Schweinfurt

Chancengleichheit für Frauen: Das Ziel ist noch nicht erreicht

An der Gleichstellung von Frauen und Männern muss weiter gearbeitet werden. Das ist mehrheitlich Konsens im Kreistag. Nur die AfD lehnt die Gleichstellungsstelle im Landratsamt ab.
Trügerisches Bild: Auch wenn hier nur ein Mann unter weiblichen Bundestagsabgeordneten sitzt, Frauen sind nach wie vor in den Parlamenten unterrepräsentiert. 
Foto: Daniel Naupold | Trügerisches Bild: Auch wenn hier nur ein Mann unter weiblichen Bundestagsabgeordneten sitzt, Frauen sind nach wie vor in den Parlamenten unterrepräsentiert. 

Ute Suckfüll ist seit Dezember 1999 die Leiterin der Gleichstellungsstelle des Landkreises Schweinfurt. Deren Aufgabe ist es, die Situation von Frauen zu verbessern, die Chancengleichheit von Frauen und Männern zu sichern und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Wie wichtig diese Einrichtung ist, zeigte der Jahresbericht von Ute Suckfüll bei der Sitzung des Kreistags, die pandemiebedingt in der Kulturhalle in Grafenrheinfeld stattfand. Gerade auch diese Pandemie zeige deutlich die Lebenswirklichkeit der Frauen. "Natürlich leiden Männer und Frauen unter dieser Krise, aber ihre ökonomischen und sozialen Folgen treffen Frauen fast immer härter", sagte Suckfüll.

Der Jahresbericht belegte daher ein vielfältiges Aufgabenspektrum. Es beginnt damit, Frauen in allen Bereichen des Lebens erst einmal sichtbar zu machen und reicht über Hilfs- und Förderangebote bis hin zum Knüpfen von Netzwerken. Suckfüll erinnerte unter anderem an eine Veranstaltung zum Internationalen Frauentag mit dem Fokus auf 100 Jahre Frauenwahlrecht, an die Ausstellung "Die Mütter des Grundgesetzes" im Landratsamt und an die Angebote zur Förderung von Frauen in der Kommunalpolitik. Letzteres ist umso wichtiger, weil Frauen nach wie vor in den Parlamenten unterrepräsentiert sind.

Das Ergebnis der Kommunalwahl stimmt die Gleichstellungsbeauftragte nun "leicht zuversichtlich". Denn der Frauenanteil in den 29 Gemeindeparlamenten hat sich von rund 21 auf 25 Prozent gesteigert. Dahingegen ist im Kreistag ein Abwärtstrend zu verzeichnen. Von den 60 Sitzen konnten sich nur 20 Frauen einen sichern. Im Wahljahr 2014 waren es 22. Suckfüll appellierte an die Parteien und Wählervereinigungen, für mehr Frauen als Mitglieder zu werben und nicht auf deren Potenzial zu verzichten.        

Frauenanteil in Führungspositionen erhöhen

Viel zu tun gibt es auch noch bei der beruflichen Gleichstellung von Frauen. Mit der Erfolgswerkstatt Schweinfurter Land wurde ein Unterstützungsnetzwerk geschaffen, dessen Ziel die Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen und mehr Familienorientierung in der Arbeitswelt ist. Zum Netzwerk gehört auch die Initiative familienorientierte Personalpolitik, die Unternehmen bei der Umsetzung von familienorientierten Arbeitsformen unterstützt.   

Ein wichtiges Aufgabengebiet der Gleichstellungsbeauftragten ist die Gewalt, sowohl die häusliche, körperliche, seelische als auch sexualisierte Gewalt. Jeder dritte Frau sei davon betroffen, sagte Suckfüll. In der Gleichstellungsstelle im Landratsamt erhalten Betroffene Beratungs- und Hilfsangebote. Außerdem wird die Arbeit der regionalen Beratungsstellen unterstützt und mit eigenen Aktionen auf das Thema aufmerksam gemacht.

Großes Lob von den Fraktionen

Großes Lob gab es von den Fraktionen für die Arbeit der Gleichstellungsbeauftragten. CSU-Sprecherin Gabriele Jakob sieht sowohl die Politik als auch die freie Wirtschaft in der Pflicht, um mehr Gleichstellung für Frauen herzustellen. So müssten alte Verhaltensmuster aufgebrochen und auch mehr Männer ehrenamtliche Arbeit von Frauen übernehmen, um diesen mehr Zeit für politisches Engagement zu verschaffen. Martina Braum (SPD) sieht in den öffentlichen Verwaltung noch viel Handlungsbedarf und würdigte die Gleichstellungsbeauftragte als Vorbild.

Irmgard Krammer (Freie Wähler) unterstrich die Wichtigkeit dieser Einrichtung, der viele Fortschritte und Erfolge zu verdanken seien. Grünen-Sprecherin Birgit Schmitt sieht die Arbeit der Gleichstellungsbeauftragten aufgrund des Mitspracherechts der AfD in den Parlamenten und deren Forderung nach Abschaffung von Quoten wichtiger denn je. "Wir müssen uns für eine paritätische Besetzung der Gremien einsetzen", appellierte sie an die Politik. Und bis das erreicht sei, brauche man die Gleichstellungsbeauftragte.         

Einzig AfD-Sprecher Bernd Schuhmann stellte die Notwendigkeit der Gleichstellungsbeauftragten in Frage. Er sieht in der Gleichstellung eine Stigmatisierung der Geschlechterrolle und setzt sie sogar mit einer "Gleichschaltung" gleich. Auch ließ er anklingen, dass mit der Einrichtung der Gleichstellungsstelle im Landratsamt einer Ideologie Vorschub geleistet werde. Das wies Landrat Florian Töpper in aller Schärfe zurück. Ebenso die Behauptung Schuhmanns, eine Chancengleichheit für Frauen sei weitgehend schon erzielt. Töpper: "Wir sind noch lange nicht da angelangt, wo wir sein müssten."     

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