Wittighausen

Wittighausen: Der Ärger mit dem Internet

Glasfaserkabel ins Nichts? Der Anschluss an die schnelle Datenautobahn hakt in Wittighausen noch gewaltig
Foto: Matthias Ernst | Glasfaserkabel ins Nichts? Der Anschluss an die schnelle Datenautobahn hakt in Wittighausen noch gewaltig

Im vergangenen Jahr hatte Landrat Reinhard Frank noch gesagt, dass der Breitbandausbau weitgehend abgeschlossen sei. Bis auf ein paar "weiße Flecken" könne nun fast jeder schnell mit der "Datenautobahn" ins Internet gelangen. In der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Lockdowns wurde diese Aussage allerdings teilweise ad absurdum geführt. Längst nicht überall ist das Internet schnell. Teilweise geht sogar überhaupt nichts oder nur sehr langsam.

Das merkt man vor allem dann, wenn neben Homeoffice auch noch Homeschooling auf einen Haushalt zukommen. Das Übertagen von Dateien bringt da das Netz an den Rand der Belastbarkeit und darüber hinaus. Wittighausens Bürgermeister Marcus Wessels muss aktuell besonders viele Klagen der Bürger ertragen. Wessels startete eine Umfrage im gemeindlichen Mitteilungsblatt unter den Haushalten in der Gemeinde mit ihren vier Ortsteilen. "Auf meine Anfrage habe ich 15 Rückmeldungen aus allen Ortsteilen erhalten. Allerdings steht zu befürchten, dass die ‚Dunkelziffer‘ deutlich höher ist, weil es unwahrscheinlich ist, dass nur ein Haushalt an einer Straße Probleme hat". Auch er selbst ist in seinem Haus betroffen.

Trotz zweier Anschlüsse reicht die Leistung nicht aus

"Um Homeoffice meiner Frau und Homeschooling zweier Kinder gewährleisten zu können, war es erforderlich bei zwei Anbietern einen Telefonanschluss zu beantragen. Trotzdem reicht die Leistung insgesamt nicht aus. Während eine Person in einer Videokonferenz steckt, kann die andere nicht mal Beispielvideos aus der Schule herunterladen".

Überall gibt es hauptsächlich Probleme mit der Geschwindigkeit (mehr als 11 Mbit/s ist bei vielen Anschlüssen in Unterwittighausen nicht möglich). Ähnliches berichtet er aus Poppenhausen und aus Oberwittighausen. In Vilchband sei die Bandbreite zwar höher, dafür aber nicht stabil. Auch das Telefon fällt immer mal wieder aus. Besonders stark betroffen ist der Weiler Hof Lilach. Hier gibt es seit der Umstellung auf VoIP nur noch sporadisch Telefon und Internetverbindung. Fairerweise müsse man aber sagen, dass Hof Lilach bei den jetzt zu erschließenden Weißen Flecken dabei sei, ebenso wie die Aussiedler in Poppenhausen, bei denen aktuell praktisch kein Internet verfügbar ist.

Vorwurf an die Telekom, ihre Versprechen nicht zu halten

Wessels dankte ausdrücklich dem Landratsamt mit Dezernatsleiter Jochen Müssig und dem Leiter der Wirtschaftsförderung, Rico Neubert. "Beide haben sich intensiv für den Breitbandausbau eingesetzt, sodass wir ohne ihr Engagement noch lange nicht da wären, wo wir heute immerhin schon sind. Besonders erwähnen möchte ich hier die Fördermitteleinwerbung. Ich mache aber der Telekom einen Vorwurf, die ihre Kunden im Stich lässt und Verträge bewirbt, die letztendlich die versprochene Bandbreite nicht liefern können", resümierte Wessels.

Aktuell wird in der Wittigo-Straße wieder an den Verteilerkästen gearbeitet. Die Bürger hoffen auf eine schnelle Verbesserung ihrer Versorgung mit schnellem Internet
Foto: Matthias Ernst | Aktuell wird in der Wittigo-Straße wieder an den Verteilerkästen gearbeitet. Die Bürger hoffen auf eine schnelle Verbesserung ihrer Versorgung mit schnellem Internet

Auf Nachfrage dieser Redaktion antwortete die Deutsche Telekom dazu, dass im Laufe des zweiten Quartals 2021 mit der Fertigstellung des Ausbaus im sogenannten Nahbereich in allen vier Ortsteilen von Wittighausen schnelles Internet von mindestens 50 Mbit/s angeboten werden könne. "Wir bedauern, dass es beim Ausbau zu Verzögerungen kam. Wir mussten leider die dafür ursprünglich beauftragte Baufirma wechseln, da wir mit deren Leistung nicht zufrieden waren. Bedauerlicherweise hat die Klärung vertragsrechtlicher Fragen Zeit beansprucht und zu einem Baustopp geführt. Erst nach der Klärung konnten wir eine neue Baufirma beauftragen", führte dazu ein Pressesprecher der Deutschen Telekom aus.

Derzeit wird bei drei Schaltkästen in Unterwittighausen wieder aufgegraben, um kurzfristige eine Verbesserung zu ermöglichen. Vielleicht geht ja auch schon früher etwas, hoffen die Bürger.

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