IRMELSHAUSEN

Wieviel Windkraft ist zu verkraften?

Expertenrunde: Unser Bild zeigt von links Thomas Werner, Steffen Vogel, Johann Waldmann, Professor Werner Nohl sowie den Biophysiker Wilfried Rummel.
Foto: Maximilian Stuhl | Expertenrunde: Unser Bild zeigt von links Thomas Werner, Steffen Vogel, Johann Waldmann, Professor Werner Nohl sowie den Biophysiker Wilfried Rummel.

Das Thema Windkraft in Grabfeld bewegt die Menschen. Voll war daher die Milzgrundhalle in Irmelshausen bei der Infoveranstaltung der Bürgerinitiative „Windkraft in Grabfeld, aber mit Maß und Ziel“. Experten bezogen Stellung über ökologische und ökonomische Fakten rund um die Windkraft und erläuterten die Gefahren, die von Windkraftanlagen für den Menschen ausgehen.

„Die Energiewende ist beschlossen. Davor verschließen wir uns auch nicht“, erklärte Reinhard Köhler, Gründungsmitglied der Initiative zu Beginn der Veranstaltung. „Wir fordern, dass mit Verstand gehandelt wird und das Gesundheit und Wohlbefinden aller Anwohner geschützt ist.“

Große Bedenken gegen den Windpark bei Aubstadt wie er in der aktuellen Planung vorgesehen ist, hat auch Kreisheimatpfleger Reinhold Albert. Albert denkt besonders an die Gefahren für die Vogelwelt und an die ästhetischen Auswirkungen der hohen Windkraftanlagen, die das Landschaftsbild wesentlich dominieren. „Geht verantwortungsvoll mit unserer wunderschönen Landschaft um“, warnte der Kreisheimatpfleger.

Im Anschluss bewertete Landschaftsarchitekt Professor Dr. Werner Nohl die Verhältnismäßigkeit zwischen der Effizienz von Windkraftanlagen für das Gesamtwohl und der daraus resultierenden Einwirkungen auf die Landschaft. „Nur wenn die Leistungsfähigkeit der binnenländischen Windkraftanlagen signifikant ist, rechtfertigt sie einen erheblichen Eingriff mit den bekannten ästhetischen Konsequenzen“, erklärt Nohl. Aktuelle Daten würden zeigen, dass die 21 000 Windkraftanlagen in Deutschland etwa 1,3 Prozent des Primärenergieverbrauches decken. „Aus Sicht der Wissenschaft ist eindeutig bewiesen, dass die Windkraft gar keinen signifikanten Beitrag leisten kann, um langfristig von fossilen Brennstoffen und Atomkraft unabhängig zu werden.“ Dem entgegen stünden ganz erhebliche Eingriffe in die Ästhetik der Landschaft. Empirische Studien hätten gezeigt, dass eine Landschaft mit steigender Zahl von Windkraftanlagen von Probanden als deutlich weniger schön bewertet werde. „Ein Windpark ist aus landschaftsästhetischer Sicht eine Verunstaltung höchsten Gerades“, so der Professor.

Johann Waldmann, ehemaliger Ingenieur in der Energiewirtschaft, ging in seinem Vortrag auf die technischen, energiewirtschaftlichen und ökonomischen Fragen ein. „Windkraftanlagen sind nur dann sinnvoll, wenn ausreichend Wind geht, der Abstand zu Wohngebieten ausreichend groß ist und ein geeigneter Netzanschluss vorliegt“, erklärt Waldmann. Zudem sei es ein Irrglauben, dass Windkraftanlagen die vom Netz gehenden Atomkraftwerke ersetzen können. „Windkraftanlagen in Bayern können keinen nennenswerten Beitrag zur Stromerzeugung beitragen.“ Auch die Wirtschaftlichkeit der Anlagen in Bayern stellte Waldmann in Frage. Bei Windgeschwindigkeiten unter sechs Metern in der Sekunde könnten die Anlagen nicht wirtschaftlich betrieben werden. „In Aubstadt liegen Geschwindigkeiten von unter fünf Metern vor“, erklärte Waldmann.

Um einen Eindruck über die direkten Auswirkungen auf die umliegenden Bewohner von Windkraftanlagen zu vermitteln, wurde ein selbst gedrehter Kurzfilm vorgeführt. Darin kommt eine Familie aus dem Fichtelgebirge zu Wort, die 700 Meter von einer Windkraftanlage entfernt wohnt. „Das Windrad ist richtig laut“, so die Anwohnerin. „Nachts fühlt es sich so an als würde eine Waschmaschine im Schlafzimmer stehen“, beschreibt die Familie ihre Erfahrungen.

Entscheidend seien auch die Infraschall-Wellen, die von einer Windkraftanlage ausgehen, erklärte Biophysiker Wilfried Rummel. Es sei erwiesen, dass Herz-Kreislauferkrankungen die Konsequenz von Infraschall-Wellen sind. Auch vom Schattenwurf der Anlage gehe eine Gefahr aus. „Schattenwurf kann zu erheblichen gesundheitlichen Störungen führen“, warnte Rummel.

Rechtsanwalt Steffen Vogel nahm anschließend Bezug zur rechtlichen Situation. „Im einzelnen kann geprüft werden, ob man aus dem Grundstückssicherungsvertrag wieder herauskommt,“ so der Jurist.

Gründungsmitglied Thomas Werner, der noch einmal die Ziele der Bürgerinitiative vorstellte, sprach von einer gewinnorientierten Zerstörung der Landschaft. „Es kann nicht sein, dass wenige Investoren auf Kosten unserer Gesundheit Geld verdienen“, machte Werner klar. Daher fordere die Initiative unter anderem, dass der Abstand der Windkraftanlagen von jeglicher Wohnbebauung mindestens 2000 Meter betragen muss und die Größe der Anlagen auf das dreifache der durchschnittlichen Kirchturmhöhe im Milzgrund begrenzt sei. Eine allseitige Bebauung und Einkesselung von Ortschaften müsse verhindert werden. Auch die Abholzung von Wäldern um Windkraftanlage errichten zu können, lehnt die Initiative ab.

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