Schweinfurt

Arbeitsmarkt hält dem Lockdown weiter stand

Kurzarbeit ist weiter die erste Wahl, wenn es um den Erhalt von Arbeitsplätzen geht. Die Arbeitslosenquote ist stabil, aber allzu lange sollte die Pandemie nicht mehr dauern. 
Die Pandemie ist alles andere als ein Spiel, dennoch erweist sich das Instrument der Kurzarbeit weiterhin als Joker, wenn es darum geht, beim Kampf um den Erhalt von Arbeitsplätzen zu punkten.
Foto: dpa/Patrick Pleul | Die Pandemie ist alles andere als ein Spiel, dennoch erweist sich das Instrument der Kurzarbeit weiterhin als Joker, wenn es darum geht, beim Kampf um den Erhalt von Arbeitsplätzen zu punkten.

Der Arbeitsmarkt ist kaum in Bewegung, die Kurzarbeiterzahlen steigen weiter. So lässt sich die aktuelle Situation am Arbeitsmarkt der Region Main-Rhön zusammenfassen. Der Arbeitsmarkt trotzt dem zweiten Lockdown, der sich im Februar nicht negativ auf die regionalen Arbeitslosenzahlen ausgewirkt hat. Im Februar waren 9370 Menschen arbeitslos gemeldet, 130 oder 1,4 Prozent weniger als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote sank, wenn auch nur geringfügig von 3,8 Prozent (Januar) auf nun 3,7 Prozent.

Neue Arbeitsaufnahmen waren insbesondere in saisonal geprägten Branchen wie dem Garten- und Landschaftsbau zu beobachten. "Aufgrund der Pandemie-Einschränkungen im Hotel- und Gaststättengewerbe wurden aber die in dieser Branche jahreszeitüblichen Wiedereinstellungen noch nicht realisiert“, erläutert Thomas Stelzer, Leiter der Agentur für Arbeit Schweinfurt im Arbeitsmarktbericht für Februar.

"Der seit November andauernde Lockdown bewirkt eine erneute Zunahme der Kurzarbeit auf dem regionalen Arbeitsmarkt. Solange der anhält, bleibt die Arbeitsmarktentwicklung gespalten. Schwerpunktmäßig sind das Dienstleistungsgewerbe, mit den Tourismus-, Unterhaltungs- sowie den Hotel- und Gaststätten-Branchen, durch die Pandemie stark beeinträchtigt. Die ansässige Industrie zeigt sich dagegen weiter robust“, teilt Stelzer mit.

Geringqualifizierte finden schlechter einen neuen Job 

Gegenüber Februar 2020, also noch vor Corona, sei eine deutliche Veränderung zu beobachten. Damals wurden 8210 Arbeitslose gezählt, die Quote lag bei 3,3 Prozent. Auffällig sei, dass infolge der Krise vor allem geringqualifizierte Arbeitslose Schwierigkeiten haben, zeitnah neue Arbeit zu finden. „Es kristallisiert sich heraus, dass Arbeitnehmer, die aktuell arbeitslos werden, es schwerer haben, wieder in Beschäftigung zu kommen. Ursachen dafür sind, dass viele Betriebe sich in Kurzarbeit befinden, die Einschränkungen durch die Pandemie und die strukturellen Veränderungen, besonders in der Fertigung. Aus diesen Gründen ist für den Einzelnen das Risiko langzeitarbeitslos zu werden deutlich gestiegen“, so Stelzer.

Trotz des zweiten Lockdowns halten die meisten Betriebe an ihren Beschäftigten fest. Im Februar gingen im Agenturbezirk 2954 Anzeigen der Betriebe auf Kurzarbeit für 38 574 Personen ein. Im Vergleich zum Januar war dies ein Zuwachs von 160 Betrieben mit 1404 Personen, heißt es im Arbeitsmarktbericht. „Auch, wenn die Kurzarbeit in der Region stark gestiegen ist, hat sie das Niveau vom Frühjahr 2020 nicht erreicht.

Viele große Fertigungsbetriebe sind in Vollbeschäftigung übergegangen. Andererseits sind durch die Pandemie viele Klein- und Kleinstbetriebe und Handelsbetriebe in ihrer Existenz bedroht", so Stelzer. „Wie im Frühjahr 2020, sind im Februar 2021 besonders die Dienstleistungen, wie zum Beispiel Friseur- und Kosmetiksalons, aber auch Einzelhandel, Kultureinrichtungen, Hotel- und Gaststätten und die Touristik von Kurzarbeit betroffen. Aktuell besteht die Hoffnung, dass die durch Kurzarbeit erhalten gebliebenen, gut ausgebildeten und eingearbeiteten Fachkräfte, wieder zum Einsatz kommen“, kommentiert Stelzer.

Und wie sind die Aussichten? 

Der Arbeitsmarkt hält dem zweiten Lockdown weiter stand. Die Entlassungszahlen hielten sich in Grenzen. Mit Blick auf mögliche Lockerungen und mehr Impfungen seien die Arbeitsagenturen in ihren Einschätzungen zur Arbeitsmarktentwicklung wieder optimistischer geworden, heißt es im aktuellen Arbeitsmarktbericht. Über der wirtschaftlichen Entwicklung schwebe aber weiter das Risiko einer steigenden Infektionsdynamik.

Für die Frage, wie sich die Wirtschaft in den nächsten Monaten entwickle, sei ganz entscheidend, wie rasch man die Pandemie überwinde. Der zweite pandemiebedingte Zwangsstillstand in der Region bremse ganze Branchen aus, der Handel befinde sich im Krisenmodus. Maßgeblich für die Stabilisierung der heimischen Wirtschaft werde sein, dass die Strukturen der Unternehmen erhalten bleiben. Die Kurzarbeit sei bislang das wirksamste Arbeitsmarktinstrument für die Unternehmen, bewertet Stelzer die Lage.

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