Oberweißenbrunn

Die Glosse: Preußen macht dicht am Himmeldunk!

Einmal frische Luft im Corona-Wahnsinn, die will auch der Rhönkauz schnappen. Doch damit wird eine Grenze überschritten:
Das war mal die Landesgrenze zwischen dem Königreich Bayern und dem Königreich Preußen am Himmeldunk. Mag sein, dass die Grenzsteine noch einmal reaktiviert werden.
Foto: Gerhard Fischer | Das war mal die Landesgrenze zwischen dem Königreich Bayern und dem Königreich Preußen am Himmeldunk. Mag sein, dass die Grenzsteine noch einmal reaktiviert werden.

An manchen Tagen bekommt der Rhönkauz den unwiderstehlichen Drang, aus der Welt zu flüchten. Er weiß nicht mehr, welche Maske er zu welchem Anlass tragen soll, ob er überhaupt einen Fuß vor die Tür setzen darf und warum Markus Söder keine rot-weißen FFP2-Masken an seine fränkischen Landsleute kostenlos verteilen lässt.

Der Hausberg als Hotspot

Einmal ist er einfach in seinem Heimatdorf auf den Hausberg geflüchtet. Tatsächlich, um einer sportlichen Betätigung nachzugehen. Der völlig überhöhte Puls ist in der Sportuhr noch gespeichert und kann jederzeit als Beweismittel herangezogen werden.  

Jedenfalls war dort das halbe Dorf unterwegs inklusive des Nachwuchses, dem man zur Entwicklung der Motorik eine Rodelpartie gönnt. Natürlich wurden die AHA-Regeln eingehalten, aber so wesentlich war dann der Unterschied zu den offiziellen Hotspots der Rhön dann doch nicht.   

Das Weite suchen

Also hat der Rhönkauz das Weite gesucht. Gemäß Google-Maps war das Weite genau 13 Kilometer vom Wohnort entfernt, auf jeden Fall noch keine 15 Kilometer. Das Weite, das war die Weite des Himmeldunkberges. Stille satt, Ruhe überall. Der Schnee knirschte mit einem zischenden Geräusch, als wollte er "Inzidenz" sagen. Es war herrlich.

Irgendwo an der Hohen Hölle, die er nach dem langen Aufstieg von Oberweißenbrunn aus erreichte, durchzuckte es den Rhönkauz innerlich. Befand er sich noch auf sicherem bayerischen Boden oder hatte er schon hessische Scholle unter seinen Schuhen und unter der Schneedecke? Was tags zuvor kein Problem gewesen wäre, war mit der verschärften 15-Kilometer-Regelung des Landkreises Fulda vielleicht doch ein Problem? 

Delinquenten in Not

Würde aus dem schneebehangenen Wald gleich die hessische Polizei schreiten, um den Delinquenten dingfest zu machen? Darf sich der Rhönkauz, voll vom mitgebrachten Tee, von bayerischem Boden aus auf hessischen Grund kurz erleichtern?   

Der Blick des Rhönkauzes erreichte auf einmal alte, quaderförmige Steine am Rand des Winterwanderweges. "KP" stand auf der einen Seite, "KB" auf der gegenüberliegenden Seite. Ein Wegweiser nach Konstantinopel oder nach Königsberg konnte es nicht sein. Dem Rhönkauz war schnell klar, worum es ging: Hier war noch das alte Königreich Bayern, dort schon das Königreich Preußen, darauf wiesen die alten Grenzsteine hin. Und weil die Preußen schon immer einen Tick strenger waren, sind es die Hessen halt auch und haben die 15-Kilometer-Regelung für den Landkreis Fulda erlassen. Nun, für den Winterspaziergang kann man preußisches Territorium zwar betreten. Aber wer weiß, ob die Grenzsteine an der Hohen Hölle nicht bald komplett reaktiviert werden. Einen Unterstand für Grenzsoldaten gäbe es da oben jedenfalls schon.

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