Stadtratssitzung haben sie sich an diese Redaktion gewandt, teils auch in der Sorge, dass das seit rund zwei Jahren in Arbeit befindliche Konzept wieder begraben werden könnte, bevor es überhaupt fertig ist.

Entsprechende Stimmen habe es zuletzt gegeben, sagt Johan Bevernaege, Sprecher des Arbeitskreises Motorisierter Individualverkehr. Bevernaege ist der Ansicht, dass ein Verkehrskonzept für Lohr "ein großer Wurf" werden könne, weil es die Verkehrsströme und deren Verbesserung im gesamten Talkessel beleuchte.

Aktuell, das bekennt Bevernaege, sei für ihn jedoch noch kein Konzept und keine klare Zielrichtung erkennbar. Das sieht Peter Imgrund, Sprecher des Arbeitskreises Innenstadt, ähnlich. Er habe den Eindruck, dass sich die Stadträte nicht einig darin seien, was genau das Verkehrskonzept bewirken solle.

Die einen verfolgten "grüne Absichten", andere, so Imgrund, erhofften sich vor allem eine Argumentationshilfe für den Bau einer dritten Mainbrücke. Ihm selbst fehle bislang die Darstellung des Nutzens, den das Konzept der Stadt konkret bringen soll, sagt Imgrund. Diesen Nutzen müsse man darstellen, um Ängste zu nehmen, die es beispielsweise bei Geschäftstreibenden in der Innenstadt gebe.

Leo Pototzky, Sprecher der Lohrer Radinitiative, verweist dazu auf die vor einigen Monaten vom Stadtrat beschlossenen Leitlinien. Diese umfassen allerdings noch recht unkonkrete Schlagworte wie Er­reich­bar­keit der In­nen­stadt erhalten, Autoverkehr reduzieren, bes­se­re Fuß- und Radwege oder mehr öffentlichen Personenverkehr.

Die Erarbeitung dieser Leitlinien lief vor allem hinter den Kulissen. Für den Prozess hatte sich die Stadt mit dem Stuttgarter Büro BrennerPlan externe Unterstützung geholt. Es gab Verkehrszählungen und Haushaltsbefragungen. Auch in internen Workshops des Stadtrats wurde unter Einbeziehung der Arbeitskreise und anderer Akteure am Leitbild gearbeitet.

Kritik an Bürgereinbindung

Den bisherigen Prozess haben die Sprecher der Arbeitskreise nicht unbedingt als optimal empfunden. Pototzky beispielsweise spricht davon, dass es "viel zu wenig Bemühen gegeben hat, breite Bevölkerungsschichten einzubinden". Die Internetseite, die vom Planungsbüro für die Begleitung der Diskussion erstellt worden sei, sei weitgehend unbekannt und technisch nicht zeitgemäß gewesen. Wenn man die Menschen einer Stadt bei einem solchen Projekt mitnehmen wolle, genüge es auch nicht, "einen Fragebogen zu verschicken". Die Bürger seien nicht ausreichend informiert gewesen, bemängelt Pototzky. "Da muss man mehr kommunizieren." In den Arbeitskreisen hätten einige interessierte Bürger mit viel Elan begonnen. Doch dann sei der Elan "massiv gebremst" worden, weil die Prozesse viel zu lange gedauert hätten.

Das sieht Bevernaege ähnlich. Er spricht davon, dass es den Arbeitskreisen an klaren Aufträgen gefehlt habe. Das habe dazu geführt, dass man sich im Arbeitskreis Motorisierter Individualverkehr zunächst intensiv mit der B26n befasst habe, bis man erfuhr, dass man sich rein auf den Lohrer Raum konzentrieren solle. "Da hätten wir uns viel Zeit sparen können", sagt Bevernaege. Die von der Stadt organisierten Workshops seien in seinen Augen keine solchen gewesen. Ihm habe dafür die Gruppenarbeit und "Redefreiheit" gefehlt.

Trotz ihrer Kritikpunkte hoffen und erwarten die Sprecher der Arbeitskreise, dass es mit dem Verkehrskonzept weiter vorangeht. Der Stadtrat soll an diesem Mittwoch beschließen, welche Szenarien er simuliert und näher untersucht haben will. Es könnte dabei beispielsweise um Fragen wie Tempolimits, Einbahnstraßenregelungen oder dem Radweg vorbehaltene Straßen gehen, wobei Imgrund moniert, dass der Radverkehr seiner Information nach nicht Bestandteil der Simulation sein soll.

Für Pototzky steht fest, dass die wirklich interessante Phase der Arbeit am Verkehrsentwicklungskonzept erst noch beginnt, dann nämlich, wenn es um konkrete Fragen gehe wie die, welcher Verkehrsform an welcher Stelle im Stadtgebiet Vorrang eingeräumt wird. Das berge viele Konfliktfelder, weiß Pototzky.

Die Sprecher der Arbeitskreise hoffen, auch dann noch mitreden zu können, wenn es an solch konkrete Fragen geht. Bisher sei man "eher sporadisch eingebunden" gewesen, sagt Bevernaege. Seine Erwartung sei, dass sich die Arbeitskreise zumindest zu den Modellberechnungen wieder äußern können. Auf die Frage, ob sie damit rechnen, dass am Ende ein Verkehrskonzept stehen wird, welches konkreten Nutzen für die Stadt entfaltet, antworten die Arbeitskreise-Sprecher alle mit Ja. "Das Ergebnis wird gut, da bin ich optimistisch", sagt Bevernaege.

Die Sitzung des Stadtrates beginnt an diesem Mittwoch, 27. Januar, um 17.45 Uhr in der Stadthalle.

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