Bad Neustadt

Das Licht von Gott

Die Weihnachtskrippe in Wargolshausen.
Foto: Thomas Volkmuth | Die Weihnachtskrippe in Wargolshausen.

Liebe Leserinnen und Leser,

An Weihnachten des vergangenen Jahres haben wir uns noch nicht vorstellen können, was uns in diesem Jahr alles erwartet und dass Weihnachten 2020 so ganz anders gefeiert wird. Viele Pläne für das Jahr sind über den Haufen geworfen worden oder durcheinander geraten. Die Urlaubsplanung war da noch das geringere Problem. Die Tourismusbranche sieht das verständlicherweise anders. Verunsicherungen im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereich zogen sich durch das Jahr. Die schwarze Null im Bundeshaushalt – bis jetzt hochgehalten – fiel notgedrungen wegen der Rettungsmaßnahmen für die Wirtschaft unter den Tisch.

Ich selbst habe das Umwerfen der persönlichen Planung am eigenen Leib erlebt. Eine vorgesehene Hüftoperation Anfang April musste in den August verlegt werden. Da merkte ich so richtig, wie lang ein Monat sein kann, wenn es nur noch schmerzhaft humpelnd vorwärts geht. Auch die Überlegung, die Mutter im Pflegeheim als Rückkehrer von Würzburg nach Bad Neustadt öfter besuchen zu können, fiel den berechtigten Sicherheitsmaßnahmen zum Opfer. Ich denke, jede und jeder von Ihnen kann da seine eigenen Erlebnisse und Erfahrungen dazu tun.

In den letzten Wochen hörten wir oft aus dem Mund der politisch Verantwortlichen und von Medizinern den Satz: „Wir sehen das Licht am Ende des Tunnels, es gibt Lichtblicke.“ Gesagt wurde dies im Blick auf ein Impfserum gegen das Coronavirus. Nach Weihnachten soll ja mit den Impfungen begonnen werden. Viele teilen diese Hoffnung, andere sind verunsichert: Kann ich mich impfen lassen, ohne Angst vor Impfschäden haben zu müssen? Aber: Ein Serum gegen das Virus zu haben, schenkt Hoffnung auf ein wieder normales Leben.

Auch ich freue mich, wenn das Gemeindeleben in den Pfarreien wieder in geregeltere Bahnen kommt und Seelsorge wieder intensiver und angstfreier gestaltet werden kann. Auch ich vermisse das Beisammensein mit Freunden und Verwandten, Besuche bei meiner Mutter im Altenheim – sowie meinen Stammtischbrüdern. In Politik und Gesellschaft war in den Ausführungen über die coronabedingten Einschränkungen und Schutzmaßnahmen immer von Weihnachten die Rede. Weihnachten als Fest der Familie sollte gefeiert werden können. Nun gibt es aber doch Einschränkungen, die auch den christlichen Gemeinden in der Vorbereitung der Weihnachtsfeiertage schwer zu schaffen machten.

Das Zusammenkommen der Familien ist wirklich wichtig. Dazu gehört auch, sich zu beschenken. Diese Tradition hat ihren Grund in dem Geschenk, das Gott selbst uns macht. Denn Weihnachten ist mehr als ein Familienfest. An Weihnachten steht ein besonderes Geschenk und Licht im Mittelpunkt. Auf unserem Bild ist die Weihnachtskrippe von Wargolshausen zu sehen, geschaffen vom Holzbildhauer Dieter-Robert Frank aus Milz im thüringischen Grabfeld. In dieser Gestaltung der Krippe strahlt das Kind im Stall auf. Sie zeigt, worum es geht: Jesus hat das Licht der Welt erblickt, damit wir ihn als das Licht der Welt erblicken. Das ist mehr als ein Wortspiel. Der Evangelist Johannes schreibt: "Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt." Und: "In ihm (Christus) war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen." Es ist das Licht aus Bethlehem.

Vor über 2000 Jahren hat Jesus das Licht der Welt erblickt. Es ist keine Extra-Welt, für den Sohn Gottes geschaffen, sondern die Welt, wie sie ist. Es ist die Welt, die jetzt mit dem Coronavirus kämpft, es ist die Welt, in der Menschen Sorgen um ihre wirtschaftliche Existenz haben und das Personal in den Krankenhäusern und Pflegeheimen an seine Grenzen stößt. Da ist nicht alles hell. Oft genug sieht es finster aus. Jesus hat das Licht der Welt erblickt – und ihre Dunkelheit. Weihnachten sieht in diesem Jahr anders aus. Vielleicht liegt darin auch die Chance für uns, neu zu entdecken, worum es wirklich geht: um das Licht von Gott! Denn in einem kleinen Kind ist es in unsere Welt hineingekommen. In unsere Welt hat Gott seiner Menschwerdung einen konkreten Ort gegeben: Bethlehem - weil er dort ist, wo wir sind.

In der Krippe in Wargolshausen hält Josef eine Kerze in der Hand. Das wirkt fast unbeholfen und ratlos. Diese Kerze kann uns heute aber auch an das Licht von Bethlehem erinnern. Es ist das Licht, das jedes Jahr von der Geburtskirche aus als Zeichen des Friedens von Gott über die ganze Welt verteilt wird, das Friedenslicht von Bethlehem, das dann von jedem mit nach Hause genommen werden kann.

Vielleicht geht uns gerade an diesem Weihnachtsfest ein Licht auf, dieses Christuslicht aus Bethlehem. Vielleicht werden wir sein Wort und sein Leben für uns neu erkennen als das Licht, das die Dunkelheit erhellt und uns den Weg weist.

Das ist Weihnachten 2020 – SEIN Licht am Ende des Tunnels, heute und immer!

Ein frohes Weihnachtsfest und ein gesegnetes neues Jahr wünscht Ihnen

Ihr Thomas Keßler
Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft St. Martin, Brend

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