MANNHEIM

Bis der letzte Ton richtig sitzt

Üben, üben, üben: Das steht auf dem Stundenplan Opernchores des Nationaltheaters Mannheim. Dirigent Anton Tremmel ist erst zufrieden, wenn jeder Ton sitzt.
Foto: Uwe Anspach | Üben, üben, üben: Das steht auf dem Stundenplan Opernchores des Nationaltheaters Mannheim. Dirigent Anton Tremmel ist erst zufrieden, wenn jeder Ton sitzt.

Morgens um kurz nach halb elf im Chorprobenraum des Mannheimer Nationaltheaters: Konzentriert schauen die Sänger auf die Noten vor sich. Eine Stelle will noch nicht recht sitzen, Chorleiter Anton Tremmel lässt nicht locker. Noch einmal zurückblättern. Und noch einmal. Schließlich scheint er zufrieden – und entlässt die Mitglieder in eine kurze Pause.

Chor des Jahres

Der Opernchor ist gut, ausgezeichnet sogar: Im Herbst wählte ihn die Fachzeitschrift „Opernwelt“ zum Chor des Jahres. Doch auch hier ist jedes neue Stück harte Arbeit. Das Repertoire der Mannheimer ist riesig. Allein in dieser Spielzeit am Nationaltheater bringen sie es auf 26 Produktionen, wie Tremmel erzählt. Fast jedes der 56 Mitglieder singe überall mit. „Der Chor lernt sehr schnell – das muss er auch, um dieses Pensum zu bewältigen.“ Oft reiche die Zeit nicht aus, um die Stücke ausführlich im Chorsaal vorzubereiten. „Jeder Chorsänger arbeitet deswegen auch zu Hause weiter, zum Beispiel um die Chorpartien auswendig zu lernen.“

Sich viele Texte zu merken und sie schnell abrufen zu können, sei eben ein Teil des Berufes, sagt Chormitglied Wolfgang Heuser und zeigt auf seinen Kopf. „Das muss alles da oben rein.“ In der Regel gibt es morgens und abends Proben, wenn nicht gerade eine Vorstellung auf dem Spielplan steht. Der Nachmittag sei immer Ruhezeit für die Künstler, sagt Tremmel, der Chorleitung und Dirigieren am Salzburger Mozarteum studierte und vor Mannheim etwa in Basel, Leipzig und Tokio arbeitete.

Sänger Heuser genießt den unkonventionellen Tagesablauf. „Für mich ist das perfekt. Ich kann den ganzen Nachmittag rausgehen.“ Seine Kollegin Monika Fuhrmann sieht das anders: „Manchmal habe ich das Gefühl, es ist ein nicht sehr sozialer Beruf: Freunde treffen ist schwierig, weil man abends keine Zeit hat und auch regelmäßige Kurse kann man nicht belegen.“ Doch die Auszeichnung zum Chor des Jahres macht vieles wieder wett.

Die Kritiker waren vor allem beeindruckt von der Leistung des Chores in Adriana Hölszkys Oper „Böse Geister“. „Famose (Geister-)Stimmen, immer auf der Höhe“, urteilte die „Opernwelt“ in ihrer Bilanz. Die Auszeichnung gilt auch einem Mann, der inzwischen nicht mehr in Mannheim arbeitet, sondern seit der Spielzeit 2014/15 Chordirektor der Oper Frankfurt ist: Tilman Michael ist Tremmels Vorgänger und hat mit den Mannheimern das gelobte Stück „Böse Geister“ eingeübt.

Chor ist in guter Verfassung

„Es war eine ganz tolle Zeit“, sagt der 39-Jährige über die Jahre seiner Chorleitung zwischen 2007 und 2014. „Aber so eine Beziehung hält nicht 40 Jahre. Irgendwann nutzt sich das ab. An diesem Punkt waren wir noch lange nicht, zum Glück.“ Er habe nicht warten wollen, bis es soweit sei.

Doch Wehmut bleibt. „Der Chor ist gerade in einer sehr guten Verfassung. Eigentlich schade, dass ich das nicht weiter ausschöpfen kann.“ Tremmel möchte an den Erfolg seines Vorgängers anschließen – und zeigt sich selbstbewusst. „Wir wollen natürlich öfter der Chor des Jahres werden.“

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