Bad Königshofen

TSV Bad Königshofen: Ein Psychologe als Hallensprecher

Hallensprechern kommt in der Tischtennis-Bundesliga eine nicht zu unterschätzende Bedeutung zu. Was aber sagt einer vor null Zuschauern, zumal wenn er Schulpsychologe ist?
Nicht in der Box, nicht an der Box, am liebsten hinter der Technik versteckt: Jürgen, der Sachliche. Dr. Jürgen Hoffmann moderierte am Sonntag das Spiel des TSV Bad Königshofen gegen den ASV Grünwettersbach in der Tischtennis-Bundesliga.
Foto: Rudi Dümpert | Nicht in der Box, nicht an der Box, am liebsten hinter der Technik versteckt: Jürgen, der Sachliche. Dr. Jürgen Hoffmann moderierte am Sonntag das Spiel des TSV Bad Königshofen gegen den ASV Grünwettersbach in der ...

Der TSV Bad Königshofen hat in Jürgen Halbig seinen etatmäßigen Hallensprecher. Er wird im Falle einer Verhinderung - am Sonntag war er krank - von Dr. Jürgen Hoffmann ersetzt. Diese beiden unterscheiden sich durchaus in ihrer Art zu moderieren. Was aber nicht an der gegen Grünwettersbach anfangs etwas tiefgefrorenen Atmosphäre in der zuschauerlosen Shakehands-Arena lag. Beide sind ehemalige erfolgreiche Tischtennis-Spieler des TSV, Experten somit auf jeden Fall.

Beide kommen authentisch rüber, so wie sie eben sind. Wobei der Bank-Prokurist Halbig (59) eher der emotionale, empathische Typ ist, auch gern mal aus seiner beruflichen in seine Freizeit-Haut schlüpft und die Zuschauer regelrecht mitnimmt. Während Hoffmann (43) der rationale, betont sachliche ist und sich auf das Wesentliche beschränkt. „Was die Leute halt so wissen sollten, wenn ein Duell zweier Sportler bevorsteht.“ Mit seiner Sprache auf Grund seiner norddeutschen Wurzeln väterlicherseits (Paul Hoffmann, ehemaliger Realschulrektor) könnte er auch für Werder Bremen oder den HSV sprechen. Mit ihm führten wir dieses Gespräch.

Frage: Vielleicht ein paar Eckdaten zu Ihrer Person?

Jürgen Hoffmann: „Ich bin Lehrer für Deutsch und Sport an der Realschule Bad Kissingen. Allerdings sieht mein Berufsbild etwas anders als aus. Unterricht halte ich an der Schule nur fünf Stunden die Woche. Mein Hauptjob ist die Schulpsychologie. Einen Tag bin ich in Würzburg an der Schulberatungsstelle. Die restliche Zeit bin ich an anderen Schulen wie in Bad Brückenau oder Hammelburg und an meiner Stammschule. Geboren, aufgewachsen und wohnhaft bin ich in Bad Königshofen.“

Wie sind Sie beruflich zu dieser Konstellation gekommen?

Hoffmann: „Irgendwas als Lehrer, so wie meine Eltern, sollte es schon sein. Mit Sport auch. Deutsch auch. Aber Psychologie auch. Daraus wurde ein Psychologiestudium. Nach der Promotion war ich mehrere Jahre als Wissenschaftlicher Assistent an der Uni Würzburg. Dann setzte ich das Lehramt-Studium für Realschulen drauf und war da angekommen, was ich machen wollte, Schulpsychologe.“

Sie sind auch Sportlehrer. Welchen Sport haben Sie selber betrieben?

Hoffmann: „Ich habe mit sieben Jahren mit Tennis angefangen und ein Jahr später mit Tischtennis. Irgendwann wurde ich durch zwei Kniescheiben-Brüche beim Schulsport ausgebremst. Dennoch habe ich in beiden Sportarten, beim TSV und beim TC RW, eine Zeit lang in der ersten Mannschaft mitgespielt. Das war Bezirksliga im Tennis und im Tischtennis sogar Bayernliga. Später, als es mit der Ersten nach oben ging, war ich in der Landesliga noch ein paar Mal dabei. Heute spiele ich noch in der vierten TSV-Mannschaft. Zum Training habe ich aber keine Zeit. Mein Knie will auch nicht mehr Sport. Es geht mir hier mehr um die Gemeinschaft.“

Wie haben Sie das Spiel am Sonntag gegen Grünwettersbach erlebt? Es gab ja keine Zielgruppe, keine Zuschauer.

Hoffmann: „Das war die spannende Frage. Ich habe mich mit der Mannschaft abgesprochen, ob wir überhaupt einen Einlauf machen. Schnell war klar, natürlich, wir machen es für die Helfer, die haben es verdient. Ohne sie und die Sponsoren wäre Bundesliga in Bad Königshofen nicht möglich. Sie machen das ja alle ehrenamtlich und mit großer Ausdauer und Zuverlässigkeit. In Großvereinen  muss dafür alles bezahlt werden, was bei uns nicht möglich ist. Aber Aufputschen war nicht drin, ist auch nicht so mein Ding. Natürlich habe ich auch mit gefiebert und wusste, wie schwer es noch nach der 2:0-Führung werden würde. Ich bin selten in der Halle, manchmal am Livestream. Vorbereitet habe ich mich mit Infos aus dem Netz. Für null Zuschauer war das eine hohe Stimmungs-Intensität, besonders als sich die Anspannung entladen hat. Da wusste ich auf einmal gar nicht, was ich sagen sollte. Bei dem Jubel war das aber auch gar nicht nötig.“

(In einer früheren Version wurde Hoffmann als Sportpsychologe bezeichnet. Das entspricht nicht den Tatsachen. Jürgen Hoffmann ist Schulpsychologe.) 

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