ST. LUDWIG

Damit die Engel wieder strahlen

Im nächsten Jahr feiert das weithin bekannte Gotteshaus sein 100-jähriges Weihejubiläum. Die Wandmalereien im Beuroner Kunststil – einmalig im nordbayerischen Raum – haben durch Ruß und Staub ihre Leuchtkraft großenteils verloren. Die letzte Renovierung liegt 30 Jahre zurück. Aus diesem Grund soll die ehemalige Benediktinerkirche – heute geistliches Zentrum des Antonia-Werr-Zentrums der Oberzeller Franziskanerinnen – zur Wiederkehr des Weihetages im neuen Glanz erstrahlen.
Der schlichte Holzaltar und der Ambo der Kirche von St. Ludwig werden aus Stein dem Stil des Gotteshauses angepasst neu geschaffen. Über dem Hochaltar öffnet sich Christus als Pantokrator (Allherrscher) – umgeben von einem mit goldenen Sternen übersäten Himmelsblau – dem Betrachter.
Foto: FOTOs johannes Zimmermann– | Der schlichte Holzaltar und der Ambo der Kirche von St. Ludwig werden aus Stein dem Stil des Gotteshauses angepasst neu geschaffen.

Am 8. Januar soll es losgehen: Altar, Ambo (beide aus Holz), Kirchenbänke mitsamt dem Fußboden und die Heizungsrohre werden herausgenommen. Letztere befinden sich unter den Kniebänken und leisteten nach Aussage der Leiterin Schwester Agnella Kestler der Verschmutzung der Kirche zur heiligen Familie Vorschub. Auch die Orgel, die gereinigt werden muss, baut man zusammen mit den Orgelpfeifen aus. Ein ganzes Bündel an Erneuerungsmaßnahmen steht in den nächsten Monaten an: Die Röhrenheizkörper werden durch Wärmestationen ersetzt, deren Umluftsystem zieht schmutzige und verbrauchte Luft an und bläst saubere Luft ins Kircheninnere. Nach den neuen Bestimmungen ist die Elektroanlage zu modernisieren. Unter anderem sollen die neuen Pendelleuchten nach oben und zur Seite strahlen, um die Malereien ins rechte Licht zu rücken. Altar und Ambo werden aus Stein dem Stil der Kirche entsprechend neu geschaffen.

Der Terrazzoboden im Chorraum muss ausgebessert werden. Im Kirchenschiff bringt man unter den Bänken aus energetischen Gründen einen Holzfußboden an. Die Kirchenbänke selbst erfahren eine Veränderung: Die Buchbretter werden geschliffen und nach hinten gerückt, was das Sitzen bequemer macht. Aus Energiegründen ist beim Eingang ein Windfang vorgesehen, indem man den Portikus, den Vorbau beim Haupteingang, mit Glas schließt.

Reinigung der Gemälde

Aufwändig und nicht ganz einfach ist laut Schwester Agnella die Trockenreinigung der Fresken. Benediktinermönch Paulus Krebs hat die Kirche zusammen mit zwei Mitbrüdern vor rund 90 Jahren im so genannten Beuroner Stil ausgemalt. Frühchristliche und byzantinische Elemente, aber auch ornamentale Formen des Jugendstils finden sich in den Wandmalereien des frühen 20. Jahrhunderts wieder. Einige kleine Stellen, die man probeweise schon gereinigt hat, lassen die Leuchtkraft der Farben und die Auswirkung auf den Kirchenraum erahnen.

In der kunstvollen Ausgestaltung ist nach den Erläuterungen des Hausgeistlichen Pater Benedikt Müller, OSB, der benediktinisch geprägte Geist wieder zu finden. So hat der bekannte Künstler Heinz Schiestl auf den Seitenaltären die Heiligen Benedikt, den Gründer des Benediktinerordens, Kilian und Bonifatius sowie Gertrud von Helfta, Scholastika, die Schwester Benedikts, und Mechtild dargestellt. Scholastika wurde später durch eine Marienstatue ersetzt.

Auch an den Wänden entdeckt der Besucher des Gotteshauses Szenen mit dem heiligen Benedikt, außerdem Heilige, die wie die Heilige Lioba von der benediktinischen Einstellung beseelt waren.

Auch den Dienerinnen der heiligen Kindheit Jesu vom Dritten Orden des heiligen Franziskus, den Oberzeller Schwestern, ist nach Schwester Agnella die benediktinische Gesinnung des „Ora et labora“ (Bete und arbeite) sehr vertraut. So führen die Stundengebete die 17 Oberzeller Franziskanerinnen in der Kirche zusammen. Ihre „Arbeit“ ist vor allem der Bildung und Erziehung der über 90 Mädchen, die aus mehreren Bundesländern kommen, gewidmet, erläuterte die Leiterin.

Hinsichtlich der Erneuerung der Kirche stehen verschiedene Ämter wie das Landesdenkmalamt, die Untere Denkmalschutzbehörde und das Bau- und Kunstreferat der Diözese mit Rat und Zuschüssen zur Seite. Doch bis zur voraussichtlichen Gesamtbausumme von fast 400 000 Euro klafft noch eine beträchtliche Lücke. Die Oberzeller Schwestern freuen sich deshalb über jede Spende, für die eine steuerlich absetzbare Spendenquittung ausgestellt wird. Die Bauleitung liegt bei dem technischen Leiter von Kloster Oberzell Udo Hofer.

Jubiläum am 1. Juli

In der 26. bis 28. Woche sollen die Arbeiten im Gotteshaus abgeschlossen werden und, wenn alles klappt, das 100-jährige Weihejubiläum am 1. Juli gefeiert werden. Die Dienerinnen der hl. Kindheit Jesu und die Mädchen des Antonia-Werr-Zentrums sowie die auswärtigen Besucher werden dann ein helles und modernisiertes Gotteshaus betreten können. Auch für Trauungen und Taufen wird die Kirche wieder beliebbt sein. Bis dahin sind die Gottesdienstteilnehmer aus den umliegenden Orten, die Radfahrer und Wanderer samstags um 19 und sonntags um 10 Uhr in den Theatersaal eingeladen, der entsprechend eingerichtet sein wird.

Pater Benedikt Müller und die Gesamtleiterin des Antonia-Werr-Zentrums Schwester Agnella Kestler weisen in der Seitenkapelle auf den Engel hin. Die probeweise kleine gereinigte Fläche am unteren Rand des Gewandes zeigt, wie die Farben erstrahlen.
| Pater Benedikt Müller und die Gesamtleiterin des Antonia-Werr-Zentrums Schwester Agnella Kestler weisen in der Seitenkapelle auf den Engel hin.
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