Schweinfurt

Damit auf dem Fluss alles im Fluss bleibt

Der golden glänzende Anker ist ihr Markenzeichen. Diese Steinfigur am Giebel des Rathauses ist der Schifffahrt auf dem Main gewidmet.
Foto: Anand Anders | Der golden glänzende Anker ist ihr Markenzeichen. Diese Steinfigur am Giebel des Rathauses ist der Schifffahrt auf dem Main gewidmet.

Schweinfurt, ein Name, der schon ohne den Zusatz „am Main“ verrät, dass diese Stadt am Wasser liegen muss. Eine Furt, eine Untiefe also, über die man die Schweine von einem Ufer zum anderen treiben konnte, hat Schweinfurt den Namen gegeben. Die Zeiten in denen die Schnüdel ihren zukünftigen Sonntagsbraten durchs Wasser trieben sind längst vorbei, der Main ist geblieben und hat eine enorme Bedeutung als Schifffahrtsstraße.

Deshalb ist nicht nur eine der 22 Steinfiguren auf dem Schweinfurter Rathausgiebel der Mainschifffahrt gewidmet, sondern hat auch das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt hier eine zentrale Behörde. Außenstellen der Amtes in Würzburg (Bauhof/Technik), Haßfurt, Volkach, Marktbreit und Gemünden sind dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Schweinfurt angeschlossen. Von „Kilometer Null“ des Main-Donau-Kanals an, der bei Bamberg beginnt, laufen die Fäden hier zusammen, wenn sich auf dem Main etwas tut. Helko Fröhner (Sachbereichsleiter und stellvertretender Leiter des Amtes), Günther Ruf, Stefan Meis und Hannelore Merz, die in ihren jeweiligen Bereichen zum Beispiel die Einhaltung der Vorschriften, die Sportschifffahrt oder die ordentlichen Anmeldungen und Registrierungen der Schiffe überwachen, geben Einblicke in ihre Arbeit.

Sicherheit und Leichtigkeit des Schiffsverkehrs

„In erster Linie sind wir dafür da, die Sicherheit und Leichtigkeit des Schiffsverkehrs zu gewährleisten“, fasst Günther Ruf zusammen. Dahinter verbirgt sich jede Menge Arbeit und Organisation. So eine Wasserstraße ist erst einmal eine Straße wie jede andere. Es gibt sogar mehr „Verkehrszeichen“ als im Straßenverkehr, wer ein Boot führt sollte sie alle kennen. Genau geregelt ist dies alles in der – Achtung Wortmonster – Binnenschifffahrtsstraßenverordnung.

Und doch ist so eine Wasserstraße ganz anders als eine normale Straße, denn sie ist immer in Bewegung. „Kommt es an Land zu einem Unfall, dann liegt das Auto meinetwegen im Graben und alles steht still. Nach einer Havarie auf dem Wasser bewegt sich sowohl das havarierte Schiff als auch die Wasserstraße weiter“, skizziert Helko Fröhner ein Szenario. Darüber hinaus ist der Main, der relativ stark mäandert, nautisch recht schwierig. Schiffe bis zu einer Länge von 190 Metern (Koppelverband) bewegen sich durch den Zuständigkeitsbereich der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung Schweinfurt. Rund 30 Schiffe bis zu dieser Größenordnung passieren täglich die Stadt.

Überwachung des Schiffsverkehrs und Unterhalt der Staustufen

Doch die Aufgabenfelder des Amtes umfassen weit mehr als nur die Überwachung des schwimmenden Verkehrs. Der ordnungsgemäße Zustand der Bundeswasserstraße muss gewährleistet werden, die Schleusen und Staustufen fallen in den Zuständigkeitsbereich, genauso wie strompolizeiliche Aufgaben. Die Beamten haben – obwohl ohne Waffe und Uniform – nach wie vor Polizeigewalt und arbeiten in der Praxis sehr eng mit der Wasserschutzpolizei zusammen, wenn es zum Beispiel um die Kontrolle von Schiffen und die ordnungsgemäße Zahl und Qualifikation der Besatzung geht.

Das Aufstellen und die Kontrolle der Schifffahrtszeichen wird von der Behörde wahrgenommen, auch der Wasserstands- und Hochwassermeldedienst gehört zu den Aufgaben. Im Winter ist die Eisbekämpfung ein Thema. Nicht nur deshalb verfügt die Behörde auch über eigene Schiffe und über einen Bauhof, der zum Beispiel Reparaturen an den Schleusen vornimmt.

