STRÜTH

In der Alten Schmiede in Strüth wird das Handwerk ab und zu noch ausgeübt

Fast wie früher: Bis auf den gelben Eimer sieht die Schmiede noch so aus wie vor 200 Jahren, als sie gebaut wurde.
Foto: Claudia Schuhmann | Fast wie früher: Bis auf den gelben Eimer sieht die Schmiede noch so aus wie vor 200 Jahren, als sie gebaut wurde.

Am 14. Juli 1963 schloss der letzte Schmied in Strüth die Tür zu seiner Werkstatt hinter sich ab, um nicht mehr wieder zu kommen. Die Schmiede verlegte er nach Seinsheim. In Strüth blieb nur zurück, was im neuen Domizil nicht mehr benötigt wurde. Das kleine Haus fiel in einen Dornröschenschlaf. Aus dem hat Heinrich Körner, ein Nachfahr des letzten Schmiedes, es vor einigen Jahren wieder erweckt. Gerade noch rechtzeitig vor dem Einsturz.

Albrecht Haag, Landwirt aus Strüth und Stadtratsmitglied in Röttingen, lebt mit seiner Familie in direkter Nachbarschaft zur alten Schmiede. Schmuck steht das im Jahr 1805 errichtete Häuschen inzwischen wieder da, denn 2004 ließ die Stadt Röttingen es von außen herrichten. Um die Inneneinrichtung kümmerte sich Heinrich Körner, der aus dem Häuschen ein Museum gemacht hat. Er hat haufenweise Werkzeuge und Gerätschaften zusammengetragen, ohne die eine Dorfschmiede in alter Zeit nicht funktioniert hätte.

„Man kam dort gern zu einem Pläuschchen zusammen, denn da war es immer warm.“

Albrecht Haag, Landwirt in Strüth

An einigen Tagen im Jahr, erklärt Röttingens Bürgermeister Martin Umscheid, herrsche in der alten Schmiede auch wieder Leben. Dann lodert es in der Esse, Heinrich Körner haut auf den Amboss und schmiedet. Obwohl er einen anderen Beruf hat, weiß er genug über das Handwerk seiner Vorfahren, um in der Schmiede zu Vorführungszwecken arbeiten zu können. An allen übrigen Tagen ist die Tür zur alten Schmiede verschlossen. Schade, denn es gibt dort allerhand zu sehen. Ein Amboss sowie Nägel, Hufeisen, Hämmer, Zangen, Ketten und Schleifsteine füllen das Innere des niedrigen Häuschens, das früher einen Mittelpunkt des Dorflebens bildete. „Man kam dort gern zu einem Pläuschchen zusammen, denn da war es immer warm“, sagt Albrecht Haag. Ein Dorf ohne Schmied war in alten Zeiten nicht vorstellbar. Den Transport von Menschen und Waren besorgten größtenteils Pferdewagen. Deren Räder musste der Schmied bereifen. Die Tiere vor dem Wagen benötigten Hufeisen, und oftmals betätigte sich der Schmied dabei auch als Fußpfleger für die Pferde. Bäuerliche Werkzeuge und Gebrauchsgegenstände aus Metall mussten hergestellt und repariert werden. Türschlösser, Rasiermesser oder Pflugscharen herstellen – all das machte der Schmied. In Strüth gibt es noch einige absonderliche Andenken an das Wirken dieser Handwerker: Die knöchernen Teile von Pferdehufen stehen auf einer Werkbank. Außen an der Schmiede ist eine Informationstafel angebracht. Dort ist zu lesen, dass Johann Leuchs der erste Hufschmied war, der ab 1805 in dem Gebäude arbeitete. Um 1900 übernahm Josef Walch die Schmiede, bevor 1930 Anton Körner aus Unterwittighausen Walchs Tochter ehelichte und als Schmied nach Strüth kam. Ein Nachfahr jenes Anton Körner ist Heinrich Körner, der mit der Museumsschmiede sein Familienerbe lebendig hält.

Massiv: Auf dem Amboss wurden einst Hufeisen geschmiedet.
| Massiv: Auf dem Amboss wurden einst Hufeisen geschmiedet.
Nach der Renovierung: Die Schmiede als gepflegtes Häuschen.
| Nach der Renovierung: Die Schmiede als gepflegtes Häuschen.
Hufeisen in allen Formen: Die dürfen in einer Schmiede nicht fehlen.
| Hufeisen in allen Formen: Die dürfen in einer Schmiede nicht fehlen.
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