Haselbach

Arvid Löflund fährt seit sechs Jahren elektrisch und zieht Bilanz

"Ich wollte meinen Kindern zeigen, dass es auch anders geht" war die Motivation für Arvid Löflund, sich ein Elektroauto zu kaufen. Wie denkt er heute über diese Entscheidung?
Der Haselbacher Arvid Löflund mit seinem Elektroauto, das er nach sechs Jahrem immer noch mit dem gleichen Akku betreibt. Im Hintergrund auf dem großen Scheunendach sind die Platten der Photovoltaikanlage zu sehen, die jedes Jahr 20 000 kWh Strom produzieren.
Foto: Barbara Enders | Der Haselbacher Arvid Löflund mit seinem Elektroauto, das er nach sechs Jahrem immer noch mit dem gleichen Akku betreibt.

Im Frühjahr 2015 hatte sich der Haselbacher Arvid Löflund ein Elektroauto zugelegt, damals war das in gewisser Weise ein kleines Abenteuer. Nach fast sechs Jahren kann er eine positive Bilanz für seine damalige Entscheidung ziehen.

Bei einer Probefahrt hatte ihn die "lautlose und so unspektakuläre Kraftentfaltung sehr positiv überrascht", erinnert er sich an seinen ersten Kontakt mit dem Fahrzeug. Zudem sei es kein "Verzichtsauto", gewesen, wie es 2015 bei Modellen anderer Kleinserienhersteller durchaus noch üblich war.

Die Ausstattung vieler Elektrofahrzeuge war damals äußerst spartanisch, sie hatten kleine Kofferräume, waren oft nur Zweisitzer und verzichteten zum Beispiel auf ABS und da sie nur in Kleinserien hergestellt wurden, war der Anschaffungspreis entsprechend hoch. Nicht so bei dem Fahrzeug, das er zur Probe fuhr, ein Renault Zoe, dieses Auto ist laut Löflund auch für den Otto-Normalverbraucher erschwinglich.

Tropfende Motoren und rostiger Auspuff

Mit seinen "Verbrenner-Autos" hatte Löflund viel Pech, mehrmals musste er Zylinderkopfdichtungen erneuern lassen, nach dem Ölwechsel hinterließen die Motoren Tropfen auf dem Pflaster.

"Nie mehr Ölwechsel" lautete dann auch der persönliche Motivationsschub, der zum Kauf des Elektroautos führte. Außerdem gibt es hier weder Kupplungsverschleiß noch einen rostigen Auspuff, keine Abgasuntersuchung und es ist zudem zehn Jahre lang steuerfrei.

Auch Verschleiß und Wartungskosten sind günstiger als bei Verbrenner-Pendants, so bilanziert er erst einen einzigen Wechsel der Bremsbeläge Mitte 2019, da hatte das Auto bereits über 100 000 Kilometer geleistet. Inzwischen hat Arvid Löflunds Auto gut 160 000 Kilometer zurückgelegt.

Teurer Akku und günstiger Strom

Das "Aber" des Elektrofahrens ist für Löflund die Akkumiete gewesen, die je nach jährlicher Fahrleistung anfiel und in seinem Fall mit Kosten zwischen 79 und 119 Euro monatlich zu Buche schlug.  Das wird aber bei ihm zum Großteil durch sehr niedrige Energiekosten kompensiert. Mit seiner Solarstrom-Eigenverbrauchsanlage Baujahr 2014 entstehen ihm im Solarstrom-Direktbezug nur 2,50 Euro Stromgestehungskosten auf 100 Kilometer, bei Netzstrombezug etwa 4,90 Euro auf 100 Kilometer. Ein Quadratmeter Solarmodulfläche reicht jedes Jahr für 1000 Kilometer Fahrstrecke.

Auf dem Dach ihrer Gebäude hat Familie Löflund eine Photovoltaikanlage installiert, die 20 000 kWh Strom pro Jahr erzeugt. Dem gegenüber stehen der Verbrauch von 9000 kWh im Jahr für den Eigenbedarf im Haushalt und 35 000 km Fahrleistung des Elektroautos.

Aufladen ist sehr günstig

In den Anfängen der Elektromobilität vor fünf Jahren gab es sehr viele kostenfreie Ladepunkte, die Löflund bei seinen Fahrten natürlich nutzte, dadurch wurde das Aufladen sehr günstig. Heute ist das kostenlose Laden bei verschiedenen Einkaufsmärkten als Kundenservice  während der Öffnungszeiten möglich.

"Zudem sind heute vor allem die Stromgestehungskosten über private Photovoltaik-Anlagen sensationell niedrig, sodass man im Solarstrom-Direktbezug für unter zwei Euro 100 Kilometer weit kommt", fügt der begeisterte E-Mobilist an.

Akkulaufzeit fiel höher aus als Arvid Löflund erwartet hatte

Die Frage nach der Lebensdauer der Akkus ist wohl die wichtigste bei dem Thema. Löflunds Erwartungen wurden übertroffen, "die Akkus sind langlebiger als ich mir erhoffte". Er ging davon aus, dass sie nach fünf Jahren noch etwa 80 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität besitzen würden, die einst eine Reichweite von 135 Kilometern ermöglichte. Tatsächlich haben sie nach sechs Jahren und über 160 000 Kilometern Fahrleistung noch 92 Prozent der ursprünglichen Kapazität, das bedeutet immer noch eine Reichweite von 125 Kilometern mit einem Ladezyklus. Selbst ein Akku mit einer Kapazität von 50 Prozent der Ursprungsleistung ist aus Löflunds Sicht noch für den regionalen Betrieb geeignet.

Alte Akkus werden übrigens nicht sofort dem Recycling zugeführt, wie Löflund erklärt. Sie haben noch zehn Jahre lang ein zweites Leben und werden gerne in Umspannwerken zum Ausgleich von Netzschwankungen eingesetzt. Das ist für Löflund eine Dynamik, die sich in vielen Bereichen der Elektomobilität zeigt. Das immer dichter werdende Netz der Tankstellen gehört dazu genauso wie der steigende Anteil des Stromes aus erneuerbaren Energien. In Deutschland wurde 2020 gut 46 Prozent des Stromes aus erneuerbaren Energien erzeugt.

Reisen mussten gut geplant werden

Die Reichweite machte anfangs das Reisen mit dem Elektroauto zum Abenteuer, da die Tankstellendichte noch nicht gegeben war. "Familienausflüge und Reisen mussten minutiös geplant werden", erinnert sich Arvid Löflund schmunzelnd, "das alles ist heute kein Thema mehr, es gibt genügend Tankstellen".

"Der elektrische Teil des Fahrzeuges hat sich als absolut zuverlässig und bewährt erwiesen", ist das Fazit des begeisterten Elektroautofahrers. Lediglich im konventionellen Bereich des Autos waren Reparaturen notwendig. Bei den Vorderrädern mussten Querlenker und Querstabilisatoren erneuert werden. "Ansonsten", betont Löflund, "keine weiteren Vorkommnisse!"

Mittlerweile hat er den Antriebs-Akku seines Elektroautos käuflich zum Restwert übernommen, somit entfällt die monatliche Akkumiete und die laufenden Betriebskosten sind niedrig.

Seinen Kindern konnte er vermitteln, dass es Alternativen zum Verbrenner-Fahrzeug gibt. Zum Haushalt seiner Familie gehört auch noch ein Verbrenner-Auto, doch wenn seine Kinder die Wahl haben, fahren sie am liebsten mit dem Elektroauto.

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