Bad Neustadt

Glosse Aufgespießt: Ausgezeichnet

Über den Wert von Orden und einen ihrer künftigen Träger
Soll das Bundesverdienstkreuz bekommen: Mario Draghi. Zu recht?
Foto: Arne Dedert/dpa | Soll das Bundesverdienstkreuz bekommen: Mario Draghi. Zu recht?

Wer einem Hanseaten, speziell einem Hamburger, einen Orden verleihen möchte, der tut sich ziemlich schwer. Orden anzunehmen, ist dort verpönt. Die Hanseaten folgen dem schönen Grundsatz: „Es gibt über dir keinen Herren und unter dir keinen Knecht.“ Der stammt schon aus dem 13. Jahrhundert von Jordan von Boizenburg aus dessen „Ordeelbook“ zum Hamburger Stadtrecht. Daran halten die sich im Norden heute noch. Ein sympathischer Zug.

Andere sind da weniger zurückhaltend. Für die gibt es zum Beispiel das Bundesverdienstkreuz, die höchste Auszeichnung, die die Bundesrepublik Deutschland im Angebot hat. Die bekommt man für besondere Leistungen auf politischem, wirtschaftlichem, kulturellem, geistigem oder ehrenamtlichem Gebiet. Ein bisschen was sollte man dafür also schon geleistet haben. 

Rot emailliert

Und jetzt soll dieses rot emaillierte Stückchen Blech mit dem Bundesadler in der Mitte einem Mann ans Revers geheftet werden, der mit seiner Null- bis Minuszins-Politik Sparer fast in den Ruin und deutsche Bankchefs an den Rand des Suizids getrieben hat: Mario Draghi, oder Graf Draghila, wie der alte Geldsauger auch genannt wurde.

Vorgeschlagen hat den Mann übrigens Heiko Maas, Sie wissen schon, die schmächtige Gestalt mit den Anzügen, die immer ein wenig so wirken, als hätte sie Mutti für ihren Bub' ein bisschen zu heiß gewaschen. Der Mann, der uns außenpolitisch vertritt. Das war doch mal ein richtig guter Vorschlag, lieber Heiko, da steht ganz Deutschland wie ein Mann hinter dir. 

Überreichen  muss den Orden Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 31. Januar. Ob er dabei mit den Zähnen knirschen wird, wer weiß. Vielleicht macht er es ja wie einst Münchens OB Thomas Wimmer, der bei der Überreichung des Bundesverdienstkreuzes gratulierte, dann aber folgenden Satz anhängte:  „I woaß aber net, warum Sie vorgschlagn wordn san.“ Ich fürchte nur, dafür ist unser Bundespräsident zu anständig. Und auf hanseatische Verzichtstugend darf man bei Draghi wohl auch nicht hoffen. 

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