Schweinfurt

75 Jahre Unfall Stegner: Start in der "Stunde Null" nach dem Krieg

Vor 75 Jahren wurde die Schweinfurter Traditionsfirma "Unfall Stegner" gegründet. Noch immer gilt "Autos müssen fahren" und "Alles wird gut".
Zwischen Holzvergaser und Elektroauto: Die Firma Unfall Stegner gibt es bereits seit 75 Jahren in der Stadt.
Foto: Uwe Eichler | Zwischen Holzvergaser und Elektroauto: Die Firma Unfall Stegner gibt es bereits seit 75 Jahren in der Stadt.

Die Urkunde aus vergilbtem Papier findet man gelegentlich noch in alteingesessenen Schweinfurter Geschäften. Mit Wirkung vom 20. November 1945 wurde die Autowerkstatt von Kriegsheimkehrer Werner Stegner zum "Licensed place of business" erklärt, zum "Zugelassenen Geschäftsbetrieb" – mit Genehmigung des von den Amerikanern eingesetzten Oberbürgermeisters Otto Stoffers, eines politisch unbelasteten Prokuristen.

Die US-Militärregierung förderte in der "Stunde Null" gerne das freie, spontane Unternehmertum. Am 22. Januar 1949 erhielt der gebürtige Coburger Stegner dann seinen Meisterbrief. Die Gründung der Autolackiererei fiel in die Zeit von Not, Fleiß und Improvisation: als die Trümmerbahn im Pendelverkehr zwischen Ruinen und Schuttberg ("Monte Schuttino") ratterte, Sprit Mangelware war und in den bayerischen Wäldern noch Brennstoff für Autos mit Holzvergaser-Motoren geschlagen wurde. Die erste erhaltene Rechnung, für die Entrostung eines "B.M.W.-Geschäftswagens", datiert dann bereits auf den 18. April 1949. Stolz werden Fernsprecher-Nummer und Sparkassen-Konto vermeldet. Die Arbeitsstunde kostete moderate 2 DM und 35 Pfennig, die Lehrlingsstunde 60 Pfennig.

Die technische Begabung liegt in der Familie

Eine der ersten DM-Rechnungen aus dem Jahr 1949, mit Konto und Fernsprechnummer.
Foto: Uwe Eichler | Eine der ersten DM-Rechnungen aus dem Jahr 1949, mit Konto und Fernsprechnummer.

75 Jahre nach dem Startup von Werner Stegner blicken die Enkel Jens und Bernd zurück, als heutige Firmenchefs. Der Urgroßvater soll Eisenbahner gewesen sein und Opa Werner, ebenfalls technisch begabt, sich schon vor dem Krieg mit Automobilen beschäftigt haben. "Angefangen hat es am Graben" erinnern sich die Nachkommen.  Die ursprüngliche Adresse lautete Bauerngasse 18/Graben 3. Später ging es in die Krumme Gasse, bevor dann 1976 die heutige, geräumige  Niederlassung in der Dittelbrunner Straße 29  bezogen wurde. In dieser Zeit übernahm Werner Stegners Sohn Wolfgang den Familienbetrieb. Mittlerweile steht die freie, mehrfach ausgezeichnete (und von der Prüfgesellschaft Dekra zertifizierte) Werkstatt auf drei Standbeinen: Unfall-Instandsetzung, Fahrzeuglackierung und den KfZ-Reparaturbetrieb, wo "Bremsen, Räder, Auspuff" auf Vordermann gebracht werden. "Elektroautos reparieren wir auch schon", sagt  Bernd Stegner. "Die Autos werden immer älter", wissen die Inhaber des Karosseriefachbetriebs.  Man biete entsprechend  "zeitwertgerechte Reparaturen" an - als eine der wenigen Werkstätten, die es heute noch innerhalb der Stadt gibt.

Entsprechend wird im Zweifel lieber ausgebeult als ein Neuteil eingebaut, Stichwort "Smart Repair". Für viele Zubehörteile brauche es heutzutage eigene Pläne, sagen die Stegners, vom Lichtsystem bis zum Abstandsradar. Man sei Partnerwerkstatt von allen großen Versicherungen und habe eine eigene Flotte von Leihfahrzeugen, ebenso einen Hol- und Bringerservice für die Kunden. 2014 wurde die Lackieranlage energetisch modernisiert, Marco Zapke hat mittlerweile die technische Betriebsleitung übernommen.  20 Mitarbeiter gehören zur Belegschaft. Stolz ist man auf die Ausbildung von zwei afghanischen Flüchtlingen, Ali und Matin, die 2016 in die Firma gekommen sind. Einer wurde Geselle und als Mechaniker übernommen, auch der zweite Azubi vom Hindukusch hat seine Ausbildung erfolgreich absolviert. Generell sind an der Dittelbrunner Straße qualifizierte Lehrlinge willkommen.

Relikt der "Stunde Null": Die Geschäftszulassung vom Herbst 1945.
Foto: Uwe Eichler | Relikt der "Stunde Null": Die Geschäftszulassung vom Herbst 1945.

Die Auswirkungen der Coronakrise merke man natürlich schon, sagen die Geschäftsführer. Zum Glück sei die Branche ja "systemrelevant". Wie schon in den harten Anfangsjahren gelte die Devise: "Autos müssen fahren." Nichts geändert hat sich 2020 auch am optimistischen Slogan der Traditionsfirma: "Alles wird gut!"

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