Lauda-Königshofen

„Die beste Sitzung seit Jahren“

Mit kritischem Blick unterwegs war „Politesse“ Roswitha Lotter.
Foto: Herbert Bickel | Mit kritischem Blick unterwegs war „Politesse“ Roswitha Lotter.

Bereits seit einigen Jahren auf dem tänzerischen Sektor bundesweit mit an der Spitze, zog die stets um Verbesserung bemühte Narrengesellschaft Strumpfkapp Ahoi Lauda nun auch in anderen Bereichen nach. So schaffte man es in diesem Jahr – neben ungezählten perfekt wirbelnden Beinen ebenso zündende Büttenreden und – vor allem – wieder einmal eine Gesangsnummer auf die Bühne der Stadthalle zu bringen, als dort am Donnerstagabend eine gut fünfstündige Prunk- und Fremdensitzung die diesjährige kurze Kampagne krönte.

Gleich zwei Musikkapellen

Weit mehr als 800 Besucher im ausverkauften Narrentempel, die mit ihren stürmischen Beifallsbekundungen und zahlreichen „Zugabe“-Rufen ein Überziehen des 22-Punkte-Programmes erzwangen, äußerten sich durchweg begeistert über eine gebotene Bandbreite, die keine Wünsche offen ließ. Die Abrundung bildeten gleich zwei Musikkapellen: Während die aus Grünsfeld unter ihrem Dirigenten Thomas Weber neben unzähligen Tuschs auch zur Unterhaltung aufspielte, kümmerte sich die aus Gerlachsheim wie seit nunmehr 22 Jahren gewohnt um den Service.

Nach dem mit viel Gedränge erledigten Empfang der an die 30 Gastabordnungen, die Rainer John namentlich für den Saal auflistete, enterte eine geballte „närrische Invasion“ nacheinander die Bretter. Dort war zuerst der Chef der Oberlaudaer „Rootzen“, Holger Ebert, in bekannter Manier für das „Warm-up“ zuständig, ehe schließlich der Präsident der „Strumpfkappen“ und ebenso des Narrenringes Main-Neckar, Stefan Schulz, die Regie übernahm. Eine Aufgabe, die er mit seinem Vize Dirk Steger souverän bewältigte.

Erfrischend aufschlussreich gab sich daraufhin das Prinzenpaar Christine II. und Jochen II. (Eheleute Scholz und zweifache Eltern), das in seiner sehr ausführlichen Proklamation viel von den familiären Verhältnissen preisgab, bevor der Fanfarenzug „Fränkische Herolde“ aus Kützbrunn unter der Leitung von Melanie Neckermann recht lautstark das Augenmerk auf das folgende Geschehen lenkte.

Und hier ging es bis nach Mitternacht ohne Pause dann Schlag auf Schlag: Erwärmten erst noch bei Begleitung durch den Düdo-Club die vier- bis sechsjährigen „Listigen Elfen“ als bezaubernde „Eisblumen“ die Herzen des Publikums, so beeindruckte danach die gewaltige Power und höchste Akrobatik der Tanzmariechen Luisa Waldecker und Nina Pfundt, denen später – ebenfalls im Doppelpack – noch Evelin Reitenbach und Dana Wolf folgten, die in Tempo und Schwierigkeitsgrad in nichts nachstanden.

Präsentierten sich hier bereits etliche der zahlreichen Narrenring-Meister, zu denen sich im Verlauf des Fasnachtstreibens noch weitere gesellten, was diverse „Raketen“ nach sich zog, so überzeugte im Anschluss der erstmals agierende „Laudaer Jungfrauenbund“. „Wo ist Er?“ – mit dieser alles entscheidenden Frage suchten die klagenden Schlothegschen völlig verzweifelt jeweils nach einem Mann, dazu ihre Wünsche bei einer Wallfahrt artikulierend: einen Waschbrettbauch und einen knackigen Hintern. Damit konnte kurz darauf zwar Wolfgang Düringer (Gochsheim) nicht aufwarten, doch der oftmalige Mitwirkende bei „Fastnacht in Franken“, der bekannten Fernseh-Sendung aus Veitshöchheim, hielt als „Jungfrau auf Wallfahrt“ mit seinem teils schrägen Wortwitz die passenden Antworten zum vorherigen Hexen-Zauber bereit.

Temporeiche Schautänze

Zwischendurch bot sich den Zuschauern ein überwältigendes Bild, als auf der fast zu kleinen Bühne alle drei Garden gemeinsam mit abgestimmten Schrittkombinationen einen Marschtanz zelebrierten, bei dem man sich an den Tischen nur noch die Augen rieb, abgelöst durch die sechsköpfige Truppe „Die Rhönis“ aus dem unterfränkischen Burgsinn, eine vielseitige A-cappella-Formation, die zumindest in ihren Liedern gerne dem Alkohol zuprostete. Fast nacheinander demonstrierten daraufhin die temporeich wirbelnden Mädchen und jungen Damen der Laudaer Narrengesellschaft ihr Können bei den diversen Schautänzen, seien es die „Strumpfkäppli“ („Die verrückte Jahrmarktsorgel“), die Juniorengarde („Marco Polos Reiseführer“) oder die Prinzengarde („Die goldenen 20er“).

Apropos 20er: Nach nun gut zwei Jahrzehnten als äußerst erfolgreiche Trainerin und vorheriges Tanzmariechen verabschiedete sich an diesem Abend Esther Schulz, geborene Bittner, ein sentimentaler Moment, den auch Vorsitzender Rainer Seifert zum Anlass nahm, die großen Verdienste der Präsidenten-Ehefrau in diesem Metier zu würdigen.

Richtig zur Sache ging?s dafür beim Auftritt des Büttenasses Roswitha Lotter, die als „Politesse“ die Finger in zahlreiche örtliche Wunden legte, und mit dem Slogan „Weil mir meine Stadt am Herzen liegt“ untermauert. Sie erhielt viel stürmischen Applaus, den man auch Maxi Maurer aus Merchingen zuerkannte, der kurzfristig einsprang und durchaus eine gute Figur abgab.

Das Beste kommt am Schluss

Die besten Figuren kamen dann allerdings am Schluss, als die allemal unnachahmlichen Elferratstänzer in diesem Jahr die vier Elemente Erde, Feuer, Luft und Wasser choreografisch optimal umsetzten, ehe die Zugabe – unter anderem mit Bürgermeister Thomas Maertens – endgültig in das große Finale mündete, das noch einmal alle Akteure auf der Bühne vereinte. Die dicke Anerkennung aus den Reihen im Saal für eine vollauf gelungene Prunk- und Fremdensitzung brach sich dabei Bahn mit einem vielfach geschmetterten Schlachtruf „Strumpfkapp Ahoi“.

Trotz „Eisblumen“: Als zum Dahinschmelzen erwies sich die tänzerische Einlage der vier- bis sechsjährigen „Listigen Elfen“.
Foto: Herbert Bickel | Trotz „Eisblumen“: Als zum Dahinschmelzen erwies sich die tänzerische Einlage der vier- bis sechsjährigen „Listigen Elfen“.
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