Schweinfurt

Rentner aus Wasserlosen ist sauer: Sozial engagiert und trotzdem kein Impfangebot

Rentner im "Unruhe-Stand" sind eine Säule der Ehrenamtlichkeit. Wer hilft, hat Kontakt und kann sich anstecken. Wie diese Menschen zu einem schnellen Impfangebot kommen.   
Kinder, Jugendliche und viele, die in Fördereinrichtungen lernen oder arbeiten (Symbolbild) , werden von Fahrdiensten in ihre Schule oder Werkstätten gebracht. Die Fahrerinnen und Fahrer sind häufig aktive Rentner, die sich hier engagieren. Um dieser Personengruppe ein möglichst zeitnahes Impfangebot machen zu können ist es wichtig, das sie von der Einrichtung, für die sie arbeiten, als Mitarbeiter angegeben werden.
Foto: dpa/Fredrik von Erichsen | Kinder, Jugendliche und viele, die in Fördereinrichtungen lernen oder arbeiten (Symbolbild) , werden von Fahrdiensten in ihre Schule oder Werkstätten gebracht.

Klaus-Peter Achterrath ist sauer. Der 67-Jährige aus Wasserlosen, der sich ehrenamtlich und sozial engagiert, versteht nicht, warum er sich beim Impfen gegen das Coronavirus hinten anstellen muss. Und das, obwohl er täglich im Rahmen seiner ehrenamtlichen Tätigkeiten viel Kontakt, vor allem mit jungen Menschen, hat.

"Ich bin 67 Jahre alt, mit diversen Krankheiten 'gesegnet', dennoch mit Freude als Dozent an einer Einrichtung für Jugendliche mit Handicap tätig und ehrenamtlich als Fahrer eines Schulbusses für  die Kinder einer Förderschule unterwegs", teilt er mit. Die Dozententätigkeit ist zwar im Moment auf Online-Angebote reduziert, der Förderschul-Fahrdienst läuft aber mit Ende der Osterferien wieder an. Auf Menschen wie Klaus-Peter Achterrath, also "Rentner im Unruhestand", die sich sozial engagieren, setzt diese Gesellschaft. Menschen, die sich bei Hilfsorganisationen, Fahrdiensten, oder einem anderen Feld der Unterstützung einbringen. Bei Fahrdiensten zum Beispiel sind Ehrenamtliche im Rentenalter unverzichtbarer Teil der Teams.  

Diese Hilfe geht auch in Pandemiezeiten nicht ohne Kontakt. Kontakt wie ihn auch deutlich jüngere Mitarbeiter beispielsweise in Pflegeeinrichtungen oder im pädagogischen Bereich haben, die oft schon geimpft sind oder einen Termin in Aussicht haben. 

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"Wie gewünscht und empfohlen habe ich mich schon im Januar online zum Impfen angemeldet. Jetzt passiert es, dass wesentlich jüngere Kollegen und Kolleginnen, nachdem sie sich telefonisch angemeldet haben, innerhalb von Tagen einen Termin bekommen haben", so Achterrath. Auf Nachfrage bei der Hotline sei ihm gesagt worden, dass sich ehrenamtlich beschäftigte Rentner hinten anstellen müssten, weil deren Risiko ja geringer sei.  

Das sieht Achterrath anders, und er dürfte mit dieser Einschätzung nicht alleine sein, denn viele Fahrerinnen und Fahrer der Förderschulbusse, seien in seinem Alter und auch noch nicht geimpft. An der Einrichtung für Jugendliche mit Handicap, an der er als Dozent tätig ist, seien mittlerweile alle Beschäftigten geimpft. Menschen, "die halb so alt sind wie ich", fügt er hinzu. Vor diesem Hintergrund kann er nicht nachvollziehen, dass ihm mitgeteilt wurde "Nein, sie sind noch nicht dran, sie sind nicht so gefährdet". Er sieht sich deutlich gefährdeter – "Erstens durch das Alter, zweitens durch den Kontakt als Dozent und als Fahrer eines Förderschul-Schulbusses". Kontakt mit Menschen also, die nicht immer die Distanzregeln verstehen und einhalten können, so seine Erfahrung.    

Personal ist, wer zweimal die Woche für die Einrichtung arbeitet

Wie geht man mit älteren Menschen, also Risikogruppe, um, die sich sozial engagieren, wenn es um die Impf-Reihenfolge geht? Wir haben bei der Stadt Schweinfurt, die das Impfzentrum betreibt, nachgefragt. "Unter Personal fallen alle Personen, die regelmäßig, das heißt, mindestens zweimal je Woche, aus beruflichen Gründen oder wegen ehrenamtlicher Tätigkeit die betreffende Einrichtung betreten", so Marina Euler von der Pressestelle der Stadt. "Diese Menschen fallen unter § 2 der Coronavirus-Impfverordnung, das heißt, sie werden als besonders gefährdete Menschen eingestuft, werden demnach der höchsten Prioritätsstufe zugeordnet und erhalten beziehungsweise erhielten als Erstes ein Impfangebot."

Die Behinderteneinrichtungen, die sich beim gemeinsamen Impfzentrum von Stadt und Landkreis Schweinfurt zur Impfung angemeldet haben, haben die Daten der Bewohner sowie des Personals übermittelt, heißt es weiter. Sollte eine Einrichtung haupt- oder ehrenamtliche Mitarbeiter nicht an das Impfzentrum gemeldet haben, sei es für die betroffene Person der richtige Schritt, sich online unter www.impfzentren.bayern oder über die Hotline Tel. (0800) 8772834 zur Impfung anzumelden. Bei der Registrierung werden zum Beispiel Alter und Berufsgruppe abgefragt. Daten, die die Grundlage für die Priorisierung bilden.

Registrierte können ihre Angaben aktualisieren

In den vergangenen Monaten habe das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege die Auswahl- und somit die Priorisierungskriterien, vor allem im Bereich der beruflichen Risikofaktoren, im Onlineportal überarbeitet, heißt es weiter in der Stellungnahme der Stadt. Jeder Registrierte könne seine persönlichen Angaben jederzeit im System einsehen und aktualisieren. Für die Wahrnehmung der Impfung in der entsprechenden Priorisierungsgruppe sei eine aussagekräftige Arbeitgeberbescheinigung erforderlich, die im Impfzentrum vorgelegt werden müsse.

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