Schweinfurt

Corona-Krise in den Pflegeheimen: Heftige Kritik vom Schweinfurter Diakoniechef

In einem Video an die Beschäftigten klagt der Schweinfurter Diakoniechef, Pflegeheime lasse man gerade "medizinisch am ausgestreckten Arm verhungern". Wie meint er das?
Diakoniechef Jochen Keßler-Rosa: 'Medizinisch lässt man uns am ausgestreckten Arm verhungern.'
Foto: Anand Anders | Diakoniechef Jochen Keßler-Rosa: "Medizinisch lässt man uns am ausgestreckten Arm verhungern."

An seine "lieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter" in den Pflegeheimen und- diensten hat der Schweinfurter Diakoniechef Jochen Keßler-Rosa eine Videobotschaft verfasst, deren Inhalt dieser Redaktion vorliegt. Darin heißt es: "Ich ergreife Partei und, ehrlich gesagt, mit Wut im Bauch." Pflegeheime mit ihren Bewohner/innen und Pflegekräften seien etwas Besonderes, "nicht nur jetzt, aber gerade auch jetzt".

Tagelang keine Arztbesuche

Der Diakoniechef spricht Klartext: "Pflegerisch macht uns keiner etwas vor, aber medizinisch lässt man uns am ausgestreckten Arm verhungern. Schutzartikel kommen erst ausreichend, wenn der Erste positiv getestet ist, Arztbesuche gibt es oft tagelang nicht, aber aus den Kliniken sollen wir Patienten aufnehmen, nicht selten ungetestet. Jeden Tag Anrufe von Menschen, die zuhause nicht mehr versorgt werden können, und dann immer wieder Vorwürfe und Schuldzuweisungen, die wir schlucken müssen. Ich habe das Gefühl, viele denken, mit uns kann man es machen."

Das gehe so nicht weiter. Pflegebedürftige und Pflegekräfte brauchten jetzt Taten. "Ich fordere ab sofort eine umfassende medizinische Betreuung von Pflegeheimen, also Ärztinnen und Ärzte, die für Bewohnerinnen und Bewohner wirklich da sind", so Keßler-Rosa. "Die bestmögliche Pflege machen wir ja. Die Corona-Fachleute sprechen von den großen Risiken für Pflegeheime, der Virus ist in vielen Heimen angekommen. Worauf sollen wir denn noch warten?!"

Hören die Richtigen zu?

Keßler-Rosa fordert "ab sofort mehr Unterstützung für die Pflege". Jetzt fehlten die Angehörigen und Ehrenamtlichen, die gerne kommen würden. Diese seien eingerechnet in den Pflegesätzen, denn eine Vollversorgung habe die Pflegekasse immer abgelehnt. Und: "Über die Löhne und Gehälter reden wir bei nächster Gelegenheit." Er hoffe, dass "die Richtigen" zuhören und sich mit den Pflegenden "gemeinsam auf einen besseren Weg" machten.

Wer aber sind die Richtigen, wen meint Keßler-Rosa? Das sei ein Teil des Problems, sagt er auf Nachfrage: "Ich weiß nicht, an wen ich mich wenden soll, damit Ärzte in unser Haus kommen: Söder? Den Krisenstab? Die öffentliche Hand? Die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB)?" Deshalb bleibe er in seiner Botschaft an die Beschäftigten bezüglich des oder der Adressaten seiner Forderungen auch allgemein. Die Pflegeheime brauchten jetzt auch Ärzte, die nicht noch eine volle Praxis zuhause hätten. "Da wird doch die KVB eine Idee haben, wie das gelöst werden kann."

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