Werneck

Alltagsbegleiter: Damit Senioren länger daheim wohnen können

Immer mehr Alltagsbegleiter unterstützen und betreuen alte Menschen in den eigenen vier Wänden. Was diese Mischung aus Hauswirtschaft und leichter Pflege leisten kann.
Froh über die Unterstützung durch ihre Alltagsbegleiterin Inge Steiner (rechts) ist das 97 und 92 Jahre alte Ehepaar Hans und Notburga Dziemballa. Gemeinsam werden hier Pralinen gefertigt.
Foto: Silvia Eidel | Froh über die Unterstützung durch ihre Alltagsbegleiterin Inge Steiner (rechts) ist das 97 und 92 Jahre alte Ehepaar Hans und Notburga Dziemballa. Gemeinsam werden hier Pralinen gefertigt.

Das Gespräch ist wichtig, wenn alte Menschen allein sind. Aber auch die praktische Hilfe im Haushalt, die Organisation von Terminen, die leichte Pflege – die Betreuung im weitesten Sinne. Sogenannte Alltagsbegleiter, die dies alles leisten, können über die Pflegeversicherung finanziert werden. Immer mehr werden gebraucht, ein neues Berufsbild ist entstanden. Bei der Caritas-Sozialstation St. Michael Werneck werden bereits 24 angestellte Alltagsbegleiter an 135 Kunden vermittelt.

Schon an der Gartentür erwartet Hans Dziemballa "seine" Alltagsbegleiterin Inge Steiner. Der 97-Jährige hat Blätter im Garten zusammengerecht, pflegt das große Areal mit Hingabe. Mit seiner 92-jährigen Frau Notburga lebt er allein in seinem Haus in Gernach. Die beiden Söhne mit Familien, die weiter weg wohnen und jedes Wochenende die Eltern besuchen, haben sich wegen einer stundenweisen Alltagsbegleitung an die Sozialstation Werneck gewandt. Denn rund um Gernach gibt es dieses Angebot nicht, aber Inge Steiner wohnt dort. Unterstützung wird für das betagte Paar gebraucht, die Mutter ist leicht dement geworden.

Selbstgemachte Pralinen als Weihnachtsgeschenk

Die 92-Jährige freut sich sichtlich, als "ihr Mädle", wie sie Inge Steiner liebevoll nennt, ins Haus kommt. Die 66-Jährige holt sie aus ihrem Zimmer und führt sie in die Küche. "Heute machen wir Pralinen", schlägt sie vor, als Weihnachtsgeschenk für die Söhne. "Und danach kümmere ich mich um die Bügelwäsche".

Die beiden Alltagsbegleiterinnen Margarete Luntz (links) und Inge Steiner (rechts) besprechen sich in der Caritas-Sozialstation St. Michael in Werneck.
Foto: Silvia Eidel | Die beiden Alltagsbegleiterinnen Margarete Luntz (links) und Inge Steiner (rechts) besprechen sich in der Caritas-Sozialstation St. Michael in Werneck.

Soweit möglich sollen die Kunden bei den Tätigkeiten miteinbezogen werden, sollen ihre Fähigkeiten noch eingefordert werden, weiß Inge Steiner. Sei es, dass sie beim Zusammenlegen der Wäsche helfen oder beim Abspülen.

Der Teig für die Pralinen wird in kleine Kugeln gerollt. Die Seniorin wälzt sie in Schokostreuseln und legt sie in kleine Papierförmchen, die ihr Mann auf einem Blech ausbreitet. Dabei wird viel erzählt und gescherzt. "Die zwei verstehen sich prima", meint Hans Dziemballa, "die Inge tut ihr richtig gut".

Auch der Alltagsbegleiterin gefällt das Beisammensein mit dem Ehepaar. "Das ist immer interessant", meint sie. Und: "Sie sind so dankbar."

Kombination aus Hauswirtschaft und leichter Pflege

Inge Steiner arbeitet seit 2013 in der Alltagsbegleitung der Wernecker Sozialstation. Die Kombination aus Hauswirtschaft, leichter Pflege und Betreuung liegt ihr. Sie war zuvor jahrelang als Schwesternhelferin im Altenheim und im Krankenhaus, jetzt aber sei sie "total glücklich". Sie könne selbstständig arbeiten und entscheiden. Weil sie gerne mit den Kunden, meist älteren Frauen, zusammen ist, arbeitet sie über ihr Rentenalter hinaus als Minijobberin weiter.

Grundsätzlich gilt für die Alltagsbegleiterin: Sie ist nicht ausschließlich für Putzen, Waschen und Kochen zuständig. Wichtiger ist die Betreuung, je nach Bedarf des Kunden: das gemeinsame Spielen, Basteln, ein gemütlicher Kaffeeklatsch oder Spaziergang. Aber auch Hilfe bei Telefonaten, beim Einkaufen oder beim Organisieren von medizinischer Unterstützung. Seelsorgerischer Beistand wird in schwierigen Situationen geleistet.

"Manche Kunden leben alleine, haben niemanden, so dass wir zur Bezugsperson werden", berichtet Inge Steiner. Dort, wo für die Eltern die Kinder sorgen, sind diese froh über eine stundenweise Entlastung.

Dass künftig noch mehr solche Unterstützung gebraucht wird, ist sich Ulrich Buchholz sicher. Der Leiter der Wernecker Caritas-Sozialstation forciert seit acht Jahren das Berufsbild des Alltagsbegleiters. "Sie tragen dazu bei, dass die Menschen länger daheim bleiben können".

Für die Finanzierung kommen mehrere Möglichkeiten infrage, erläutert Bereichsleiterin Christina Hornung. Ab Pflegegrad 1 gibt es den Entlastungbetrag von 125 Euro pro Monat. Je nach Pflegegrad können auch über die Pflegesachleistung Stunden finanziert werden. Zusätzlich gibt es pro Jahr Anspruch auf bis zu 50 Stunden Verhinderungspflege, bei Verhinderung der Pflegeperson. Oder mancher Kunde zahlt auch privat. Die Alltagsbegleiter werden wie Pflegehelfer nach dem Caritas-Tarifvertrag angestellt und bezahlt.

Wünsche ausloten und Finanzierung klären

In der Regel wenden sich die Angehörigen an die Sozialstation, die bei einem Erstgespräch vor Ort die Wünsche auslotet und dann ausrechnet, wie viele Stunden aus welchem Topf finanziert werden können. "Oft kommen schon die Schwestern der Sozialstation zur ambulanten Pflege am Morgen in die Wohnung", weiß Hornung. Was aber häufig nicht reicht.

Margarete Luntz war vor acht Jahren eine der ersten Alltagsbegleiterinnen in Werneck. 25 Stunden die Woche ist sie für ihre aktuell fünf Kunden da. "Die meisten hier arbeiten zwischen zehn und 25 Stunden", sagt die 58-jährige, die weiß, dass Lebenserfahrung in dem Job hilfreich ist. Die gelernte Friseurin hatte selbst jahrelang ihre Schwiegermutter gepflegt, suchte eine neue Arbeitsmöglichkeit. Jetzt ist sie sehr zufrieden.

"Ganz wichtig ist, dass die Chemie zwischen dem Kunden und mir stimmt", weiß sie. Darauf könne sich das Vertrauen aufbauen, das häufig echte Beziehungen entstehen lasse. Im Zweifelsfall habe sie aber die Möglichkeit, den Kunden zu wechseln.

Margarete Luntz weiß, wie schön es für die alten Menschen ist, einen Zuhörer zu haben. "Die freuen sich so, wenn man sich um sie kümmert, da kommt so viel zurück".

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