Schweinfurt

Angst um Arbeitsplatz: Schweinfurter Metaller gehen auf die Straße

In Schweinfurt hängen viele Jobs direkt oder indirekt an der Autoindustrie. Aber wie sicher sind die Stellen angesichts Automatisierung und Elektrifizierung?
Protestaktion für sichere Jobs: Tausende Beschäftigte der großen Metallbetriebe gingen dafür am Mittwoch in Schweinfurt auf die Straße.
Foto: Anand Anders | Protestaktion für sichere Jobs: Tausende Beschäftigte der großen Metallbetriebe gingen dafür am Mittwoch in Schweinfurt auf die Straße.

"Sicherheit in unsicheren Zeiten." Das war am Mittwochmorgen die zentrale Forderung von 3500 Beschäftigten der großen Schweinfurter Metallbetriebe bei der halbstündigen Protestaktion an der Hahnenhügelbrücke. Die IG Metall warnte die Arbeitgeber eindringlich davor, nach neun Jahren Hochkonjunktur mit Sonderschichten und guten Gewinnen derzeitige Auftragsschwächen für Personalabbau und Stellenverlagerungen zu nutzen. 

Schweinfurts IG-Metall-Chef Peter Kippes sowie die Betriebsratsvorsitzenden von SKF, Schaeffler, ZF und Bosch-Rexroth forderten, in zukunftsträchtige Technologien zu investieren und tausende gut bezahlte Industriearbeitsplätze in Schweinfurt zu halten.

Kampf gegen Verlagerungen

"Wir wollen und können die Transformation nicht aufhalten", sagte Kippes mit Blick auf zunehmende Automatisierung und den Wandel der Mobilität. "Aber was wir heute für die Welt produzieren, muss auch morgen noch aus Schweinfurt kommen." Und: Umweltfragen und gute Arbeitsplätze dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden. "Ich kann nicht versprechen, dass alles so bleibt, wie es ist", so der IG-Metall-Chef, "aber dass wir uns dafür stark machen, dass die Zukunft nicht ohne uns gestaltet wird".

Das regionale Protest-Motto: 'Gemeinsam stark für die Region.'
Foto: Anand Anders | Das regionale Protest-Motto: "Gemeinsam stark für die Region."

"Wir kämpfen derzeit bei SKF an allen Ecken und Enden gegen Personalabbau und Verlagerungen nach China", sagte der SKF-Betriebsratsvorsitzende Norbert Völkl, "wir wollen den Standort sichern". Auch Schaeffler sei von Verlagerungen und Kurzarbeit betroffen, so der stellvertretende Betriebsratschef Jürgen Schenk. Man sei zu Gesprächen bereit, nicht aber zu Abweichungen vom Tarifvertrag, um die Bilanz für den Vorstand zu schmücken.

"Nach zehn Jahren  Champagnerlaune", in denen das Unternehmen gutes Geld verdient habe, komme jetzt eine schwierigere Phase, so der ZF-Betriebsratsvorsitzende Oliver Moll. "Und schon soll die Belegschaft den Geldbeutel aufmachen?" Er forderte sichere Arbeitsplätze und "Investitionen in Produkte der Zukunft".

Vor fünf Jahren habe der Arbeitgeber "unsere Firma fast an die Wand gefahren", sagte Sebastian Schierling, Betriebsratschef bei Bosch-Rexroth in Schweinfurt. Maßnahmen auf Initiative der Belegschaft hätten den Standort gesichert. Nun seien weitere Investitionen nötig, die der Betrieb aber zurückhalte. Wer so verfahre und den Beschäftigten vorwerfe, sie "brennen nicht genug" für den Betrieb, stoße zurecht auf Protest. 

Laut werden für den Arbeitsplatz – mit der Trillerpfeife.
Foto: Anand Anders | Laut werden für den Arbeitsplatz – mit der Trillerpfeife.

Keine betriebsbedingten Kündigungen, die Übernahme der Azubis, keine Abstriche am Tarifvertrag verlangen die Metaller. Ferner ein schlüssiges Konzept zur Stärkung der Werke statt den Rotstift anzusetzen – und keine Verlagerungen in Niedriglohnländer.

Schweinfurter Kern ist die Industrie

Gut bezahlte Arbeitsplätze in Schweinfurt zu halten, daran müsse auch die kommunale und überregionale Politik interessiert sein, sagte der DGB-Regionsvorsitzende Frank Firsching: Wenn auf dem Ortsschild der Stadt Schweinfurt auch "Hochschulstadt" stehe, so sei deren Kern doch die Industrie mit ihren 20 000 gut bezahlten Arbeitsplätzen. Deren Kaufkraft sei wichtig für den Handel und den Wohlstand der ganzen Region.

An der halbstündigen Protestaktion hatten sich auch Beschäftigte des Bosch-Rexroth-Werkes in Volkach und von Preh in Bad Neustadt beteiligt. Die IG Metall warnte schon mal: Sollten die Arbeitgeber die derzeitige Lage zum Stellenabbau nutzen wollen, werde dieser Protest nicht der einzige bleiben.

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Schweinfurt und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Themen & Autoren
Schweinfurt
Stefan Sauer
Arbeitgeber
Arbeitsplätze
Arbeitsstellen
Betriebsratsvorsitzende
Bosch Rexroth AG
Firmenmitarbeiter
Frank Firsching
IG Metall
Industrie
Industriearbeitsplätze
Personalabbau
Preh
Stadt Schweinfurt
Tarifverträge
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (2)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!