Werneck

Die Pflicht, für Menschlichkeit einzutreten

Unter dem Thema 'Erinnerungskultur' stand im Schlosspark Werneck die Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Verschleppung und Ermordung psychisch Kranken aus Werneck. Im Bild Ärztlicher Direktor Prof. Hans-Peter Volz bei seiner Ansprache.
Foto: Silvia Eidel | Unter dem Thema "Erinnerungskultur" stand im Schlosspark Werneck die Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Verschleppung und Ermordung psychisch Kranken aus Werneck. Im Bild Ärztlicher Direktor Prof.

Wie sieht es mit unserer Erinnerungskultur aus? Mit dem Vergessen, dem Ignorieren von Verbrechen der Nationalsozialisten, aber auch von heutigen Formen von Rassismus und Ausgrenzung, von Angriffen auf die Demokratie? Der 80. Jahrestag der Verschleppung und Ermordung psychisch Kranker der Wernecker Heil- und Pflegeanstalt war ein eindrücklicher Appell, dass jeder einzelne für die Einhaltung der Menschenrechte eintreten muss.

Die Gedenkveranstaltung am Mahnmal im Schlosspark, die die Wernecker Menschenrechtsinitiative "Pax an" dort zum 25. Mal organisierte, war von Corona beeinflusst. Schon der Einlass auf das Gelände der Bezirksklinik gestaltete sich wegen hauseigener Corona-Regeln für die etwa 70 Besucher schwierig. Auch Maskentragen im Freien war angesagt.

Gerade die Pandemie zeige, dass krudes und braunes Gedankengut nach wie vor vorhanden sei und eine Gefahr für die Demokratie darstelle, hielt Wernecks Bürgermeister Sebastian Hauck fest. Mit Veranstaltungen wie dieser müsse immer wieder an die Auswirkungen solcher Haltungen gemahnt werden.

Dank an die Menschenrechtsinitiative für ihr Engagement

Dass eine Erinnerung an die Nazi-Verbrechen einfacher sei, wenn man über Elterngenerationen noch einen Bezug zu der Zeit habe, konstatierte Prof. Hans-Peter Volz, Ärztlicher Direktor des Psychiatrischen Krankenhauses (KPPPM). Er dankte "Pax an", dass sie 1996 beim Bezirk das Mahnmal erwirkt habe. "Aber warum erst 1996 und nicht 1956?", fragte er. Es habe erst ein Prozess des Erinnerns und Gedenkens etabliert werden müssen, gab er selbst die Antwort.

In der NS-Zeit sei es kein Zufall gewesen, dass die psychisch kranken Patienten gequält und ermordet wurden. "Sie wurden als störend angesehen". Auch heutzutage seien nicht alle erfreut, wenn sich Patienten im Wernecker Ortsbild zeigten. Die Forensik sei auf dem Krankenhausgelände untergebracht, es gebe Suizide, auch Gewalttaten. Aber die Gemeinde stehe hinter der Klinik und ihrer Arbeit, dankte Volz den drei aktuellen und früheren Bürgermeistern Sebastian Hauck, Edeltraud Baumgartl und Paul Heuler.

Wesentlich für eine Verstetigung der Erinnerung sei die Arbeit des klinikinternen historischen Arbeitskreises, dankte Volz auch seinem ehemaligen Kollegen Dr. Thomas Schmelter und dem Leitenden Sozialpädagogen Paul Strobel. Es sei auch nicht ganz einfach gewesen, der Ausstellung 2006 über die Geschichte des Krankenhauses dauerhaft einen festen Platz im Haus zu verschaffen.

Erinnerung an Verbrechen aufrecht erhalten, um daraus zu lernen

Die Bedeutung von Erinnerung liege darin, das Wissen der Ereignisse zu haben und weiterzugeben, sagte "Pax an"-Sprecher Klaus Hofmann. Menschen seien aber unterschiedlich, umso wichtiger sei es, sie dabei zu unterstützen. In seinem Blick zurück auf die Arbeit der Menschenrechtsinitiative erläuterte er, dass die Geschehnisse der NS-Zeit lange tabu waren. "Wie soll man sich aber davon heilen, wenn nicht darüber gesprochen wird?", fragte er.

Auch heute gebe es Gruppen, die die Nazidiktatur verharmlosen würden. Jahrelang habe man zudem die rechte Szene nicht ernst genug genommen. Es bleibe eine Aufgabe, die Erinnerung und das Gedenken, die Humanität, weiterzugeben an die nächste Generation. Zu der zählt auch der junge Schweinfurter Saxophonist Anton Mangold, der mit seiner einfühlsamen Musik die Gedenkveranstaltung bereicherte.

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