Freizeit-Schifffahrt ist ein großes Thema

Neben der gewerblichen Schifffahrt, wie sie zum Beispiel die Firma Walther in Schweinfurt betreibt, ist vor allem die Freizeit-Schifffahrt ein großes Thema. Privatboote haben anders als ein Auto keinen Fahrzeugbrief, eine Haftpflichtversicherung ist nicht vorgeschrieben. Hobby-Kapitäne haften voll mit ihrem Privatvermögen, wenn sie einen Unfall verursachen. Zudem braucht es für die meisten Boote bis zu 15 PS, und die reichen auch schon für kleinere Kajütboote, keinen Führerschein. Die Regeln auf der Wasserstraße und die dazugehörigen Schilder, müssen die Freizeitkapitäne aber dennoch alle kennen. Auch deshalb, so die Erfahrung, machen einige dann doch den Führerschein, erstens um sich sicherer auf dem Wasser bewegen zu können und zweitens um – auf den Geschmack gekommen – auch PS-stärkere Boote bewegen zu dürfen. Wassermotorräder, auch als Jet-Ski bekannt, haben mehr als 15 PS, dürfen also nicht ohne Führerschein benutzt werden.

Rund 1000 Bootsregistrierungen pro Jahr

Registriert werden – und auch das gehört zu den Aufgaben der Behörde – müssen aber alle Boote sehr wohl. Eine sogenannte Konformitätserklärung, meist anhand der Herstellerangaben ausgestellt, braucht es auf jeden Fall um zum privaten Binnenschiffer zu werden. Auch alle Besitzerwechsel und Umschreibungen werden im Amt vorgenommen. Rund 1000 Registrierungen kommen im Jahr zusammen, weiß Stefan Meis. Viele, die planen sich ein Boot zuzulegen, aber nicht genau wissen, wie der Weg zum Freizeitkapitän ausschaut, wenden sich an ihn und werden beraten.

Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Schweinfurt ist auch die Behörde, die Veranstaltungen auf dem Wasser, wie zum Beispiel das Schlauchbootrennen, genehmigt, oder auch untersagt, sollte zum Beispiel Hochwasser ein sicheres Führen der Boote unmöglich machen. Rund 50 Veranstaltungen pro Jahr auf dem Main müssen genehmigt werden, weiß Hannelore Merz.

Der Main hat viele Gesichter. Drei Meter tief muss er mindestens sein um die Schifffahrt im gewohnten Umfang zu ermöglichen. Dank der Staustufen ist dies eigentlich immer gewährleistet. Dann fließen immer noch 20 000 Liter Wasser pro Sekunde durch. Bei Hochwasser kann es auch schon mal die 50-fache Menge sein. Wer sich seinen Teil davon zum Beispiel auf die angrenzenden Felder pumpen will, um seine Anbauflächen zu bewässern, muss sich ebenfalls bei der Behörde dafür die Erlaubnis holen.

Binnenschiffer immer auf dem neuesten Stand halten

Kapitäne und Schiffsführer verlassen sich darauf dass sie mittels NfB (Nachrichten für die Binnenschifffahrt) von der Behörde zum Beispiel über aktuelle Sperrungen oder Einschränkungen des Schiffsverkehrs informiert werden. Das Programm „Elwis“ (Elektronischer Wasserstraßen-Informationsservice) informiert zum Beispiel über Wasserstände oder über Arbeiten an Schleusen.

Viel Service für die Binnenschiffer also. Die Behörde ist weit mehr als ein „Ordnungsamt für den Fluss“. Ganz nebenbei ist das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt ein wichtiger Arbeitgeber. 370 Mitarbeiter sind es im Zuständigkeitsbereich der Schweinfurter Behörde (60 davon in Schweinfurt selbst). Darunter 43 Auszubildende in den unterschiedlichsten Berufen vom Bauzeichner über den Industriemechaniker bis zum Binnenschiffer.

Ansprechpartner für beinahe alle, die den Main entweder als Freizeitkapitän oder für die gewerbliche Schifffahrt nutzen. Günther Ruf, Stefan Meis, Helko Fröhner und Hannelore Merz (von links), sorgen im Zusammenspiel ihrer jeweiligen Fachbereiche dafür, dass in Sachen Mainschifffahrt alles seine Ordnung hat. Im Hintergrund die Richtpegel für die Schifffahrt am Main, wie sie im Foyer der Behörde einzusehen sind.
Foto: Helmut Glauch | Ansprechpartner für beinahe alle, die den Main entweder als Freizeitkapitän oder für die gewerbliche Schifffahrt nutzen.
Ruhig fließt der Main, hier von der Schiffsanlegestelle unweit des Jugendgästehauses aus betrachtet, durch Schweinfurt. Doch es ist ganz schön etwas los auf der Wasserstraße. Allein rund 30 große Schiffe passieren täglich die Stadt.
Foto: Helmut Glauch | Ruhig fließt der Main, hier von der Schiffsanlegestelle unweit des Jugendgästehauses aus betrachtet, durch Schweinfurt. Doch es ist ganz schön etwas los auf der Wasserstraße.
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