Schweinfurt

Corona: Keine Zunahme von Gewalt gegen Kinder

Der coronabedingte Rückzug ins Private hat zu keiner Zunahme der Gewalt gegen Kinder geführt. Auch eine weitere Befürchtung des Jugendamts trat nicht ein.
Die Befürchtung des Jugendamts blieb aus: Nach den Daten der Behörde hat während des Lockdowns in der Covid-19-Pandemie die Gewalt gegen Kinder im Landkreis Schweinfurt nicht zugenommen.
Foto: Sven Braun/dpa | Die Befürchtung des Jugendamts blieb aus: Nach den Daten der Behörde hat während des Lockdowns in der Covid-19-Pandemie die Gewalt gegen Kinder im Landkreis Schweinfurt nicht zugenommen.

Der zeitweise massive Rückgang des öffentlichen Lebens während der Covid-19-Pandemie und der Rückzug ins Privatleben hat nicht dazu geführt, dass es vermehrt zu häuslicher Gewalt gegen Kinder und Jugendlichen gekommen ist. Das ist die Bilanz, die Jugendamtsleiter Udo Schmitt für den Landkreis Schweinfurt zog. Zumindest verzeichnete sein umfassender Bericht, den er in Auszügen dem Jugendhilfeausschuss des Kreistag vortrug, keine ansteigenden Zahlen bei der Hilfe zur Erziehung. Wie Schmitt sagte, habe das Amt während des Lockdowns, in dem auch die externe Betreuung von Familien reduziert werden musste, eine Zunahme problematischer Fälle erwartet, die jedoch nicht eingetreten sei.

Ankerzentrum: Keine Zunahme bei Jugendkriminalität

Eine weitere Befürchtung des Jugendamts sei ebenfalls keine Realität geworden. Aufgrund der Erfahrungen der Stadt Schweinfurt sei mit dem Umzug der 800 Flüchtlinge des Anker-Zentrums von der Stadt in die Conn-Barracks auf Landkreisgebiet im Sommer 2019 davon auszugehen gewesen, dass die Jugendkriminalität steigt: "Die befürchtete Fallzahlensteigerung für das Aufgabenfeld der Jugendgerichtshilfe blieb aus", heißt es im Bericht. Die Strafanzeigen in diesem Bereich im vergangenen Jahr beträfen 74 Prozent Jugendliche und junge Erwachsene mit deutschem Pass; 2018 waren es 76,7 Prozent. Allerdings sei die Bearbeitung von Strafanzeigen und Unterstützungsleistungen für Flüchtlinge unter anderem wegen der Sprachbarriere und eingeschränkter Möglichkeiten von Geldbußen oder Arbeitsauflagen aufwändiger.

Letzteres mahnte Kreisrätin Martina Gießübel (CSU) an. Wie die Leiterin des Bereichs "Soziale Dienste 2", Daniela Haupt, sagte, schieden Arbeitsauflagen unter anderem auch wegen fehlender Mobilität der Betroffenen aus. Man Suche aber für jeden Einzelfall nach Möglichkeiten für Arbeitseinsätze auf dem Gelände des Ankerzentrums.

Ein Drittel des Etats für stationäre Betreuung

Ein Trend, den Schmitt bereits in den vergangenen Jahren benannt hat, nimmt weiter zu: Die Fälle, in denen Kinder und Jugendliche stationär untergebracht werden müssen, werden immer komplexer. Mit 29 sei die Fallzahl zwar konstant, jedoch nähmen die Kosten deutlich zu. 2,4 Millionen Euro brachte der Landkreis 2019 dafür auf, etwa ein Drittel des Gesamtetats der Jugendhilfe. Daher bevorzuge das Amt statt stationärer Unterbringung die Betreuung von Kindern in Pflegefamilien: 22 Haushalte stehen dafür im Landkreis bereit.

Jugendsozialarbeit an Schulen stagniert

Schmitts Bericht listet einen ganzen Katalog von Präventions- und Hilfsangeboten für Familien auf. Eines davon ist die Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS), die inzwischen an 16 Einrichtungen im Landkreis oder in dessen Zuständigkeit angeboten wird. Das Jugendamt plant laut Schmitt, sie weiter auszudehnen, allerdings habe es für das zu Ende gegangenen Schuljahr keine Mittel des Freistaats gegeben. Erst zu Jahresbeginn 2021 rechnet Schmitt mit neuen Fördermöglichkeiten.

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