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Corona-Hotspot Schweinfurt: Welche Rolle spielt die Großindustrie?

Schweinfurt hat so viele Arbeitsplätze wie Einwohner – rund 54 000, die Hälfte davon in der Industrie. Spielt das beim Infektionsgeschehen eine Rolle? Eine Spurensuche.
Masken am Arbeitsplatz – das gilt in vielen Unternehmen dann, wenn Abstände nicht eingehalten werden können. Unser Bild entstand bei ZF in Friedrichshafen.
Foto: Felix Kästle/dpa | Masken am Arbeitsplatz – das gilt in vielen Unternehmen dann, wenn Abstände nicht eingehalten werden können. Unser Bild entstand bei ZF in Friedrichshafen.

Über Wochen hatten die Stadt und der Landkreis Schweinfurt hohe Inzidenzen wie kein anderer Raum in Unterfranken. Inzwischen liegt der Wert wieder unter 200, auch wenn er schwankt. Am Montag lag die Inzidenz – also die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100 000 Einwohnern – laut Robert-Koch-Institut in der Stadt bei 147,9 (Vortag: 132,9) und bei 136 im Landkreis (123,89). Hat Schweinfurt trotz der Schwankungen nach unten und oben die Trendwende gepackt? Das wird sich vermutlich erst in den nächsten Tagen zeigen. Trotzdem bleibt eine Frage: Woher kam die hohe Inzidenz in Stadt und Landkreis?

Beschäftigt hat sie in den vergangenen Wochen viele. Schon am 18. Oktober zogen Landkreis und Stadt die Bremse; damals noch unter einer Inzidenz von 100. Verschärfte Regeln und Kontaktbeschränkungen wurden erlassen – und doch stiegen die Zahlen weiter, knackten bald sogar die Marke von 200. Warum? Eine eindeutige Antwort darauf gibt es bisher nicht. Wie das Gesundheitsamt Schweinfurt immer betont, ist das Infektionsgeschehen diffus. Es gibt also keine eindeutigen Hotspots, das Virus ist in der Breite angekommen, quasi überall. In 50 Prozent der Fälle, so das Gesundheitsamt auf Nachfrage der Redaktion, könne man nicht rekonstruieren, wo sich die positiv Getesteten angesteckt hätten. Bundesweit spricht man von 75 Prozent der Fälle und davon, dass sich die Menschen hauptsächlich im privaten Bereich anstecken.

Eine echte Antwort? Nicht ganz. Schließlich bleibt vieles dabei im Dunkeln. Menschen treffen sich nicht nur in der Freizeit, sie treffen sich in Schulen, in Kindergärten, Einrichtungen, in Geschäften  und schließlich am Arbeitsplatz. Doch bis auf die Berichte von großen Ausbrüchen in bekannten Betrieben in der ersten Welle der Pandemie herrscht zu diesem Thema heute großes Schweigen.

Welche Rolle spielt Schweinfurts Industrie, die schließlich rund die Hälfte der Arbeitsplätze ausmacht? Um die 54 000 Jobs gibt es in Schweinfurt, in etwa so viele wie Einwohner. Können die Arbeitgeber wirklich ausschließen, dass sich hier Menschen infizieren? Wie weit geht man in Sachen Sicherheit und wie sehen die Konzepte aus? Wir haben bei den fünf größten Arbeitgebern im Schweinfurter Raum – ZF, Schaeffler, SKF, Bosch Rexroth und Fresenius Medical Care – nachgefragt und teils erstaunlich offene Antworten bekommen.

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Der Tenor: in allen Betrieben gibt es nach Auskunft der Pressestellen ausgefeilte Hygienekonzepte und Schutzmaßnahmen, die konsequent um- und durchgesetzt werden. Der Schutz der Mitarbeiter wird an erster Stelle genannt, auch die große Bereitschaft der Arbeitnehmer, dabei mitzuziehen. Schlussendlich sichern die Unternehmen aber auch die Produktion. Wer Ausbrüche verhindert, kann weiterarbeiten.

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Die Auswirkungen der Pandemie sind spürbar, bei einigen auch in Form von Kurzarbeit oder angekündigtem Stellenabbau wie bei SKF, ZF oder Schaeffler. Wo möglich haben die Unternehmen Mitarbeiter in Homeoffice geschickt, die Büros und Kantinen sind ausgedünnt, vieles findet nur noch virtuell statt. Und doch gibt es immer wieder Ausfälle durch Erkrankte, sind Mitarbeiter in Quarantäne, müssen Krisenstäbe Konzepte weiter ausfeilen.

Doch Ausbrüche in den Unternehmen, so die Antworten, gab es bisher nicht. Einzelne Infektionen, aber keine Gruppen, die sich gegenseitig angesteckt hatten. Alle Betriebe stehen in engem Kontakt mit dem Gesundheitsamt Schweinfurt, heißt es. Auch das ist auf die Frage, ob der Arbeitsplatz nicht einer von möglichen Infektionsquellen ist, offen: "Der Arbeitsplatz stellt in den Fällen, in denen die Ansteckungsquelle nicht ermittelt werden kann, eine von zahlreichen plausiblen Möglichkeiten dar." Ausgeschlossen wird nichts.

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