Schonungen

Der Main wird 40 Zentimeter tiefer und vier Meter breiter

Auch die Preußen haben schon für den Ausbau des Mains in die Kasse gegriffen. Und wieder schwimmen die Bagger auf dem Fluss. Zu entsorgen sind 500 000 Tonnen Aushub.
Mainausbau an der Forster Bucht bei Schonungen
Foto: Günter Hübner | Mainausbau an der Forster Bucht bei Schonungen

Im Zeitplan sind die Arbeiten für den 14,3 Millionen Euro teuren Ausbau des Mains zwischen der Staustufe Ottendorf und Schonungen, sagt das zuständige Neubauamt der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung in Aschaffenburg auf Anfrage der Redaktion dieser Zeitung.

Der Main wird oberhalb von Schweinfurt auf einer Länge von gut zehn Kilometern von bislang 36 auf 40 Meter verbreitert. Gleichzeitig wird die Fahrrinne von 2,5 auf 2,9 Meter vertieft. Nach Fertigstellung dieses Teilstücks im Jahr 2020 wird der Main zwischen Schweinfurt und Garstadt tiefer und breiter, ehe der Ausbau bis Wipfeld erfolgt. Parallel zu dem aktuellen Einsatz der Bagger läuft das Antragsverfahren auf Baurecht für den Abschnitt Ottendorf bis Knetzgau.   

Der Ausbau (seit Sommer 2018) erfolgt, weil die Binnenschifffahrt verstärkt mit bis zu 190 Metern langen Schubverbänden (und mit 1000 Tonnen mehr an Ladung) und nicht mehr nur mit den knapp 70 Meter langen Frachtschiffen unterwegs sein will. 

Strategische und wirtschaftliche Bedeutung

Der Main ist mit einer Länge von 524 Kilometern der wichtigste und der längste rechte Nebenfluss des Rheins. Seine Bedeutung als Wasserstraße ist auch durch die ansonsten seltene Verbindung von Osten nach Westen und durch den Main-Donau-Kanal, der die Schifffahrt bis zum Schwarzen Meer ermöglicht, begründet. Geregelt wird der Wasserstand der Großschifffahrtsstraße durch 34 Stauwerke.

Die Umladestation für den Mainaushub am Schweinfurter Hafenbecken
Foto: Gerd Landgraf | Die Umladestation für den Mainaushub am Schweinfurter Hafenbecken

Die strategische und wirtschaftliche Rolle des Flusses hatten bereits die Römer erkannt. Im zweiten Jahrhundert nach Christus war der Main auf 50 Kilometern der "nasse Limes". Im Mittelalter verdankten zahlreiche Siedlungen, darunter Schweinfurt, ihre wirtschaftliche Entwicklung der Schifffahrt, der Fischerei und der Flößerei. Als Verkehrsweg wurde der Fluss zur Zeit der Industrialisierung noch wichtiger.  

Ausbau seit der Mitte des 19. Jahrhunderts

Schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts fand eine Mittelwasser-Regulierung statt. Die geringe Wasserführung des Mains während der Sommermonate wurde mit einer Verengung  des Flussquerschnitts durch die Anlage von Buhnen und Parallelwerken entschärft. Als im Jahr 1866 Preußen Mainanlieger wurde, gewann der Transportweg wiederum an Bedeutung. Preußen, Bayern, Baden, Hessen und die Freie Reichsstadt Frankfurt begannen nun mit dem Bau von Staustufen. Der Ausbau des Mains zwischen Würzburg und Bamberg erfolgte jedoch erst in den Jahren 1946 bis 1962. In dieser Zeit entstand hier die 36 Meter breite und 2,5 Meter tiefe Fahrrinne.

Am 25. September 1962 wurde die Mainstrecke zwischen Schweinfurt und Bamberg für den Verkehr mit großen Schiffen freigegeben und damit der Ausbau des Mains zur Großschifffahrtsstraße nach dem ersten Spatenstich im Jahr 1833 beendet. Heute kreuzen vor Schonungen jährlich etwa 6000 Frachtschiffe und 1000 Hotelschiffe sowie ungezählte Sportboote, Ausflugsdampfer, Ruderer oder Kanuten.  

Umladestation am Schweinfurter Hafenbecken

Die 500 000 Tonnen Aushub des Mainausbaus zwischen Schonungen und Ottendorf wurden und werden per Schiff bis in den Schweinfurter Hafen gebracht, wo erst im vergangenen Sommer eigens eine Verladestation an der Einfahrt zum Hafenbecken gebaut wurde, nachdem die Gemeinde Grafenrheinfeld eine weitere Nutzung der Lände unterhalb der Brücke nach Bergrheinfeldnicht mehr genehmigt hatte. Vom Hafen wird der Aushub mit Lastern über einen jetzt ausgebauten ehemaligen Feldwegzur Gottlieb-Schenker-Straße und weiter in den Industrie- und Gewerbepark Maintal gebracht, wo Bauland und der angrenzende See der aktuellen Kies- und Sandausbeute (neben der städtischen Naherholungsanlage Baggersee) aufgeschüttet wird.

Das Schüttgut der jährlich 30 000 Sattelschleppern wird bis Oktober 2020 teilweise auch nach Frankenwinheim, Heidenfeld, Lindach und Röthlein gebracht. 

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