LAUDENBACH

Ziel ist die Sanierung der Synagoge

Gründungsversammlung: „Förderkreis ehemalige Synagoge Laudenbach e.V.“ heißt der neue Verein in Laudenbach. Bei der Gründungsversammlung wurde ein Vorstand gewählt. Im Bild von links Vorsitzender Georg Schirmer, zweiter Vorsitzender Oswald Heppel, Kassenwart Monika Tröster und Schriftführer Karl-Heinz Stumpf.
Foto: Armin Marschall | Gründungsversammlung: „Förderkreis ehemalige Synagoge Laudenbach e.V.“ heißt der neue Verein in Laudenbach. Bei der Gründungsversammlung wurde ein Vorstand gewählt.

In Laudenbach wird ein neuer Verein gegründet: der „Förderkreis ehemalige Synagoge Laudenbach e.V.“. Mehr als 50 Interessierte besuchten am Dienstag die Informationsveranstaltung in der Gaststätte der Mehrzweckhalle Laudenbach. Und knapp 40 füllten an Ort und Stelle die Beitrittserklärung zu dem neuen Verein aus.

Ziel des neuen Förderkreises ist es, das Gebäude mit Hilfe der Denkmalpflege und der Unterstützung von Sponsoren zu sanieren und für die Nachwelt zu erhalten. Später könnte es für kulturelle Veranstaltungen, Ausstellungen oder Konzerte genutzt werden (wir berichteten). Formiert hatte sich der Freundeskreis interessierter Laudenbacher und Karlstadter im Oktober.

Zum Auftakt der Gründungsversammlung stellte Georg Schirmer anhand von Fotos die Synagoge und deren Umfeld vor. Dabei ging er auch auf das „Ruttele“ ein, einen Laudenbacher Viehhändler, der nach dem Krieg wieder zurückgekehrt war. Georg Schnabel stellte eine Dokumentation der Synagoge von 1933 vor, die er in Israel bekommen hatte.

Als Vorsitzender des künftigen Vereins wurde Georg Schirmer gewählt. Sein Stellvertreter ist Oswald Heppel, Kassenwart Monika Tröster und Schriftführer Karl-Heinz Stumpf.

Besonders begrüßte Georg Schirmer Bürgermeister Paul Kruck, die Stadträte von Laudenbach, die Vorsitzende des Förderkreises der Synagoge Arnstein Heidi Henning sowie einige Mitglieder vom Historischen Verein Karlstadt. Kruck begrüßte das Vorhaben, die ehemalige Synagoge zu sanieren. Er sehe deren Bedeutung auch im Zusammenhang mit dem Judenfriedhof. Die Synagoge könnte man als vorgezogene Maßnahme in die beantragte Dorferneuerung von Laudenbach aufnehmen. Dort wäre sie gut aufgehoben. All dies werde aber nicht von heute auf morgen über die Bühne gehen.

Die Synagoge wurde 1736 erbaut und ist somit das älteste jüdische „Lehrerhaus“ im Landkreis Main-Spessart. In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde sie geschändet und ausgeraubt. Später wurde sie als Lagerhalle genutzt. Zurzeit befindet sich das Gebäude in einem desolaten Zustand. Nach 75 Jahren ist die Eigentümerin bereit, das kulturelle Denkmal zu verkaufen und es der Öffentlichkeit zu übergeben.

Zusammen mit dem Judenfriedhof, der Mikwe (dem rituellen Bad der Juden) und der Matzebäckerei soll es nach der Sanierung ein geschlossenes, kulturhistorisches, wertvolles Ensemble ehemaliger jüdischer Kultur in Laudenbach bilden.

Vor rund eineinhalb Monaten waren Vertreter des Landesamts für Denkmalpflege in Laudenbach, um das Gebäude zu sichten. In der Stellungnahme wird darauf hingewiesen, dass sich im Boden möglicherweise zerschlagene Stücke der liturgischen Ausstattung befinden. Der Betonestrich wurde erst für die Lagerzwecke eingebracht. Interessant ist noch, dass die Synagoge früher ein frei stehendes Einzelgebäude war.

Eine große Aufgabe steht dem Verein bevor. Vielleicht kann man dann in einigen Jahren die hebräische Inschrift über der Eingangstür der Synagoge bewundern: „Dir zur Ehre habe ich ein Haus errichtet.“

Wer an der jüdischen Kultur interessiert ist und dem Förderkreis beitreten möchte, kann sich bei Georg Schirmer, Tel. (0 93 53) 15 09, melden.

Jüdische Spuren in Laudenbach: In Zusammenhang mit der ehemaligen Synagoge, die saniert werden soll, steht der Judenfriedhof auf dem Laudenbacher Eselsberg. Er ist mit seinen etwa 2350 erhaltenen Grabsteinen der zweitgrößte jüdische Friedhof in Unterfranken.
Foto: Lucas Hain | Jüdische Spuren in Laudenbach: In Zusammenhang mit der ehemaligen Synagoge, die saniert werden soll, steht der Judenfriedhof auf dem Laudenbacher Eselsberg.
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