Schweinfurt

30 Jahre Museum Otto Schäfer

Ein Bestandteil der neuen Sonderausstellung: Weltchronik von Hartmann Schedel, lateinische Ausgabe, Nürnberg 1493, aufgeschlagen ist Würzburg. Erworben am 15. März 1951 bei Karl & Faber.
Foto: MOS | Ein Bestandteil der neuen Sonderausstellung: Weltchronik von Hartmann Schedel, lateinische Ausgabe, Nürnberg 1493, aufgeschlagen ist Würzburg. Erworben am 15. März 1951 bei Karl & Faber.

2021 jähren sich zwei wichtige Daten in der Geschichte des Museums Otto Schäfer. Am 15. März 1951 erwarb Otto Schäfer (1912 - 2000) auf einer Auktion von Karl & Faber seine ersten illustrierten Bücher und im Herbst 1991 konnte er seine Büchersammlungen in eine öffentliche Institution überführen – in die Bibliothek Otto Schäfer, heute Museum Otto Schäfer. Die Sammelleidenschaft hatte ihn aber bereits viel früher gepackt.

Der Sohn des Schweinfurter Kugellagerfabrikanten und Kommerzienrates Georg Schäfer (1861-1925) und seiner Frau Alwine (1883-1965) entdeckte früh seine Liebe für Musik, Kunst und Literatur. Bis spät in die Nacht hinein las der Schüler Werke der Weltliteratur, philosophische, historische und kunstgeschichtliche Schriften. Mit 15 Jahren begleitete Otto Schäfer seine Mutter Alwine nach Hammelburg, wo sie den Kunsthändler Stolz aufsuchte. Dort sah er zum ersten Mal originale Druckgraphiken, die ihn sofort begeisterten.

Radierungen des Niederländers Waterloo waren für eine, Rembrandt- und Dürerblätter für 25 bis 30 Reichsmark zu haben. Einige Blätter erwarb er mit der Zustimmung seiner Mutter. Es waren billige Drucke in späten, schlechten Zuständen, als die Platten bereits abgenutzt waren, aber es waren – wie Otto Schäfer immer betont hat – Originale. Der Händler erklärte zudem dem Schüler geduldig die Unterschiede zwischen Hoch-, Tief- und Flachdruck, empfahl ihm, möglichst gute Abzüge zu erwerben und so der Qualität, nicht der Quantität den Vorzug zu geben.

Alwine Schäfer ermutigte ihren Sohn bei seiner Liebhaberei. Nützlich erschien ihr vor allem die Lektüre des in französischer Sprache verfassten „Peintre Graveur“, jenem Handbuch zur Druckgraphik, das der Wiener Kupferstecher und Kunstschriftsteller Adam von Bartsch (1751-1821) von 1803 bis zu seinem Lebensende herausgegeben hatte. Auch auf dieses Werk hatte der Hammelburger Kunsthändler hingewiesen. So legte Otto Schäfer schon damals den Grundstock für seine Handbibliothek, die heute rund 15 000 Titel aufweist. Bevor er eine Graphik oder später ein Buch erstand, hat er zuvor immer die entsprechenden Werkverzeichnisse und Bibliographien zu Rate gezogen. So eignete er sich im Laufe der Jahre und Jahrzehnte eine große Kennerschaft an. Ein geisteswissenschaftliches Studium blieb dem jungen Sammler aber verwehrt. Angesichts des frühen Todes seines Vaters sah er es als seine Pflicht an, nach einer kaufmännischen Ausbildung seinen Bruder Georg bei der Führung der Firma Kugelfischer zu unterstützen.

Von seiner ersten Sammlung ist höchstens noch ein Blatt heute vorhanden – ein Holzschnitt Dürers mit der Kreuzigung, den er vermutlich um 1930 erworben hatte. Geschäftliche Verpflichtungen, vor allem aber der Zweite Weltkrieg unterbrachen für über ein Jahrzehnt den Ausbau seines Kupferstichkabinetts. Als er sich um 1950 wieder seiner graphischen Sammlung zuwandte, traf er zwei schwerwiegende Entscheidungen.

Zum einen wollte er diese von Grund auf neu aufbauen und in ihr die gesamte europäische Druckgraphik berücksichtigen, zum anderen sollten mit Originalgraphiken illustrierte Bücher seine Sammlung ergänzen. Bald überstrahlten diese die Bedeutungen seines Kupferstichkabinetts, auch wenn es ihm gelang, die bedeutendste Kollektion der Druckgraphik Dürers in Privathand zusammenzutragen. Als Otto Schäfer 1969 seine Schätze erstmals vor einem handverlesenen Publikum zur Schau stellte, schwärmte man von einer Nova Stella am Himmel der Bibliophilie. Bereits zu diesem Zeitpunkt konnte er neben illustrierten Werken auch kostbare Einbände und Erstausgaben deutscher Literatur präsentieren. Bis zum Höhepunkt seiner Sammlungstätigkeit um 1990 sollte sich das Spektrum seiner Bibliothek immer mehr erweitern, zuletzt auch um Künstlerbücher des 20. Jahrhunderts.

Aus diesem Grund widmet das Museum Otto Schäfer ab dem 13. März eine Sonderausstellung der Sammlungsgeschichte des Hauses. Sie wird im monatlichen Wechsel von Präsentationen begleitet, die einzelne Schwerpunkte der Sammlungen bis Ende Juli vorstellen soll. Da konkrete Planungen zur Zeit noch nicht möglich sind, informieren Sie sich bitte zur gegebener Zeit auf unserer Homepage: www.museumottoschaefer.de.

Sonderausstellung zur Sammlungsgeschichte des Museum Otto Schäfer, zu sehen ab 13. März. Begleitprogramm wird zu gegebener Zeit auf der Homepage bekanntgegeben. Öffnungszeiten September bis Juli: Samstag 14-17 Uhr, Sonntag und Feiertag 10-17 Uhr.

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