Zeilitzheim

"Alles hätte so schön sein können!"

Das Virus wirft auch im beschaulichen Zeilitzheim sämtliche Planungen über den Haufen. Keine Hochzeit und kein Polterabend: Martin Mößlein und Eva Ziegler müssen warten.
Der 04.04.2020 hätte ihr großer Tag werden sollen: Martin Mößlein und Eva Ziegler wollten sich im Kolitzheimer Standesamt das Ja-Wort geben. Aufgrund des Versammlungsverbots mussten sie den Termin jedoch verschieben. Ihren Humor haben sie aber nicht verloren: Mit Mundschutz mit Herz feierten sie 'ihren' Hochzeitstag symbolisch und ganz für sich alleine im Familien-Weingut in Zeilitzheim.
Foto: Dominik Dorsch | Der 04.04.2020 hätte ihr großer Tag werden sollen: Martin Mößlein und Eva Ziegler wollten sich im Kolitzheimer Standesamt das Ja-Wort geben. Aufgrund des Versammlungsverbots mussten sie den Termin jedoch verschieben.

Die Vorbereitungen für die Hochzeit von Martin Mößlein und Eva Ziegler liefen seit einem Jahr auf Hochtouren. Alles war geplant und organisiert für den großen Tag: stilvoll gestaltete Einladungen wurden verschickt, ein vielfältiges Menü ausgewählt und auch das perfekte Outfit hatten die beiden bereits gefunden. Am 4. April wollte sich das Paar im Kolitzheimer Standesamt das Ja-Wort geben und dies anschließend im Weingut der Familie Mößlein in Zeilitzheim mit Freunden und Verwandten gebührend feiern.

Aufgrund der rasanten Ausbreitung des Virus Covid-19 und der damit verbundenen Maßnahmen durch die Regierung Mitte März mussten Martin und Eva die standesamtliche Trauung endgültig verschieben. "Alles hätte so schön sein können!", hadern die beiden mit dem Schicksal. Denn in den Trausälen darf derzeit nur die gesetzlich vorgeschriebene Personenzahl anwesend sein, also der Standesbeamte und das Brautpaar, vielerorts sogar ohne Trauzeugen. 

Die Familien sollen dabei sein 

"Wir wollen unsere Familien in jedem Fall im Standesamt mit dabei haben", erzählt die zukünftige Braut aus Greßthal. "Aktuell haben wir leider noch keinen Ersatztermin." Zum jetzigen Zeitpunkt seien weitere Planungen nicht möglich, so Eva weiter, man müsse zunächst die Entwicklungen der nächsten Wochen abwarten. Ob sich dieses Jahr überhaupt noch feiern lässt, ist ebenfalls völlig offen. Das gilt natürlich auch für die im Sommer terminierte Trauung im Weinberg.

Die Liebe zum Wein hat die zwei im Jahr 2012 zusammengeführt: Martin ist Jungwinzer und lernte Eva vor rund acht Jahren bei einer seiner im weiten Umkreis bekannten und beliebten Planwagenfahrten durch die Zeilitzheimer Weinberge kennen. Bei diesem Ausflug der Greßthaler Korbballerinnen sind sich die heute Verlobten das erste Mal begegnet und es hat direkt gefunkt. Am Abend desselben Tages trafen sie sich auf dem Weinfest in Lindach wieder und lernten sich bei einem Glas Wein besser kennen. Weiter verabredeten sich die beiden auf dem Volkacher Weinfest: Wenn das Lied "Time Of My Life", bekannt aus dem Film "Dirty Dancing", gespielt wird, treffen wir uns vor der Bühne, lautete die Abmachung.

Versetzungsantrag gestellt

Im Hof des Weinguts der Familie Mößlein wurde vor einigen Jahren eine individuelle Sonnenuhr konstruiert, die im Jahreszyklus die wichtigsten Daten der ganzen Familienmitglieder zeigt. Martin Mößlein und Eva Ziegler hatten das Schild mit ihrem Hochzeitsdatum 4. April bereits bestellt und an dieser Stelle hätte es angebracht werden sollen, wäre die Trauung nicht wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden.
Foto: Dominik Dorsch | Im Hof des Weinguts der Familie Mößlein wurde vor einigen Jahren eine individuelle Sonnenuhr konstruiert, die im Jahreszyklus die wichtigsten Daten der ganzen Familienmitglieder zeigt.

Seitdem sind Martin und Eva in jeder Hinsicht ein tolles Team. Eva unterstützt ihren Martin bei der Arbeit in den Weinbergen und im Weingut in Zeilitzheim mit voller Leidenschaft. Allerdings ist sie aktuell rund 120 Kilometer entfernt bei Aschaffenburg als Lehrerin tätig. Eine viel zu große Distanz, was sich ab dem nächsten Schuljahr unbedingt ändern soll: Der Versetzungsantrag ist bereits gestellt. Eine Stunde einfache Fahrzeit würde Eva Ziegler sogar in Kauf nehmen, um gemeinsam mit ihrem zukünftigen Ehemann in Zeilitzheim zu wohnen. Dieser führt das Familienweingut, in das er vor einigen Jahren viel Geld investiert hat. Wie in jedem anderen Familienbetrieb auch wird hier jede helfende Hand dringend gebraucht. Auch deshalb ist der größte Wunsch der beiden, dass sich die Versetzung an eine Schule in der näheren Umgebung trotz verschobener Hochzeit realisieren lässt.

Dann eben drei Hochzeitstage

Zunächst geplatzt ist also der Traum vom großen Polterabend. Eine bekannte Stimmungskapelle aus der Region hätte zünftig aufgespielt. Es hätte ein riesengroßes Fest werden sollen. Anstatt den Tag mit allen Verwandten und Freunden zu feiern, verbrachte das Paar den ursprünglich geplanten Hochzeitstag ganz romantisch zu zweit. Nach einem gemeinsamen Frühstück machten sich die beiden chic, um zumindest für einen Moment das Hochzeits-Feeling zu spüren und einige Bilder als Andenken an diesen außergewöhnlichen Tag zu machen. Bei angenehmem Sonnenschein und rund 15 Grad Celsius startete das Paar am Nachmittag außerdem noch eine Radtour durch die Weinlandschaft.

Der zukünftige Bräutigam kann dem Ganzen aber sogar noch etwas Positives abgewinnen: "Eva und ich haben dann eben drei Hochzeitstage, die wir in Zukunft feiern können", sagte Martin Mößlein im Gespräch. Nicht so schlimm also, falls er mal einen vergessen sollte...

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