Schweinfurt

Corona und Hygiene: Was hilft noch außer Händewaschen?

Der Hygienebeauftragte des St. Josef Krankenhauses gibt Tipps wie man sich und andere vor Ansteckung schützt. Es wird in der Region Fälle wohl geben, aber es ist zu schaffen.
Hände­hygiene­maßnahmen gehören zu den wichtigsten Infektions­präventions­maßnahmen. Die eigene Hygiene, vor allem das Händewaschen, ist als Schutz vor dem Coronavirus besonders wichtig. 
Foto: Patrick Pleul | Hände­hygiene­maßnahmen gehören zu den wichtigsten Infektions­präventions­maßnahmen. Die eigene Hygiene, vor allem das Händewaschen, ist als Schutz vor dem Coronavirus besonders wichtig. 

Das Coronavirus ist in aller Munde. Wenn es aber darum geht, den Kontakt mit ihm zu vermeiden, sind eher die Hände wichtig. Reicht es wirklich, sich möglichst oft die Hände gründlich zu waschen? Was ist noch wichtig, um sich vor dem Virus zu schützen?  Dr. Michael Mildner, Ärztlicher Direktor und verantwortlich für Hygiene am  Krankenhaus St. Josef, weiß, worauf es noch ankommt, um sich vor einer Ansteckung zu schützen.

Die wichtigste Maßnahme zum Schutz gegen gegen alle Viren ist das Händewaschen, so Mildner. Jedoch dürfe man die Hände "nicht einfach so unters Wasser halten und danach abtrocknen", sondern mindestes 20 Sekunden mit Seife waschen und mit Einmalhandtüchern abtrocknen. Wer nicht weiß wie lange 20 Sekunden werden können, soll zweimal "Happy Birthday" singen, rät er. Makroskopisch sauber, wie es im Klinikalltag sein muss, werden die Hände nur mit Desinfektionsmittel, ergänzt Mildner. Will man nicht nur sich selbst, sondern auch andere schützen, sei es wichtig, in die Ellbogenbeuge zu niesen. Um das Infektionsrisiko zu verringern, solle man darauf achten, sich weniger ins Gesicht zu fassen, da das Virus auch durch Kontaktschmierinfektion übertragen werde.

Dr. Mildner "Wir sind ganz gut aufgestellt"

Maßnahmen zum Selbstschutz sind anscheinend leicht, aber wie geht ein Krankenhaus damit um? St. Josef bereitet sich seit der zweiten Januarwoche auf Corona vor, so Mildner. "Wir sind ganz gut aufgestellt. Wir haben das bei der SARS-Epidemie 2003/2004 schon gesehen, es ist nicht aufzuhalten." Die Maßnahmen im Kampf gegen das Virus sehen so aus: Es gibt eine Vereinbarung mit dem virologischen Institut Würzburg, wo die Tests durchgeführt werden. Es gibt eine fiktive Isolationsstation, die über Nacht ausgestattet werden kann und in der mindestens zehn Patienten gleichzeitig behandelt werden können.

Ausrüstung, wie Schutzkittel, FFP2 Masken und Spritzschutz für die Augen wurden im Januar vorbestellt, so Mildner. "Ohne Desinfektionsmittel ist ein Krankenhaus nicht mehr zu betreiben, dann muss man zu machen", fügt er hinzu. Deshalb sei es wichtig, dass die Bevölkerung sich die Hände wasche, anstatt unsinnigerweise knappe Ressourcen zu vergeuden. Es gab sogar schon Fälle, in denen Krankenhausbesucher sich für den "Eigenbedarf" aus den Desinfektionsmittelspendern im Eingangsbereich bedienten. 

Mildner rechnet fest mit Corona-Erkrankungen in Schweinfurt. Deren Ausmaß "hängt davon ab, ob es gelingt, relativ schnell ein wirksames Medikament zur Verfügung zu haben". Er berichtet von Studien aus den USA, wobei Medikamente der Ebola-Therapie getestet werden. Versuche gibt es auch zu Impfstoffen gegen bekannte Coronaviren, die gegebenenfalls dem neuen Virus angepasst werden könnten. Bei schwersten Krankheitsverläufen wäre es besser, auf solche Therapien zurückzugreifen, als gar nichts zu tun. 

Gesundheitsämter sollen entlastet werden 

In Schweinfurt wurde ein Krisenstab eingerichtet zur "Koordinierung der Bemühungen, die Coronawelle nicht zur Tsunamiwelle werden zu lassen." Der Krisenstab soll auch die Gesundheitsämter vor Überlastung schützen. "Die Hotlines der Gesundheitsämter laufen heiß, deren Aufgabe ist nicht, allgemeine Fragen zum Coronavirus zu beantworten." Mildner spricht von einem "Missbrauch der Ressourcen", wenn diese deshalb ihren eigentlichen Aufgaben nicht nachgehen können. Das Gesundheitsamt ist zum Beispiel zuständig, häusliche Quarantänen zu überwachen, was umso schwerer wird, je mehr Fälle auftreten. "Die Mitarbeiter müssen Betroffene anrufen, sie beraten, deren Gesundheitszustand abfragen." Das Gesundheitsamt muss täglich garantieren, dass der Patient Zuhause ist, dies geschieht über Anruf auf dem Festnetz. Existiert kein Festnetzanschluss müssen die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes persönlich überprüfen, ob der Patient zuhause ist.

Allgemeine Virusinformationen  sollten sich die Menschen im Internet suchen. Mildner verweist auf die Portale des Robert Koch Instituts oder des Bundesministeriums für Gesundheit. Wer glaubt,  infiziert zu sein, meldet sich bei der Hotline der kassenärztlichen Vereinigung, Tel. 116 117, oder ruft beim Hausarzt an.

Quarantäne-Richtlinien

Sollte eine Infektion nachgewiesen sein, muss der Patient in stationäre Quarantäne. Mindestens zehn Tage, am Ende zwei Tage fieberfrei. Vor der Entlassung darf der Patient keine Symptome mehr haben, zweimal im Abstand von 24 Stunden muss das Testergebnis negativ sein, erklärt Mildner. 

"Man darf es nicht unterschätzen, man muss es ernst nehmen, aber man muss nicht in Hysterie verfallen", bilanziert Mildner. Die im Vergleich zur Influenza scheinbar erhöhte Sterblichkeit, führt der Mediziner darauf zurück, dass man bei Corona eine "viel dichtere Erfassung" vornehme, während man bei der Grippe längst nicht jeden Patienten erfasse. "Wir werden auch in dieser Region Coronavirus positive Bürger haben, auch manchen Schwerkranken, aber das ist was, womit man in unserer Region zurecht kommt."

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