Schweinfurt

Anklage: BMW-Fahrer lieferten sich in Schweinfurt Autorennen

Am 14. Februar 2019 hat es auf der Niederwerrner Straße gewaltig gekracht. Schlimmer Unfall, weil zwei Raser ihre Kräfte messen wollten?
Vor dem Schweinfurter Amtsgericht mussten sich ein 23-Jähriger und ein 30-Jähriger verantworten. Der Vorwurf: sie wären ein Autorennen gefahren.
Foto: Horst Breunig | Vor dem Schweinfurter Amtsgericht mussten sich ein 23-Jähriger und ein 30-Jähriger verantworten. Der Vorwurf: sie wären ein Autorennen gefahren.

Der schwarze BMW hat 180 PS unter der Haube, der weiße BMW/M5 bringt es auf 560 PS. An einem Nachmittag im Februar letzten Jahres brettert das dunkle Fahrzeug mit ordentlicher Geschwindigkeit, vom Obertor kommend, auf der Niederwerrner Straße stadtauswärts, gefolgt von dem weißen BMW, dessen Motor gewaltig dröhnt, dessen Hinterreifen plötzlich durchdrehen und qualmen. Der schwarze BMW schafft die Kreuzung noch und ist weg. Der Fahrer des weißen Wagens verliert die Kontrolle über sein Gefährt, das Heck bricht aus, schleudert auf die Gegenfahrbahn.

Der 30-jährige Fahrer des 560-PS-Wagens beschädigt bis zum Stillstand seines Wagens drei weitere Autos – einen Audi, einen Mercedes und einen VW. Fremdschaden insgesamt: über 52 000 Euro. Der Audi ist komplett Schrott. Vier Personen werden teils erheblich verletzt. Rettungskräfte, Polizei und Abschlepper haben auf diesem Teil der Niederwerrner Straße, der komplett gesperrt ist, gut und länger zu tun. "Das war schon ein Riesenszenario", erinnert sich eine Polizistin, die damals zum Einsatzort gerufen wurde.

Dieses "Riesenszenario" sollen die beiden Männer zu verantworten haben, die nun vor dem Amtsrichter sitzen. Der Vorwurf des Staatsanwalts an beide lautet, sie hätten sich ein verbotenes Kraftfahrzeugrennen geliefert und so den Verkehr gefährdet. Der 30-jährige Fahrer des weißen BMW muss sich darüber hinaus wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten und der des schwarzen Wagens wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort.

Anwälte: Es gab kein Rennen

Beide weisen über ihre Anwälte entschieden zurück, sich ein Rennen geliefert zu haben. Dafür gebe es keine Beweise, es habe zu so einem Vorhaben auch keine Absprache gegeben. Die beiden hätten sich nicht gekannt, auf der einspurigen Straße sei an dieser Stelle ein Wettrennen gar nicht möglich. "Hätten sie das vorgehabt", so der Anwalt des 30-Jährigen, wäre die Strecke auf Höhe der Ledward-Kaserne Richtung Stadion, wo sie zweispurig wird, deutlich besser geeignet gewesen.

Tatsächlich hat der Sachverständige für Straßenverkehrsunfälle beim Unfall-Wagen eine Geschwindigkeit zwischen 80 und 105 km/h ermittelt. Deutlich über den erlaubten 50, aber doch kein Rasertempo, mit dem man ein Wettrennen verbinden könnte. Der Staatsanwalt sieht das unerlaubte Fahrzeugrennen als erwiesen an, verlangt für den Unfallfahrer eine achtmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung, eine Geldstrafe von 2700 Euro und ein weiteres Jahr Führerscheinsperre. Für den 23-Jährigen beantragt der Staatsanwalt eine fünfmonatige Freiheitsstrafe für das Fahrzeugrennen und die unerlaubte Entfernung vom Unfallort.

"Es war ein Fahrfehler"

"Ja, er hat vor den Ampel zu schnell beschleunigt, er hat einen Fahrfehler gemacht", sagt der Anwalt des 30-Jährigen, "aber er ist kein Rennen gefahren." Wie hätte hier auch eine "Siegerermittlung" stattfinden können? Der Anwalt hält eine Gefährdung des Straßenverkehrs und fahrlässige Körperverletzung in vier Fällen für gegeben und eine Geldstrafe von 70 Tagessätzen à 60 Euro sowie einen weiteren Entzug der Fahrerlaubnis von höchstens drei Monaten für ausreichend.

Der Verteidiger des 23-Jährigen plädiert auf Freispruch. Sein Mandant habe an keinem Fahrzeugrennen teilgenommen, er sei an dem Unfall des 30-Jährigen nicht beteiligt gewesen und deshalb auch nicht schuldig einer Unfallflucht.

Freispruch für 23-Jährigen

Der Amtsrichter folgt mit seiner Entscheidung den Verteidigern. Auch er war nach zweitägiger Verhandlung nicht überzeugt, dass hier ein verbotenes Kfz-Rennen ausgetragen wurde. Der eine sei schneller als erlaubt gefahren, der andere mit dem weißen BMW viel schneller als erlaubt und habe den Unfall gebaut. Diesen verurteilt der Richter wegen Straßenverkehrsgefährdung und vierfacher fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstraße von 125 Tagessätzen à 70 Euro und verfügt eine weitere Führerscheinsperrfrist von sechs Monaten.

Den 23-Jährigen spricht der Vorsitzende frei, auch die Kosten seines Verfahrens trägt die Staatskasse. Für die Zeit der Führerscheineinziehung sei er zu entschädigen.

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