Schweinfurt

Die Entwicklung der Kommunikation vom Brief zum Tweet

Organisatorin der Ausstellung, Hosan Tahir, mit einer Friedrich Rückert zeigenden Maske.
Foto: Bastian Reusch | Organisatorin der Ausstellung, Hosan Tahir, mit einer Friedrich Rückert zeigenden Maske.

Kaum etwas hat sich in den letzten 200 Jahren dermaßen verändert, wie die zwischenmenschliche Kommunikation. Urkunden und Briefe wurden durch elektronische Kurznachrichtendienste abgelöst, technische Neuerungen verfrachteten die altbekannten gelben Telefonzellen in die Hosentasche. Am Tag der Archive vergangenen Samstag bot das Stadtarchiv Schweinfurt eine Reise zurück in jene Zeit vor dem alles beherrschenden Internet an, als sich Liebende sogar noch Liebesbriefe geschrieben haben.

Schreibtische voller staubiger Akten, an denen weißhaarige Männer fortgeschrittenen Alters sitzen, das ist die Vorstellung, die so manch einer von einem typischen Archiv hat. Schon beim Betreten des Stadtarchivs aber bot sich ein völlig anderes Bild. Luftballons wurden an Kinder verteilt, eine Wäscheleine mit angehängten WhatsApp-Chats zeigte eine moderne Kommunikationsart, dazu begrüßte die erst 22-jährige Organisatorin der Ausstellung, Hosan Tahir, die Besucher mit einem freundlichen Lächeln. Sie kennt die meisten Klischees über Archive: "Manchmal werde ich gefragt, ob wir überhaupt Fenster haben. Dabei habe ich einen wunderschönen Ausblick", sie deutet lachend durch ihre Bürofenster, vor denen sich der Martin-Luther-Platz auftut.

Die erste Zeitung in Schweinfurt, die Schweinfurter wöchentliche Anzeige vom ersten Januar 1776, im Original.
Foto: Bastian Reusch | Die erste Zeitung in Schweinfurt, die Schweinfurter wöchentliche Anzeige vom ersten Januar 1776, im Original.

Tag der Archive als Chance

2016 begann die Schweinfurterin am örtlichen Stadtarchiv mit ihrer Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste. Seit ihrem Abschluss im vergangenen Juli ist sie fest am Stadtarchiv angestellt und sah im Tag der Archive eine Chance: "Es ist das erste Mal, dass wir mitmachen, darauf habe ich auch bestanden. Es kommt wirklich gut an, die ersten Besucher waren schon vor dem eigentlichen Beginn um 11 Uhr da."

Viel Arbeit steckt in der Präsentation, die Kommunikationsformen in allen Bandbreiten darstellt. Bereits im November begann Tahir mit den Vorbereitungen, zunächst in den archiveigenen Datenbanken. "Anschließend habe ich mich in die Quellen richtig eingelesen, das dauert schon Monate", beschreibt die Archivarin.

Erste Zeitung der freien Reichsstadt

Dann geht es in die Ausstellung, vorbei an Typographen und der ehemals städtischen Büro-Schreibmaschine hin zum moderner anmutenden Computer mit Diskettenlaufwerk. Auch Handys sind in der Ausstellung enthalten. Im Lesesaal des Stadtarchivs angekommen, gibt es alte Presseerzeugnisse zu bestaunen. Ein Highlight darunter sicherlich die erste Zeitung in der damaligen freien Reichsstadt, die Schweinfurter Wöchentliche Anzeige, vom ersten Januar 1776.

Liebesbrief von Wilhelm Sattler

Allerdings barg die Ausstellung nicht nur die Möglichkeit der Betrachtung, zum Ende der Führung präsentierte Tahir noch ein Spiel. "In der damaligen Zeit war Kommunikation ohne Postkarten und Briefe ja undenkbar", erklärt die Archivarin. So nahmen sich die Menschen früher sogar noch Zeit, um Liebesbriefe zu verfassen. An einen dieser Briefe in altdeutscher Schrift konnten sich die Besucher selbst versuchen. "Die Beziehung von Wilhelm Sattler und Katharina Geiger wurde von den Eltern nicht geduldet. Sie haben sich trotzdem geliebt und Wilhelm hat schließlich eine Geheimsprache kreiert", erklärt Tahir den Kontext. Bis ans Ende habe es zwar keiner geschafft, Spaß an der Sache hatten allerdings die meisten, fügt sie lächelnd hinzu.

Insgesamt wertete Tahir die Veranstaltung bereits am Nachmittag als Erfolg: "Es ist eine Möglichkeit zu zeigen, was wir im Archiv eigentlich machen. Viele der Besucher sind erstaunt, was hier vor allem an Bildmaterial vorhanden ist, das ist fast niemandem bewusst."

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