Schweinfurt

Coronakrise: "Regionales Bier muss teurer werden"

Umsatzeinbruch beim Fassbier und Preiskampf beim Flaschenbier: Wie die regionalen Brauereien die Corona-Krise meistern.
Ein Bild aus vergangenen Tagen: Die Corona-Pandemie hat den Umsatz beim Fassbier einbrechen lassen. Die Brauereien schlagen jetzt Alarm.   
Foto: Irene Spiegel | Ein Bild aus vergangenen Tagen: Die Corona-Pandemie hat den Umsatz beim Fassbier einbrechen lassen. Die Brauereien schlagen jetzt Alarm.   

300 deutsche Brauereien haben in einem Offenen Brief auf ihre wirtschaftliche Situation aufgrund des Corona-Lockdowns aufmerksam gemacht. Sie fordern finanzielle Hilfe, weil vielen in ihrer Branche die Insolvenz drohe. Auch die Schweinfurter Brauerei Roth und die kleine Privatbrauerei Ulrich Martin im Schonunger Ortsteil Hausen haben den Brief unterzeichnet.

"Beim Fassbier haben wir null verkauft", weist Edgar Borst, Geschäftsführer der Roth-Brauerei in Schweinfurt, auf 30 bis 35 Prozent Umsatzeinbußen aufgrund des fehlenden Festbetriebs hin. Vorsorglich hatte man schon im vergangenen Jahr weniger Fassbier gebraut, so dass die Lagerbestände aktuell gering seien.  "Wegschütten müssen wir nichts."   

Privatbrauer Ulrich Martin hingegen hat noch "allerhand Bier" auf Lager, das er aufgrund der fehlenden Festlichkeiten und Einschränkungen für die Gastronomie nicht verkaufen konnte. Es handelt sich vor allem um hochwertiges Bier, wie das Bockbier, das zu Martini im November gebraut wurde. 15 Hektoliter befinden sich noch in den Fässern. Wenn bis Mai der Festbetrieb nicht anläuft, "dann muss ich es wegkippen", sagt Martin. Denn Fassbier hält sich in der Regel nur ein halbes Jahr. Auch beim Weißbier fährt der Hausener Brauer einen Verlust ein. Von der im Oktober abgefüllten Charge befinden sich noch zwölf Hektoliter im Lager, die nun in den Abfluss wandern.     

Kleinere Unternehmen haben höhere Herstellungskosten

Beim Flaschenbier sieht die Bilanz zwar besser aus, es gab nur geringe Einbußen, aber hier macht den kleinen Brauereien der Preiskampf der Großbrauereien zu schaffen. Diese versuchen, den durch Corona entstandenen finanziellen Druck über den Handel auszugleichen, mit starken Preisnachlässen auf Flaschenbier. "Das tut uns regionalen Brauereien sehr weh", sagt Borst. Denn kleine Unternehmen hätten höhere Herstellungskosten und könnten bei diesem Preiskampf nicht mithalten.

Ulrich Martin bestätigt das. Er hat gerechnet und kommt zu dem Fazit: "Wir werden mit dem Bierpreis hochgehen müssen." Er plant einen Aufschlag von 30 Cent pro Kasten Bier für den Handel und hofft, "dass die Leute begreifen, dass regionales Bier teurer werden muss".          

Während Martin in Hausen vor allem auf die Öffnung der Außengastronomie setzt, hofft man bei der Brauerei Roth in Schweinfurt, dass auch der Festbetrieb bald wieder anläuft. "Da sind wir sehr stark", sagt Geschäftsführer Borst. Bis 30. Juni hat er für seine 25 Beschäftigten Kurzarbeit bei der Bundesagentur für Arbeit angemeldet. "Wenn vorher aber ein Wunder passiert, sind wir dabei."    

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Schweinfurt und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Themen & Autoren
Schweinfurt
Irene Spiegel
Bierpreis
Bockbier
Brauereien
Bundesagentur für Arbeit
Coronavirus
Handel und Vertrieb
Herstellungskosten
Insolvenzen
Preiskämpfe
Preisnachlaß
Umsatzrückgang
Unternehmen
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (10)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!